Retro: Sinclair ZX Spectrum – Composite Video Umbau

Spectrum miniNachdem ich mich wieder seid einiger Zeit mit dem Sinclair Spectrum befasse, hatte ich nun endgültig die Schnauze voll von dem schlechten Bild über den HF-Ausgang an einem modernen Fernseher. Ich konnte bisher meinen Philips LCD-Fernseher nicht so einstellen dass ich ein scharfes Bild bekam. Beim meinem ZX81 konnte ich das durch den Einbau eines kleinen Moduls beheben: ZX81SCP. Nun war mir aber auf die schnelle eine Investition in die Interfaces die es als Lösung für diese Zwecke gibt etwas zu teuer und nicht sicher genug. Manche dieser Interface vertragen sich untereinander nicht. So kann es z.B. sein, das bei Anschluss der Video-Erweiterung das zusätzlich angeschlossene Datel Plus D Interface seinen Dienst versagt.

Also habe ich etwas im Netz gestöbert und eine ganz ordentliche Anleitung gefunden und auf Deutsch übersetzt. Als Vorabtest habe ich mal einen Spectrum aufgeschraubt und die entsprechenden Drähte nur mal provisorisch befestigt – es hat funktioniert! Zur Umsetzung habe ich mir dann beim örtlichen Elektroladen einen Lötkolben und etwas Bastelmaterial besorgt und meine beiden „Speccy“ (Spectrum 48 und Spectrum +) innerhalb von ca. 30 Minuten „umgebaut“ und nun habe ich ein scharfes Bild von dem man keinen Augenkrebs bekommt.

"grober" Test des Anschlusses - ein Kabel auf Masse - ein Kabel auf den Video Pin
„grober“ Test des Anschlusses – ein Kabel auf Masse – ein Kabel auf den Video Pin

Hier der Link zur Englischen Originalfassung:
Womble’s Retro Repair Shack

Der Original Spectrum wurde auf das Nötigste beschränkt um den Preis so niedrig wie möglich zu halten. Als Ergebnis fehlten viele Komponenten die auf später folgenden 8-Bit-Maschinen Standard waren: keine Joystick-Ports, kein Drucker-Anschluss, kein RS232 Port und kein RGB Video Anschluss. Viele dieser Defizite wurden über die folgenden Jahre von Zubehörherstellern ausgeglichen. Ein Problem besteht aber immer noch: der einzige Video-Ausgang ist der RF Anschluss (Antennekabel-Anschluss).

Der Nachteil daran ist, dass die Videoqualität nicht so gut ist wie sie sein könnte. Zum anderen haben Fernseher nur einen Antenneneingang, so dass man Umstecken muss, sollte man den Anschluss für etwas anderes benötigen. Als drittes hat man noch das Problem mit dem PAL-Typ. Die meisten Spectrums wurden mit PAL I (Englisches PAL) Modulatoren gebaut – nun konnte es in einem „nicht PAL 1 Land“ passieren wenn man keinen Fernseher besaß, der gut genug war um das automatisch erkennen zu können, das man nur schwarz/weiß sehen konnte.

Wäre es nicht großartig den Speccy an einen der zahlreichen AV-Anschlüsse eines modernen Fernsehers anschließen zu können? Der Speccy hatte keinen Composite-Ausgang da Fernseher zu seiner Zeit keine Composite Eingänge hatten. Fünf bis zehn Jahre später hatten fast alle Fernseher einen solchen Anschluss, der Spectrum war aber in der Vergangenheit gefangen.

Hier gibt es einen Ausweg, der so einfach ist, das es zum Lachen ist; man benötigt ca. 10 Minuten einen Lötkolben und einen 4cm dünnen Draht. Diese Modifikation erfordert keine Änderung am Gehäuse, kein Bohren, kein Schneiden und der RF-Anschluss wird weiterhin der Ausgang für das Video-Signal sein, nur dass er nun des Composite-Signal anstelle des RF-Signals ausgibt. Glücklicherweise ist der RF-Anschluss ein RCA-Sockel so dass man nur das gelbe Video-Kabel an den RF-Ausgang anschließen muss und schon ist es erledigt.

Der Trick ist, das der Speccy bereits das Composite Video Signal als erstes in den RF Modulator einspeist. Dieser moduliert es dann, um RF Signale zu senden. Der Fernseher wird auf das Ausgangssignal abgestimmt und wandelt es für die Darstellung pflichtbewusst wieder in ein Composite-Signal zur Darstellung um. Natürlich verschlechtert das alles das Bild und ist heute total unnötig.

Hier nun die Umsetzung – manche der Fotos sind sehr groß, wenn ich sie verkleinert hätte, würde man nicht sehen können was vor sich geht.

Entferne die fünf Schrauben auf der Unterseite, die das Gehäuse zusammenhalten. Hebe den oberen Teil des Gehäuses ab und drehe es bis die die zwei Flachbandkabel siehst, die die Tastatur mit der Hauptplatine verbinden. Man muss diese nicht abstecken, ich würde es aber machen, da die Belastung auf die Kabel größer ist, wenn sie noch verbunden sind als wenn sie nicht verbunden sind und später wieder eingesteckt werden. Das ist übrigens der einzige riskante Teil der ganzen Prozedur, da diese Keyboard Membrane nie die robustesten Komponenten waren und alte sind noch fragiler – nicht strecken oder biegen!

Es gibt eine Schraube in der Mitte das Mainboards – dies hält das Mainboard und die Unterseite zusammen – entferne diese Schraube und nimm die Platine heraus.

Mittlere Schraube entfernen
Mittlere Schraube entfernen

 

Alle wichtigen Details - Deckel einfach abheben - durch das linke Loch wird die neue Leitung "gelegt" - Video-Anschluss und +5V Leitung
Alle wichtigen Details – Deckel einfach abheben – durch das linke Loch wird die neue Leitung „gelegt“ – Video-Anschluss und +5V Leitung

In der linken oberen Ecke gibt es eine Metall-Box – das ist der RF Modulator – der Deckel ist nur aufsteckt – einfach abnehmen.
Nun kann man sehen was sich hinter dem RF-Anschluss befindet. Du kannst einen Widerstand erkennen welcher in einen kleinen Plastikschlauch führt – die eine Seite des Widerstands ist mit dem mittleren Pin des RF-Anschlusses verbunden.

Verbindung zwischen Widerstand und mittleren Pin unterbrechen und "wegdrehen"
Verbindung zwischen Widerstand und mittleren Pin unterbrechen und „wegdrehen“

Diese Verbindung muss getrennt und vom Pin weggedreht werden.

Du kannst auch zwei Drähte erkennen welche auf der linken Seite in die RF Box führen – einer dieser Drähte geht durch einen Plastik-Isolator – das ist der Video Feed (der linke Draht).

Der andere Anschluss der durch einen silbernen Anschluss führt ist die 5 Volt Versorgung des Modulators – diese beiden Drähte müssen getrennt werden. Man könnte den Modulator auch angeschlossen lassen, was aber durch die RF-Frequenz-Schaltung dazu führen könnte das das andere Signal gestört wird. Also kann man den Modulator auch getrennt lassen.

Drähte entfernen - links der Video Anschluss - rechts die +5V für den Modulator
Drähte entfernen – links der Video Anschluss – rechts die +5V für den Modulator

Der 5 Volt Anschluss ist nur auf der Oberseite angelötet. Entfernen Sie ihn und biegen ihn aus dem Weg wie auf dem Bild oben. Der Draht des Video-Signals ist von unten angelötet und muss auch entfernt werden – biege auch ihn zur Seite wie oben auf dem Bild.
Stelle sicher das sich die beiden Drähte nicht gegenseitig oder irgendetwas anderes berühren – wenn man es ganz genau nehmen will kann man das mit einem Schrumpfschlauch bewerkstelligen.

Unterseite - links der Video Pin, rechts der +5V Pin
Unterseite – links der Video Pin, rechts der +5V Pin
Drähte entfernt und zur Seite gedreht.
Drähte entfernt und zur Seite gedreht.

Zum Glück hat Sinclair einen Modulator mit zwei Löchern im Kunsstoffisolator auf der einen Seite ausgewählt, so das man sich nicht erst einen Weg suchen muss um den Draht an den Anschluss zu bekommen. Führe den das ca. 4cm lange Stück dünnen Drahtes durch das zweite Plastikloch und verlöte es mit dem zentralen Pin der Ausgangsbuchse. Verlöte das andere Ende mit dem Anschluss von dem die RF Box ihr ursprüngliches Video-Signal erhalten hat.

Hier kannst Du den neuen blauen Draht sehen der vom alten Video-Anschluss durch das zweite Loch zur Ausgangsbuchse führt. Ebenso die beiden alten unterbrochenen und verdrehten Verbindungen.

blauer Draht für die Composite Leitung - verbunden mit dem Innenleiter der Videobuchse
blauer Draht für die Composite Leitung – verbunden mit dem Innenleiter der Videobuchse

 

Das war’s – Masse ist auch am Boden der RF Box vorhanden, so dass diese bereits an die Ausgangsbuchse angeschlossen ist.

Prüfe nochmal ob alles wie auf den Fotos verbunden ist und bau den Speccy wieder zusammen. Verbinde ihn mit dem Fernseher und genieße das Bild!

Fazit: Mit etwas Bastelgeschick kann man innerhalb kurzer Zeit ein wirklich gutes Ergebnis erreichen und das Bild extrem verbessern – außerdem ist das Handling so wesentlich leichter.