Retro: Sinclair QL – Hardwarevorstellung: QL-SD

QL-SD miniGeschichte
Die Geschichte zum QL-SD reicht etwas weiter zurück. Vor einigen Jahren wurde es von Peter Graf entwickelt. Ebenso stammt von ihm der ursprüngliche Treiber inklusive der eigentlichen SDHC Funktion und der FAT32 Unterstützung. Das QL-SD System lief schon per Parallelport auf Super Gold Card, Q40 und Q60, bevor es zur „Microdrive“ Variante kam. Später wurde Adrian Ives (Memorylane Computing) hinzugezogen, da dieser die Produktion übernehmen wollte.  Er hat seinen ausgereifteren und kompakteren Treiber auf Basis des Codes von Peter Graf an QL-SD angepasst, und die praktische Inbetriebnahme geleistet. Leider hat er mangels Zeit und Lust das Projekt aufgegeben.
Es gab mehrere verschiedene Ansätze – ein Ansatz war eine Erweiterung über den Expansionport, ein anderer Ansatz war über den ROM-Port. Am Ende wurde es die heute verwendete Variante. 2013 fragte dann Peter Graf im Forum des ZX-Team an, ob das QL-SD von jemanden gebaut werden wolle – dazu erklärte ich dann Paul bereit. Dazu wurde ein Prototyp und ein Leerplatinensatz zur Verfügung gestellt. Nach einiger Zeit lief dann auch das erste Exemplar. In einer ersten Serie wurden 10 Exemplare aufgelegt und die Benutzung „verfeinert“.

Technik
Das Interface wird intern eingebaut. Ein Teil davon ist der ROM-Adapter (QLROMEXT) auf dem das Betriebssystem (Minerva oder JS) und der Treiber untergebracht sind. Der andere Teil ist das QL-SD – also der Adapter, der am besten an Stelle des Microdrive 2 eingebaut wird. Es können ausschließlich SDHC-Karten verwendet werden. Achtung: Mit Prozessorkarten wie der Goldcard oder der Supergoldcard gibt es immer noch Probleme.

QL-SD ROM Adapter
QL-SD ROM Adapter
QL-SD Laufwerk
QL-SD Laufwerk

Einbau
Der Einbau in den QL ist denkbar einfach. Als erstes den QL aufschrauben und am besten die Tastatur-Kabel abziehen. Dann die beiden ROMs mit einem Schraubenzieher entfernen und den ROM-Adapter einsetzen. Danach noch Microdrive 2 ausbauen und den Adapter für die SDHC-Karten einbauen. Alles anstecken und den QL wieder schließen.

QL Platine - ROM's vorm Entfernen
QL Platine - ROM's vorm Entfernen
QL Platine - ROM's entfernt
QL Platine - ROM's entfernt
QL-SD ROM Adapter eingebaut
QL-SD ROM Adapter eingebaut
Sinlair QL - Microdrive Laufwerke
Sinlair QL - Microdrive Laufwerke
Sinlair QL - Microdrive 2
Sinlair QL - Microdrive 2
QL-SD Laufwerk eingebaut
QL-SD Laufwerk eingebaut

Benutzung
Den QL nach dem Einbau einfach mal mit der mitgelieferten Karte starten. Achtung: wenn man keine Speichererweiterung hat, sondern einen Standard-QL mit 128KB, wird es mit dem „normalen“ Image Probleme geben. Dann muss man eine „kleineres“ Image verwenden.
Nach dem Start des ROM wird der Treiber geladen. Danach steht dann das Laufwerk „sdc1_“ zur Verfügung. Das Betriebssystem Minerva hat keinen deutschen Tastaturtreiber – diesen kann man aber über das Bootprogramm nachladen.

QL-SD anstelle des Microdrive 2
QL-SD anstelle des Microdrive 2

 

QL-Starterpaket
Im Zuge der QL-SD Tests wurde das QL-SD-Starterpaket erstellt in dem alles wichtige enthalten ist um auch Software auf den QL zu bringen. Als erstes muss man wissen, dass man nicht einfach die SD-Karte in den PC stecken kann und dann QL-Software auf die Karte kopieren kann. Beim QL-SD wird mit einem Image gearbeitet das den Namen QL_BDI.BIN trägt. Die SD-Karte sollte frisch formatiert sein, bevor man die Datei auf die Karte kopiert, da das Image in einem „Stück“ sein muss.
Wenn man die Software auf der Karte ändern will oder Software hinzufügen will, muss man die QL_BDI.BIN „bearbeiten“.
Im Starterpaket sind folgenden Dateien enthalten:

  1. BDI_RAM_Driver: der modifizierte QL-SD-Treiber für QemuLator – enthalten: BDI_bin – Treiber für Q-emulator
  2. Extensions.zip: Erweiterung für QemuLator um mit den Images umgehen zu können – enthalten: QL_BDI.BIN (ein leeres QL-SD Image) und SD-Card.dll
  3. MakeImage.zip: Utility um leere Images erstellen zu können
  4. QL_BDI_empty.zip: Leere 64MB Image-Datei
  5. UserManual-orig.pdf: das alte ursprüngliche UserManual
  6. QL_BDI.ZIP: dies ist das Image wie auf der mitgelieferten SD-Karte
  7. MAKE_DIR_bin: dies erweitert das SUPER BASIC eines Standard QL um einen Befehl zum Erstellen von Verzeichnissen (Nachladen mit: LRESPR SDC1_MAKE_DIR_bin) – funktioniert unter QemuLator und Super Basic
  8. QLSD_RAM_Driver.zip: QL-SD Treiber der aus dem RAM statt aus dem ROM läuft
  9. QLSD_Starter_DE_ENG.txt: Diese Datei
  10. QL-SD_User_Manual.pdf: aktualisiertes User-Manual von Tofro

Das QL-SD Starterpaket ist auf den Seiten von Dylwin Jones zu finden: QL-SD Section

Wie kommt nun die Software in das Image?

  1. Die Software QemuLator auf einem !32bit! Windows installieren.
  2. Die Datei „Extensions.zip“ aus dem Starterpaket entpacken und in das Programmverzeichnis des Q-emulator kopieren
  3. Die Datei „BDI_RAM_Driver.zip“ in ein beliebiges Verzeichnis entpacken (am besten in das Programmverzeichnis des Q-emulator)
  4. Den Speicher des QemuLator erhöhen: unter „QL“ den Emulator stoppen und unter „Memory“ den Speicher erhöhen und unter „QL“ den Emulator wieder starten.
    Qemulator 1
  5. Wenn der QemuLator gestartet ist eines der „Laufwerke“ mit dem Verzeichnis verbinden in dem sich die Datei BDI_bin befindet
    Qemulator 2
  6. nun einfach im Basic den Treiber laden – wenn der Treiber mit Laufwerk 1 verbunden ist: lrespr mdv1_BDI_bin
    nun sollte folgende Meldung erscheinen:
    Qemulator 3
  7. nun kann man auch schon den Inhalt des Images (QL_BDI.BIN im Extension-Verzeichnis) betrachten – im Basic mit:
    dir sdc1_
  8. Als nächstes sollte man wissen, dass man QL-Zip-Dateien nicht mit Windows entpacken soll, da dabei wichtige Datei-Informationen verloren gehen können. Daher immer mit dem QL entpacken.

Am einfachsten funktioniert das mit der Vollversion des Q-emulator, da man hier die ZIP-Datei einfach als Laufwerk verbinden kann und somit dann Dateien aus der ZIP-Datei auf die SD-Karte kopieren kann. Da alles andere nur Frust bringt – gilt der Rest nur noch für die lizenzierte Version von Q-emulator!
Um ein Verzeichnis erstellen zu können, muss noch der „MAKE_dir“ Befehl nachgeladen werden – die Datei ist auf der SD-Karte – nachladen:

lrespr sdc1_MAKE_DIR_bin

Als Beispiel soll das Spiel oxo3d das als zip-Datei vorliegt in einen Spiele-Ordner kopiert werden:

1. Verzeichnis „spiele“ anlegen:

MAKE_dir "sdc1_spiele"

um den Inhalt des Verzeichnisses anzeigen zu können, gibt man folgendes ein:

dir sdc1_spiele

2. Für oxo3d noch ein Unterverzeichnis anlegen:

MAKE_dir sdc1_spiele_oxo3d

3. die ZIP Datei oxo3d.zip als Laufwerk einbinden – z.B. als Laufwerk 2 – dann kann der Inhalt der ZIP-Datei einfach mit DIR mdv2_ angezeigt werden
4. die Dateien aus der ZIP-Datei ins Spieleverzeichnis kopieren:

wcopy mdv2_ to sdc1_spiele_oxo3d

Fertig – die Daten sind nun im Unterverzeichnis „oxo3d“.

Das QL-SD ist eine unglaubliche Erleichterung – auch wenn nicht alle Spiele funktionieren und es noch die eine oder andere Hürde gibt. Die ganze Software auf einmal im Zugriff haben zu können ist schon super. Wenn man dann noch bedenkt, dass zur Zeit auch noch andere Erweiterungen in Arbeit sind und entweder in diesem oder im nächsten Jahr erscheinen werden, wird es auch für den Sinclair QL nochmal richtig interessant. Leider gibt es im Moment nicht genügend Speichererweiterungen für den QL zu bekommen, da nur damit das Arbeiten dann richtig Spaß macht – aber hier wird daran gearbeitet, da mit der Verbreitung des QL-SD auch dieser Bedarf steigt.

Bezugsquelle QL-SD: SellMyRetro für 63 £