KC85/3 [VEB Mühlhausen]

KC85/3
KC85/3

Nach längerer Suche bin ich doch noch fündig geworden und habe nun auch ein Stück der deutschen Computergeschichte in meiner Sammlung. Viele werden den Herstellernamen nicht kennen – komplett ausgeschrieben heißt dieser „VEB Mikroelektronik Wilhelm Pieck Mühlhausen (Kombinat Mikroelektronik Erfurt)“. Für alle die erst nach 1990 geboren wurden gibt es ein paar Begriffe, die heute vermutlich nicht mehr bekannt sind, stammen diese doch aus der ehemaligen DDR vor der Wiedervereinigung im Jahr 1989. Die Abkürzung VEB bedeutet „Volkseigener Betrieb“, wobei diese Betriebe dem Volk „gehörten“ und der Partei- und Staatsführung unterstanden. Ein Kombinat ist der Zusammenschluss mehrerer solcher VEB’s, die aufgrund Ihrer Produkte zusammen passen.
Die KC85-Rechner wurden von 1984 bis 1990 hergestellt, wobei die Abkürzung KC für Kleincomputer steht. Das erste Modell der Reihe war eigentlich der HC900 (Homecomputer) der aber umbenannt wurde, da sich Heimanwender den Rechner der 4.300 Ostmark kostet kaum leisten konnten. Die meisten Rechner wurden in Schulen, Weiterbildungseinrichtungen und Universitäten eingesetzt.
Die Rechner aus Mühlhausen sollten nicht mit dem KC85/1 verwechselt werden. Dieser wurde ursprünglich unter dem Namen Z9001 von VEB Robotron Meßelektronik Dresden entwickelt und später umbenannt.  Der Nachfolger erschien als KC87, den es in zwei Versionen gab.

1987 wurde der KC85/3 vorgestellt, der auch wie die Vorgänger mit einer 8-Bit CPU mit dem Namen U880D (1,75 MHz) ausgestattet war. Diese CPU ist ein Klon eines sehr erfolgreichen Prozessors, dem Zilog Z80, der u.a. im Sinclair ZX81, Sinclair ZX Spectrum und Schneider CPC eingesetzt wurde.
Der Rechner bot 32 KB Speicher (erweiterbar) und 16 KB ROM. Die Auflösung beträgt 320×256 Pixel mit maximal 16 Farben im Vordergrund und acht im Hintergrund. Der Sound ist zweistimmig in 5 Oktaven.

Das erste Medium für den KC waren Kassetten, was sich auch im Namen des Betriebssystems widerspiegelt – CAOS 3.1 – Cassette Aided Operating System. Als Rekorder für die Kassetten konnte alles verwendet werden, was zur Verfügung stand. 

Als Programmiersprache wird BASIC eingesetzt, das bereits im ROM enthalten ist. Beim Vorgänger, dem KC85/2 musste BASIC noch von Kassette geladen oder über ein Modul hinzugefügt werden. Übrigens war das BASIC wesentlich leistungsfähiger als das des Commodore 64. 😉 Als Alternativen standen natürlich auch Maschinensprache, Pascal oder Forth zur Verfügung.

Die größte Errungenschaft der KC-Rechner und bei westlichen Computern kaum zu finden war die modulare Erweiterbarkeit. So gab es im Grundgerät zwei Modulschächte für verschiedene Erweiterungen wie z.B. RAM-Erweiterungen, parallele (z.B. für Drucker) und serielle Schnittstellen, analoge und digitale Ausgabe. Viele Module wurden sogar für spezielle Zwecke für die Betriebe entwickelt, in denen die Rechner eingesetzt wurden,
Das war aber noch nicht alles – es gab dazu noch die Erweiterungsaufsätze, die auf das Basisgerät gestellt und an der Rückseite der KC85 angeschlossen wurden. So konnten z.B. die Modulplätze verdoppelt werden oder es gab die Möglichkeit mit einem Floppy-Aufsatz ein Diskettenlaufwerk anzuschließen. Der Floppy-Aufsatz (1988 erschienen) hatte dabei einw eigene U880D CPU und 64 KB Speicher, womit es sogar möglich war CP/M auszuführen.

Der KC85 wurde meist mit einem Antennenkabel an den Fernseher angeschlossen, bot aber auch die Möglichkeit, mit einem passenden Kabel ein RGB-Signal per SCART auszugeben. Im Gegensatz zu vielen Rechnern im Westen war der Rechner und die Tastatur keine Einheit und voneinander getrennt.

Der KC85/4 erschien 1988 und alles wurde erweitert – Speicher (64 KB), ROM (20 KB) und Bildschirmspeicher (64 KB) sowie CAOS wurde auf Version 4.1 erweitert.
Der letzte KC-Rechner, der KC compact, hatte nichts mehr mit den Vorgängern zu tun, war er doch ein Klon des Amstrad/Schneider CPC 6128, aber ohne integriertes Diskettenlaufwerk und mit nur 64 KB Speicher.

Es wurden ca. 50.000 Geräte der KC-Reihe hergestellt.

Software gab es auf Kassette und auf Modulen. Das VEB verkaufte Spielesammlungen für 38 Ostmark pro Kassette. Da es aber an Nachschub mangelte, wurden Hobby-Entwickler angesprochen und deren Programme lizenziert.
Meistens wurde Software auf Veranstaltungen getauscht oder per Post versendet.
Die meisten Spiele sind Klone von Spielen aus dem Westen  – Breakout, Boulder Dash, Bomb Jack, Kaiser usw.

Module
Es gab 15 „offizielle“ Module, wobei das einzige Modul, das ich aktuell für den KC85/3 in meiner Sammlung habe, das Modul M011 ist. Es erweitert den Arbeitsspeicher des KC um 64 KB (vier Blöcke mit je 16 KB).
Module können mit dem Befehl SWITCH aktiviert und konfiguriert werden – SWITCH mm kk
– mm ist die Nummer des Modulschachts – die erste Stelle ist die Nummer des Aufsatzes – das Basis-Device hat Nummer 0 – das kann weggelassen werden. 
SWITCH 8 – auslesen des Strukturbytes (Modulschacht 8 im Basisgerät)
SWITCH 8 1 – Modul wird aktiviert (Speicher ist schreibgeschützt)

Tipps
Programme können direkt vom PC mit dem Programm KCLoad geladen werden (nur TAP-Dateien)
Dateien im Netz können verschiedene Endungen haben:
– TAP = Tapedatei auf dem PC gespeichert (keine WAV-Datei, sondern die enthaltenen Dateien)
– KCC = das gleich wie TAP, aber anderer Dateiaufbau
– SSS = Basic-Dateien (Format wie KCC)
– COM = MicroDOS-, MLDOS- oder CP/M-Programme
– PMA = Archivdatei Packprogramme: pcmarc/pmext für CP/M und lha für Linux
Die TAP/KCC/SS-Dateien können mit jkcemu in wav-Dateien konvertiert und mit der Soundkarte „abgespielt“ werden. Link
KCC und KCB Programme werden mit LOAD geladen
SSS (und TTT bzw. UUU) werden mit CLOAD aus BASIC geladen
KCCConv = Konverter – Link
USB für KC85: M052

CLOAD
BASIC starten (ENTER bei MEMORY END?)
CLOAD“NAME“ eingeben (noch nicht Enter)
Kassette o.ä. starten
beim Vorton Enter drücken

Da ich kein Spezialist bin, was diesen Rechner betrifft, entschuldige ich mich schon vorab für Fehler, die mir eventuell unterlaufen sind. Manchmal ist es nicht ganz so einfach, die vielen Informationen im Internet zu einem Gesamtbild zusammenzufassen 🙂
Sollte es noch Ergänzungen, Korrekturen oder auch weitere Tipps der Leser geben, lasst es mich gerne wissen, dann kann ich den Artikel entsprechend ergänzen.

Links
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