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Amstrad NC100 [Amstrad/Schneider]

Amstrad NC100

Amstrad NC100

Amstrad (bekannt durch den Amstrad CPC) brachte den NC100 im Jahr 1992 auf den Markt. Im selben Jahr startete z.B. auch der Branchenriese IBM mit seiner Thinkpad Laptop-Serie. Im Gegensatz zu den großen Geräten von IBM, beschränkt sich der Amstrad NC100 auf die Größe eines DIN-A4 Blattes, wog dabei nur 1kg und konnte mit handelsüblichen Batterien betrieben werden.

Die LCD-Anzeige lässt sich auch bei hellen Sonnenlicht ablesen (allerdings fehlt eine Hintergundbeleuchtung) und das Gerät bietet eine große Schreibmaschinentastatur. Angetrieben wird der Rechner von einer Z80 CPU (wie Schneider CPC und Sinclair ZX Spectrum) mit 4MHz und es stehen 64Kb Speicher zur Verfügung. Im ROM, das 256KB umfasst, ist die Protext-Textverarbeitung, ein Tagebuch, eine Adressverwaltung, ein Terminkalender, ein einfacher Taschenrechner und eine Version des BBC-Basic Interpreters enthalten.

Der Bildschirm bietet 80 Zeichen und 8 Zeilen, wodurch der Rechner sparsam bleibt und mit Batterien bis zu 20-40 Stunden durchhält. Als Schnittstellen sind RS232, Parallel-Anschluss und ein PC-Card Steckplatz vorhanden. In dem PC-Card (PCMCIA-I) Einschub können SRAM Speicherkarten bis 1MB eingesetzt werden.

Der NC100 wurde mit der Absicht entworfen, einen einfachen tragbaren Computer zu gestalten. Diesen Auftrag haben die Entwickler von Firmenchef Alan Sugar erhalten, der sogar von sich selbst behauptete nicht mit Computern umgehen zu können. Er hat auch während der Designphase das Gerät immer wieder selbst getestet und für das Handbuch das erste Kapitel verfasst.

Die Benutzerfreundlichkeit ist vor allem den Programmen zu verdanken, die mit dem Gedanken an einen Computerneuling entworfen wurden. Das Design enthielt auch eine Terminalemulations- und XMODEM-Dateiübertragungssoftware, die es dem NC100 ermöglichte, über DFÜ-Analogmodems zu kommunizieren.

1993 kam der NC200 auf den Markt. Bei diesem Gerät konnte der Bildschirm hochgeklappt werden und er bot nun 80×16 Zeichen und eine Hintergrundbeleuchtung. In das Gerät integriert war ein 3,5“ Diskettenlaufwerk das MS-DOS formatierte Disketten lesen konnte. Dazu gab es 128KB RAM und mehr Software im ROM wie z.B. Tetris und eine Tabellenkalkulation mit einfacher Datenbankfunktion. Das alles kostete auch viel Strom, so dass nun fünf Batterien der Größe C benötigt wurden. Nur mit relativ vollen Batterien konnte das Diskettenlaufwerk verwendet werden und um etwas Strom zu sparen, konnte die Hintergrundbeleuchtung abgeschaltet werden.

Amstrad NC100

Amstrad NC100

Tastenkombinationen
Reset: ausschalten, Tasten [Funktion]+[Stop]+[<-Lösch] gedrückt halten und wieder einschalten.
Selbsttest: ausschalten, Tasten [Funktion]+[Symbol] gedrückt halten und wieder einschalten.
Schnellzugriffe:
[Funktion]+[B] BBC Basic – verlassen mit *BYE oder *QUIT
[Funktion]+[T] Wecker (Timer)
[Funktion]+[Z] Zeitzone
[Funktion]+[A] Termin/Weckruf eintragen
[Funktion]+[S] Serielles Datenübertragunsprogramm mit Taste [Menü] Schnittstelle konfigurieren
[Funktion]+[D] Adressbuch
[Funktion]+[L] Dokument laden mit Taste [Menü] Dateitransfer über serielle Schnittstelle
[Funktion]+[P] Dokument Drucken
[Funktion]+[X] Programm von RAM Karte starten
[Funktion]+[C] Kalender
[Funktion]+[N] Neues Dokument anlegen 

Netzteil/Batterien
Es scheint, dass viele NC100-Besitzer ein Netzteil von Drittanbietern anschließen, anstatt die Maschine mit Batterien zu betreiben. Unglücklicherweise hat der Standard-Stromstecker eine andere Polarität als üblich: Die Außenseite des Steckers ist +, die Innenseite ist -. Leider brennt eine Sicherung im NC100 durch, wenn die Polarität falsch ist. Dies führt zu einer toten Maschine … Das Problem zu beheben ist sehr, sehr einfach – siehe John Kings Fixseite.
Für das Speichern der Grundeinstellungen benötigt der Rechner ein Knopfzelle CR2023 und für den Betrieb vier AA-Batterien.

Amstrad NC100 - University Of Plymouth

Wo dieser NC100 wohl mal eingesetzt wurde 🙂 University Of Plymouth

BBC Basic
Dem Rechner wurde ein vollwertiges BBC Basic spendiert, das sich nach dem Aufruf [Funktion]+[B] wie folgt meldet:
BBC Basic (NC150) Version 3.11
eine ältere Version kann sich auch mit
BBC Basic (NC100) Version 3.10
melden.
Der Basicinterpreter mach den NC100 befehlskompatibel zu den 8-Bit-Modellen von Acorn. Das Tempo mit dem er dabei vorgeht steht dem eines Heimcomputers in nichts nach.

Datenaustausch
Um Daten zwischen dem NC100 und einem PC auszutauschen wird eine serielle Verbindung zwischen beiden Geräten benötigt. Außerdem muss auf dem PC noch ein Terminal-Programm installiert sein, dass das XModem-Protokoll beherrscht. Aktuelle Rechner besitzen meist keine serielle Schnittstelle mehr. Ich benutze einen USB-Seriell-Adapter in Form eines Sticks und als Terminal Programm „Tera Term“ in der Portable Version, es kann auch mit höheren Interrupts arbeiten.
Auf beiden Seiten muss die selbe Übertragungsgeschwindigkeit eingestellt werden, damit eine Datenübertragung möglich ist. Das NC100 kann auf folgende Baudraten eingestellt werden: 300, 600, 1200, 2400, 4800 und 9600. Das geschieht über [Funktion]+[S] und anschließend [Menü] beim Amstrad NC100. Am Windows PC wird das Programm „Tera Term“ gestartet und „Serial“ als Übertragungsart mit der richtigen Schnittstelle ausgewählt. Über [Setup] -> [Serial port…] können die Einstellungen der seriellen Schnittstelle aufgerufen und eingestellt werden, z.B. 9600 Baud. Befinden sich beide Rechner im Terminalmodus, so kann jetzt getestet werden ob die Verbindung funktioniert ([Funktion]+[S]). Text der auf dem Notepad eingetippt wird erscheint am PC und umgekehrt.

Datei vom PC auf das NC100 übertragen
Beim NC100 mit [Funktion]+[L] in das Menü „Gespeicherte Dokumente Anzeigen“ gehen. Hinweis: es muss mindestens eine Datei existieren damit das Menü geöffnet werden kann. Ist keine Datei vorhanden, dann muss eine mit [Funktion]+[N] angelegt werden.

Dann mit der Taste [Menü] und danach [T] in den Datenübertragungsmodus wechseln. Jetzt mit Taste [M] die Übertragung einer Datei im XModem-Protokoll starten. Nun muss ein Dateiname für die zu empfangende Datei angegeben werden, z.B. I2C.LIS. Bevor jetzt die Übertragung mit der -Taste gestartet werden kann muss die Übertragung auf dem PC aktiviert werden. Dazu im Programm „Tera Term“ über [File] -> [Transfer] -> [XModem] -> [Send…] -> File auswählen die Datei öffnen und anschließend auf dem NC100 mit starten.

Nach erfolgreicher Übertragung existiert jetzt in unserem Beispiel auf dem NC100 die Datei „I2C.LIS“, das ist eine Text-Datei des BASIC-Programm’s zur Emulation einer I2C Schnittstelle am Parallelport. Das Programm kann im BASIC geladen werden, in dem der BASIC-Interpreter mit [Funktion]+[B] gestartet wird. Anschließend wird dieser Befehl eingegeben: *ECEX „I2C.LIS“

Vom NC100 Daten auf den PC übertragen
Die Übertragung vom NC100 auf den PC erfolgt ähnlich. Am PC wird im Terminalprogramm der XModem-Empfang aktiviert. Das geschieht beim Programm „Tera Term“ über [File] -> [Transfer] -> [XMODEM] -> [Receive…] -> Filenamen angeben und Übertragung starten. Anschließend am NC100 mit [Funktion]+[L] in das Menü „Gespeicherte Dokumente Anzeigen“ gehen. Mit den Cursor-Tasten die entsprechende Datei auswählen. Anschließend mit der Taste [Menü] und danach [T] sowie [X] das Senden der Daten im XModem-Modus aktivieren.

Es kann folgender Fehler auftreten:
Der NC konnte alles empfangen, was der PC sendete, aber die andere Richtung funktionierte nicht. Wenn also jemand anderes dieses Problem hat, ist hier der Fix: Löte einen Draht zwischen RTS und CTS am NC-Stecker – kurze Pins 7 und 8.

Amstrad NC100 Display

Amstrad NC100 Display

CP/M
ZCN ist ein CP/M-kompatibles Betriebssystem für die NCs, das unter der GPL-Lizenz – Freeware – geschrieben ist. Anstatt ein CP/M-BIOS für die NC zu erstellen, beschloss Marks, bei Null zu beginnen. Dadurch ist ZCN genau auf die NC-Hardware abgestimmt, auf der es ausgeführt wird, und ermöglicht die vollständige Nutzung von Funktionen wie Instant-Off-On (die Maschine jederzeit ausschalten. Wenn du das nächste Mal wieder einschaltest, kannst du dort weitermachen, wo du abgeschaltet hattest). Verglichen mit dem Standard-CP/M hat es auch einige nützliche Funktionen für das Hacken und die Z80-Entwicklung. Auf den kleinen Maschinen läuft fast die gesamte CP/M-Software. Und da ZCN die 1-MB-PCMCIA-Karte wie eine Festplatte verwendet, ist dies sehr schnell. Es läuft auch stundenlang mit einem einzigen Satz von 4 AA-Batterien. Dazu kommen eine Vielzahl von Support-Programmen – vom benutzerdefinierten Z8E-Debugger über die Übertragungssoftware für die Kommunikation mit PCs bis hin zur ursprünglichen NC-Firmware.

Speicherkarte Amstrad NC100

Speicherkarte Amstrad NC100

Speicherkarten
Die Speicherkarten sind PCMCIA I – SRAM-Karten. Es gab das Gerücht dass auch die Memory Cards des Atari Portfolio funktionieren, was aber nicht der Wahrheit entspricht. Der Atari Portfolio hat ein eigenes Format verwendet (Bee-Cards). Die einzige Bezugsquelle für einen vernünftigen Preis für die Karten dürfte Best Electronics in den USA sein. Die Kehrseite dabei dürft die unübersichtliche Webseite des amerikanischen Atari-Spezialisten sein. 🙂
Die Bestellung in den USA hat sich unproblematisch erwiesen und die bestellten Speicherkarten waren schnell angekommen und haben tadellos funktioniert.

Damit die Karte benutzt werden kann muss sie formatiert werden. Das geschieht im Modus „Gespeicherte Dokumente anzeigen“. Man erreicht ihn über [Funktion]+[L] oder [Funktion]+[Text] gefolgt von [Rechner]. Jetzt kann man mit der Taste [Menü] die Dokumentenfunktionen aufrufen und hier mit der Taste [F] die Speicherkarte formatieren. Sobald eine formatierte Speicherkarte im Rechner steckt, werden alle Daten automatisch auf ihr gespeichert.
Wenn noch kein Dokument auf dem Rechner gespeichert ist, dann gelangt man auch nicht in den Modus „Gespeicherte Dokumente anzeigen“. Sondern bekommt die Fehlermeldung „Es sind keine Dokumente gespeichert. Beenden: Stop…“. In diesem Fall muss ein „Dummy“ Dokument angelegt werden. Mit [Funktion]+[N] wird ein neues Text-Dokument angelegt, gibt einen beliebigen Namen ein und betätigt die Eingabetaste. Es öffnet sich die Textverarbeitung. Es sollte wenigstens ein Zeichen eingegeben werden, dann kann das Programm mit der Taste [Stop] verlassen werden. Es gibt jetzt eine Datei mit dem angegebenen Namen und mit [Funktion]+[L] kann der Modus „Gespeicherte Dokumente anzeigen“ aufgerufen werden.

Links
https://www.ncus.org.uk/intro.htm
http://www.best-electronics-ca.com/
http://www.8bit-wiki.de/amstrad-nc-100.html
http://www.cpcwiki.eu/index.php/NC_Series
https://www.ibiblio.org/pub/packages/zcn/

Fazit
Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich zahlreiche leistungsfähige Sonderfunktionen, beispielsweise die Rechtschreibprüfung oder die Erzeugung von Serienbriefen. Augenfällig ist hingegen die perfekte Lokalisierung des Geräts. Selbst die Tastenbeschriftungen sind vollständig in deutscher Sprache, die Menüs sowieso.Diese Funktionen qualifizieren das Gerät nicht unbedingt als Homecomputer, es ist eher eine kuriose Mischung aus Minimal-Notebook und Organizer. Ein Druck auf die Tastenkombination „Funktion“+“B“ startet jedoch den BBC-Basicinterpreter, durch den der NC100 befehlskompatibel zu den 8-Bit-Modellen von Acorn wird. Bei der Abarbeitung von Basicprogrammen geht er mit einem Tempo ans Werk, das einem 8-Bit-Homecomputer gut zu Gesicht steht. Mit einem PC-Notebook des gleichen Jahrgangs kann er sich jedoch nicht messen.

One Comment

  1. Sehr schöner Bericht zu einer interessanten Maschine!
    Vielleicht schaffe ich es ja auch irgendwann einmal, ZCN zu installieren 😉

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