Pong Konsolen

Sanwa 9012 [Sanwa]

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Sanwa 9012 [Sanwa]

Das „Color-Tele-Spiel mit Pistole” bzw. Sanwa 9012 habe ich bei eBay ersteigert und konnte damit die kleine Sammlung an Pong-Konsolen etwas erweitern. Das Gerät ist in einem tollen Zustand inklusive Verpackung (ohne Styropor) und Anleitung angekommen und war gut verpackt. Der Hersteller Sanwa wird auf der deutschen Verpackung nicht erwähnt, sondern nur auf dem Gerät selbst. Auf der Vorderseite der Verpackung werden sechs Spiele erwähnt sowie verschiedene Einstellungen auf der Seite der Schachtel.

Das Gerät

Die kleinen Controller mit Drehknöpfen werden links und rechts an der Konsole angeschlossen, wobei die Kabel selbst auf der Unterseite der Controller verstaut werden können. Das wurde auch mit dem Antennenkabel für die Verbindung zur Konsole so gelöst – praktisch, wenn auch in der Praxis vermutlich von den meisten Kindern konsequent ignoriert. Die Konsole kann wahlweise mit einem Netzteil (9 Volt/100 mA) oder mit sechs Batterien betrieben werden.

Auf der Oberseite befinden sich die Regler für die verschiedenen Spieleinstellungen: Netz, Spielgeschwindigkeit, Winkel, Schlägerlänge und Aufschlag. Auf der Rückseite sitzt der Netzteilanschluss sowie ein 5-poliger DIN-Anschluss für die Lichtpistole.

Die Spiele

Das Gerät bietet sechs Spiele: Tennis, Squash, Handball, Hockey sowie Tontaubenschießen und Treibjagd für die Lichtpistole. Die vier Ballspiele sind für zwei Spieler ausgelegt, die Schießspiele naturgemäß nur für einen. Letztere setzen einen alten Röhrenfernseher voraus – an einem modernen TFT- oder LCD-Bildschirm funktioniert das nicht. Das liegt an der Funktionsweise der Lichtpistole: Sie erkennt den kurzen Lichtblitz, den der Elektronenstrahl beim Überqueren der Zielfläche erzeugt. Flachbildschirme arbeiten anders und erzeugen diesen Effekt nicht.

Wer das Gerät an einem modernen Fernseher betreiben möchte, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: entweder einen RF-zu-HDMI-Konverter mit frei einstellbarem VHF-Bereich, oder einen AV-Mod direkt am Chip – letzteres erfordert etwas Löterfahrung, liefert dafür ein sauberes Composite-Signal.

  • Sanwa 9012 - Verpackung Vorderseite
  • Sanwa 9012 Verpackung
  • Sanwa9012
  • Sanwa 9012 Rückseite
  • Sanwa 9012 Pistole
  • Sanwa 9012 Controller
  • Sanwa 9012 Bedienungsanleitung

Technik und Einordnung

Im Sanwa 9012 arbeitet ein AY-3-8500 von General Instruments – Spitzname „Ball & Paddle”, gelegentlich auch „Pong in a Chip” genannt. Dieser ab 1976 produzierte Chip enthält alle notwendigen Komponenten für die Ausführung von bis zu sechs Ball-und-Schläger-Spielen: Controller-Abfrage, Spielmechanik, Ton- und Bilderzeugung. Für die beiden Schießspiele ist zusätzliche externe Schaltung nötig, da der AY-3-8500 allein keine Lichtpistolen-Steuerung übernimmt.

Das Sanwa 9012 ist eine Konsole der ersten Generation: Alle Spiellogik ist fest im Gerät verdrahtet, es gibt keinen Prozessor im eigentlichen Sinne, kein austauschbares Speichermedium, kein RAM oder ROM. Das gilt im Übrigen auch für den Nachfolger Sanwa 9015, der zwar einen Modulschacht besitzt, technisch aber ebenfalls zur ersten Generation zählt – denn auch dort steckt die gesamte Logik im Modul selbst, in Form eines AY-3-8xxx-Chips von General Instruments. Die zweite Konsolengeneration beginnt erst mit echten Mikroprozessoren, also mit Geräten wie dem Fairchild Channel F (1976) oder dem Atari 2600 (1977).

Varianten und Klone

Das Sanwa 9012 taucht unter verschiedenen Namen auf. Sanwa war ein deutscher Vertrieb – produziert wurde das Gerät in Hongkong. Baugleiche Versionen gibt es unter den Bezeichnungen Poppy 9012, Mustang, R10 und A10, teils in abweichenden Gehäusefarben. Eine optisch interessante Variante in Schwarz stammt vom Hersteller R10.

Zeitgeist

Das Sanwa 9012 erschien 1977 – genau in dem Jahr, in dem die Telespiel-Ära in Deutschland ihren Höhepunkt erreichte. Über 200 verschiedene Konsolen wurden allein um den AY-3-8500-Chip herum gebaut, der damals praktisch jedes Gerät dieser Art antrieb. Zur Popularität der Pong-Konsolen in Deutschland trug auch die SWF-Fernsehsendung „Telespiele” mit einem damals noch weitgehend unbekannten Thomas Gottschalk bei, die ab 1977 ausgestrahlt wurde: Zuschauer steuerten per Telefonanruf ein Pong-Spiel und konnten dabei Preise gewinnen. Was ein Gerät wie das Sanwa 9012 damals im Handel kostete, ist nicht mehr zuverlässig dokumentiert – vergleichbare Konsolen dieser Ausstattungsklasse lagen allerdings je nach Anbieter bei etwa 80 bis 120 DM

Ein Kommentar zu “Sanwa 9012 [Sanwa]”

  1. Hi,
    habe im Prinzip das gleiche “Telespiel”, aber ohne Pistole. Da es nur einen HF Ausgang gibt, also nur ein Antennensignal, wären Ideen, wie man das Gerät an einem moderneren Fernseher mit HDMI Ausgang betreiben kann, oder wenigstens ein FBAS / RCA / Cinch Signal (wahrscheinlich einfacher abzugreifen) nutzen könnte, hilfreich. Solche Konverter wie https://www.amazon.de/VBESTLIFE-Analog-TV-Receiver-HDMI-Eingang-Multimedia-Unterricht-Netzwerktechnik-EU/dp/B07NPGKHRM sind von den Spezifikationen her passend zum beschriebenen Zweck, aber qualitativ nicht unbedingt eine gute Wahl…
    Gruß Peter