VTech

IQ TV 512 [VTech]

Letzte Aktualisierung am

IQ TV 512 [VTech]

Der Zufall macht es möglich – beim Stöbern auf Ebay bin ich über den VTech IQ TV 512 gestolpert. Ein wirklich seltsames System aus dem Jahr 1998. VTech (Video Technology Ltd.) ist ein 1976 in Hongkong gegründetes Elektronikunternehmen, das auch heute noch schnurlose Telefone, einfache Computersysteme und elektronisches Lernspielzeug für Kinder herstellt.

Es gibt zwei Modelle des Geräts: den IQ 128 und den IQ TV 512, die sich im Wesentlichen nur durch die Größe des Arbeitsspeichers (256 KB bzw. 512 KB) und den Bootscreen unterscheiden. Als Prozessor kommt der Motorola MC68EC000 zum Einsatz – eine kostengünstigere Variante des MC68000 ohne Speicherverwaltungseinheit, wie er auch im Commodore Amiga und Atari ST in verwandter Form verbaut wurde. Im IQ TV 512 ist er als Customchip integriert und läuft mit 16 MHz. Der Rechner erschien auch in England, Frankreich und den USA unter unterschiedlichen Namen – in Großbritannien als „I.T. Unlimited”, in Frankreich als „Genius PC” und in den USA als „PreComputer Unlimited”.

Die Auflösung beträgt 512 × 256 Pixel bei einer Farbpalette von 256 Farben. Sampling-Sound wird über den Audioausgang angeboten. Der TV 512 zählt eher zu den Lerncomputern und hatte – damals für diese Kategorie noch ungewöhnlich – kein kleines integriertes LC-Display, sondern wird direkt an einen Fernseher angeschlossen. Er bietet eine vollwertige QWERTZ-Schreibmaschinentastatur sowie eine Drei-Tasten-Maus. In einem alten österreichischen Artikel hatte ich gelesen, dass der Neupreis 1998 zwischen 3.000 und 5.000 Schilling lag, was damals ungefähr 430 bis 720 DM entsprach und heute in etwa 220 bis 370 Euro wären.

Anschlüsse
  • HF-Anschluss für Antennenkabel (Kanalschalter auf der Unterseite)
  • Composite
  • Audio
  • Maus
  • PC-Link (3,5-mm-Klinkenbuchse)
  • Erweiterungsslot
  • Drucker
  • Spannungsversorgung (9 Volt)

Ein richtiger Wechseldatenträger wird nicht angeboten. Im Gerät selbst stehen 512 KB Arbeitsspeicher sowie 128 KB Flash-Speicher für die dauerhafte Ablage eigener Daten zur Verfügung. Über den Erweiterungsslot lassen sich zudem externe Speichermodule einsetzen. Im Originallieferumfang sollen laut zeitgenössischen Berichten zwei solcher Module mit der Aufschrift „IQ 128 Super Speicher” beigelegen haben – ein Hinweis darauf, dass VTech für den TV 512 kein eigenes Zubehör auflegte, sondern das Zubehör des Vorgängers weiterverwertete. Bei meinem Exemplar waren diese Module leider nicht mehr vorhanden. Ein Dateimanager ermöglicht das Kopieren oder Löschen von Dateien zwischen internem Flash und externem Modul.

Der wichtigste Punkt der Ausstattung sind die im ROM integrierten Programme, die über eine an Windows 3.1 erinnernde Oberfläche namens „Schreibtisch” gestartet werden. Dazu zählen einige Spiele, ein Organizer, Lern-Software und Office-Programme. Einige davon im Überblick:

  • Malprogramm
  • Kompositionsprogramm
  • Telefonbuch
  • Datenbank
  • Textverarbeitung
  • Tabellenkalkulation
  • Basic-Interpreter

Der TV 512 gilt übrigens als vermutlich letzter in BASIC programmierbarer Mikrocomputer seiner Art – ein kleines historisches Kuriosum. Für Emulationsinteressierte: das Gerät läuft vollständig im Emulator MAME unter dem Dateinamen iqtv512.zip

Fazit

Ein interessantes Gerät, das nicht mal schlecht funktioniert. Ich vermisse die Möglichkeit einen Kassettenrekorder oder eine Floppy anschließen zu können. Die Bedienung der Software ist zwar einfach und eingängig, befindet sich aber eher auf dem Niveau der Programme die bei Windows und Amiga 1990 üblich waren. Die Geschwindigkeit ist nicht berauschend, Tastendrücke und Mausklicks sind teilweise verzögert. Sollte noch jemand ein Handbuch und einen externen Datenträger für das Gerät übrig haben, würde ich das gerne zur Komplettierung meines Rechners übernehmen 😉