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Commodore VC 20 [Commodore]

VC20

VC20

Es ist nicht leicht über eine der Legenden auf dem Heimcomputermarkt zu schreiben. Der VC20 war neben dem Sinclair ZX81 einer der ersten preiswerten Heimcomputer den sich jeder leisten konnte. Genauer betrachtet war das bei dem Rechner von Commodore aber nicht wirklich der Fall. Damit das Gerät sinnvoll genutzt werden konnte musste zusätzliche, teuere Hardware angeschafft werden, z.B. Kassettenlaufwerk, Diskettenlaufwerk oder Speichererweiterung.

Beginnen möchte ich aber mit einem Streifzug durch die Geschichte des VC20.

Im Jahr 1979 entschied Commodores Firmengründer Jack Tramiel einen preisgünstigen Rechner „für die Massen“ herzustellen, der einfach an den heimischen Fernseher angeschlossen werden konnte. Die Bildausgabe war in Farbe geplant, was zu diesem Zeitpunkt noch nicht üblich war und sollte dem Apple II Marktanteile abnehmen. Als Prozessor sollte der 6502 von MOS Technologies verwendet werden. Diese Firma war zuvor von Commodore aufgekauft worden.

Die Ingenieure dachten aber anders und wollten am Prinzip des PET2001 – ein Computer mit integrierten Monitor – festhalten und diesen zur Farbfähigkeit entwickeln.
An anderer Stelle arbeitete ein Entwickler von Commodore an einem Gerät um den von MOS entwickelten Grafikchip VIC-I einem sinnvollen Dasein zuzuführen – keiner wollte diesen Chip haben. Daraus wurde ein per Hand verdrahteter Rechner der Tramiel im Mai 1980 vorgeführt wurde. Dieser ergriff die Gelegenheit und förderte das Gerät. Plötzlich ging es schnell 🙂 Die anderen Entwickler hatten bis zur CES (Consumer Electronic Show) im Juni 1980 ebenfalls einen Prototypen entwickelt, der sogar mit BASIC ausgestattet war. Auf der CES trafen die Entwickler aufeinander und entschlossen sich von einem der beiden Prototypen die Platine und von dem anderen das Gehäuse zu verwenden. Auf der CES wurde dann auch der Name – VIC-20 (Video Interface Computer) – und die Überführung in die Serienreife bekanntgegeben (Codename Vixen). Als Verkaufspreis für das Gerät wurden 300 $ angestrebt.
Bereits einen Monat später sollte das Gerät, erweitert um Anschlussmöglichkeiten für Peripherie, fertig sein. Bei den Komponenten wurde vor allem auf die Kosten geachtet, damit der Preis möglichst gering gehalten werden konnte.

Im Juli 1980 wurde der Prototyp an die japanische Niederlassung übergeben um die restliche Arbeiten durchzuführen damit die Produktion starten konnte. Dabei wurde beschlossen, im Gegensatz zur Konkurrenz, eine professionelle Tastatur einzusetzen. Die Produktion startete im September 1980.
Der Rechner wurde dann auch in Japan unter dem Namen VIC-1001 als erstes veröffentlicht. Im Juni folgte dann die USA und 1981 Europa. Ein großer Pluspunkt war die tolle Dokumentation des Rechners. Vom Anschließen des Rechner bis zur Programmierung in BASIC wurde alles erklärt, was damals nicht selbstverständlich war. Auf Grund der Ähnlichkeit des ursprünglichen Namen „Vic“ zu einem vulgären deutschen Wort, wurde der Rechner in Deutschland in VC 20 umbenannt und in Anlehnung an den Volkswagen als „VolksComputer“ vermarktet. Bei den ersten ausgelieferten Rechnern war das Netzteil noch integriert, was aber auf Grund von Überhitzungsproblemen geändert wurde. Seitdem ist das Netzteil extern und ist mit dem des C64 identisch.

Ich gehe davon aus, das mein Rechner aus einer Zeit stammt, als der VC 20 im Weihnachtsgeschäft mit Datasette, vier Spielen und einer passenden Sporttasche (!) für 498 DM verkauft wurde.

Der VC 20 war zwar als Kombination aus Spiel- und Arbeitsrechner angedacht, aber die Spiele übernahmen schnell die Oberhand. Vermutlich war das auch der geringen Textauflösung geschuldet, die nur 23 Zeilen mit je 22 Zeichen darstellen konnte. Als Prozessor dient ein MOS 6502B mit 0,973 MHz. Das RAM war ganze 5 KB groß, wovon unter BASIC 3.583 Byte nutzbar waren und mittels Speicherkarten, die in den Modulport gesteckt wurden auf bis zu 32 KByte erweitert werden konnte. Es wurden 1 KByte SRAM Speicherchips verwendet, da das vorhandene große Lager dieser Hardware abgebaut werden musste 🙂 

Tragetasche

Tragetasche

Im ROM mit 20 KByte Umfang war auch das Basic V2.0 untergebracht. Die Grafik und der Sound wurden vom VIC 6561 produziert und bietet eine Auflösung von 176 x 164 Zeichen mit 16 Farben und 3 Stimmen – mono – als Sound. 

Zur Zeit des VC 20 war noch das Kassettenlaufwerk der Standard für die Datenspeicherung. Ein Diskettenlaufwerk war damals fast doppelt so teuer wie der Rechner selbst. Ebenso sind viele der Spiele auf Cartridges erschienen (wie bei Spielekonsolen), die einfach an den Erweiterungsport angesteckt werden.  Da diese in der Produktion aber teuer waren, wurde viel auf Kassette veröffentlicht.

Dieser Rechner öffnete der Computerindustrie die Wohnzimmer der Menschen und ebnete als erster Rechner der mehr als 1 Million Stück verkaufte einer ganzen Industrie den Weg. Viele Käufer sind danach einfach auf den Commodore 64 umgestiegen und haben diesen dann mit seinen verbesserten Fähigkeiten zum meistverkauften Homecomputer gemacht. Übrigens wurde der VC 20 auf Grund seines Preises auch noch verkauft als der C64 bereits auf dem Mark war.

 

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