Letzte Aktualisierung am 15. März 2026 von Jungsi
XU1541 am Windows-11-PC: Commodore-Disketten mit OpenCBM sichern (inkl. meiner typischen Stolperfallen)
Das XU1541 ist so ein Stück Hardware, das man leicht unterschätzt – bis man wieder eine alte 5,25″-Diskette in der Hand hat und merkt: Jetzt wäre es wirklich gut, die Daten endlich zu sichern. Genau dafür liegt das XU1541 bei mir seit längerer Zeit in der Sammlung. Es verbindet eine echte Commodore-Floppy (1541/1571/1581) per IEC-Bus mit einem modernen PC über USB. Damit kann ich Disketteninhalte sichern, Images zurückschreiben oder einfach Dateien übertragen. Und vor allem: Ich kann Disketten retten, bevor sie endgültig den Geist aufgeben.
Einordnung und kleine Historie
Früher war der Weg zum PC oft ein Kabel aus der X1541-Familie, also Parallelport-Lösungen. Das hat je nach PC, Chipsatz und Betriebssystem mal hervorragend funktioniert – oder eben gar nicht. Spätestens als echte Parallelports aus moderner Hardware verschwunden sind, war das Thema für mich erledigt.
Das XU1541 ist die USB-Antwort auf dieses Problem: USB am PC, IEC am Laufwerk. Später kamen mit XUM1541/ZoomFloppy weiterentwickelte Varianten dazu, die je nach Einsatzzweck zusätzliche Möglichkeiten bieten. Für den ganz normalen Alltag (Diskette ↔ D64, Directory lesen, Dateien kopieren) ist das XU1541 aber genau das, was ich brauche.
Was ich mit dem XU1541 mache (und was nicht)
Typische Aufgaben bei mir:
- Disketten als D64 sichern
- D64 wieder auf echte Disketten schreiben
- Directory anzeigen, Status prüfen, Dateien kopieren
Was man realistisch nicht erwarten sollte:
- Spezial-Archiving auf Nibble-Ebene und exotische Kopierschutzfälle (das ist ein eigenes Thema und hängt stark von Hardware/Toolchain ab)
Voraussetzungen: Hardware kurz abgehakt
- Floppy mit eigenem Netzteil (das XU1541 wird über USB versorgt, die Floppy natürlich nicht)
- IEC-Kabel korrekt verbunden
- Laufwerk eingeschaltet
- Gerätenummer meist 8 (falls umgestellt, entsprechend anpassen)
OpenCBM ist der Schlüssel unter Windows 11
Unter Windows läuft praktisch alles über OpenCBM. Das Paket bringt die Treiber/Anbindung und die wichtigsten Tools mit, z. B. cbmctrl und d64copy. Ohne OpenCBM ist das XU1541 unter Windows im Prinzip nicht nutzbar.
Windows-11-Setup, das bei mir zuverlässig funktioniert hat
Der wichtigste Punkt: der richtige Ordner (amd64)
OpenCBM kommt häufig mit zwei Unterordnern:
amd64= 64-bit Tools (unter Windows 11 bei mir der richtige Weg)i386= 32-bit Tools
Und genau hier lag bei mir eine der häufigsten Ursachen für Fehlermeldungen: Wenn man OpenCBM “irgendwie” startet oder Windows eine andere Version im PATH erwischt, kommen Fehler wie „NO PLUGIN DRIVER!“ – weil Plugins/DLLs nicht gefunden werden oder schlicht die falschen Dateien genutzt werden.
Ich merke mir deshalb ganz simpel:
OpenCBM-Kommandos starte ich aus dem Ordner, in dem cbmctrl.exe wirklich liegt – bei mir also:
...\opencbm\amd64\
Installation gezielt für XU1541 starten: instcbm xu1541
Ich öffne Windows Terminal oder CMD als Administrator, wechsle in den amd64-Ordner und installiere gezielt das XU1541-Plugin:
cd /d C:\temp\opencbm\amd64
instcbm xu1541
Wichtig: Bei mir schlug das Kopieren der DLL nach C:\Windows\System32\ zunächst fehl („FAILED!“). Das war kein OpenCBM-Problem, sondern fehlende Admin-Rechte. Erst als das Terminal wirklich „Als Administrator“ lief, ging die Installation sauber durch.
Test, ob die Verbindung grundsätzlich steht
Nach der Installation teste ich:
cbmctrl detect
cbmctrl dir 8
cbmctrl status 8



Wenn dir 8 funktioniert, ist die wichtigste Hürde genommen. Ab da wird es fast schon langweilig – und genau so soll es sein.
Diskette sichern und zurückschreiben (Praxis)
Diskette → D64 sichern:
d64copy 8 meine_diskette.d64

D64 → Diskette schreiben:
d64copy meine_diskette.d64 8
Ich prüfe Images gerne direkt danach im Emulator (mounten, Directory ansehen), bevor sie ins Archiv wandern. Gerade bei alten Medien merkt man manchmal erst beim zweiten Blick, ob wirklich alles sauber gelesen wurde.
CBMXfer / CBM-Transfer unter Windows 11: komfortabel, aber zwei typische Hürden
Wer nicht ständig mit der Kommandozeile arbeiten möchte, landet schnell bei CBMXfer (bzw. „CBM-Transfer“). Das ist praktisch – aber unter Windows 11 bin ich über zwei typische Punkte gestolpert.
comdlg32.ocx fehlt (Startfehler)
CBMXfer ist ein älteres 32-bit-Tool und benötigt VB6-Komponenten. Bei mir fehlte comdlg32.ocx. Die Datei habe ich im Download CBM-Transfer100-setup.zip gefunden. Danach habe ich sie so eingebunden:
- Datei kopieren nach:
C:\Windows\SysWOW64\comdlg32.ocx - Danach als Administrator registrieren (wichtig: die 32-bit regsvr32 aus SysWOW64 verwenden):
C:\Windows\SysWOW64\regsvr32.exe C:\Windows\SysWOW64\comdlg32.ocx
Damit startete CBMXfer bei mir ohne die OCX-Fehlermeldung.
In CBMXfer muss der OpenCBM-Pfad stimmen
CBMXfer arbeitet letztlich mit den OpenCBM-Tools. Deshalb muss in CBMXfer der Pfad auf den Ordner zeigen, in dem cbmctrl.exe liegt. Unter Windows 11 ist das bei mir:
...\opencbm\amd64\

Wenn man hier aus Versehen den Root-Ordner (...\opencbm\) oder den 32-bit-Ordner (...\i386\) einträgt, wirkt es schnell so, als würde „das Laufwerk nicht gefunden“ – obwohl OpenCBM eigentlich korrekt installiert ist.
Fehler → Ursache → Lösung (aus meiner Praxis)
NO PLUGIN DRIVER!
Ursache: OpenCBM wird aus dem falschen Ordner gestartet (nicht ...\amd64\) oder Windows startet eine andere cbmctrl.exe aus dem PATH.
Lösung: In ...\amd64\ wechseln und von dort starten. Zur Kontrolle: where cbmctrl.
error: no xum1541 device found
Ursache: Falsches Plugin/Adaptermodus (xum statt xu) oder Treiberbindung passt nicht.
Lösung: Für XU1541 gezielt installieren: instcbm xu1541 (als Admin, aus ...\amd64\).
Copying DLL to System32 FAILED
Ursache: Installation nicht mit Admin-Rechten (oder Windows-Schutz blockt).
Lösung: Terminal wirklich als Administrator starten und instcbm xu1541 erneut ausführen.
CBMXfer: comdlg32.ocx fehlt
Ursache: fehlende 32-bit VB6-Komponente unter Windows 11.
Lösung: comdlg32.ocx aus CBM-Transfer100-setup.zip nach C:\Windows\SysWOW64\ kopieren und mit SysWOW64\regsvr32.exe registrieren.
CBMXfer findet Laufwerk nicht
Ursache: OpenCBM-Pfad in CBMXfer falsch (Root oder i386 statt amd64).
Lösung: OpenCBM-Pfad in CBMXfer auf ...\opencbm\amd64\ setzen.
Wenn CBMXfer das Laufwerk trotz korrekter Einstellungen plötzlich nicht mehr findet, hat bei mir ein einfacher Neustart des Rechners gereicht, damit Windows den USB-Treiber/Adapter wieder sauber neu bindet.

Fazit
Das XU1541 ist für mich die verlässliche Brücke zwischen echter Commodore-Floppy und modernem Windows-11-PC. Wenn OpenCBM einmal sauber installiert ist (und man sich den amd64-Pfad merkt), laufen die wichtigsten Dinge erstaunlich stabil: Directory lesen, D64 sichern, D64 zurückschreiben. Und wer lieber klickt als tippt, kann CBMXfer nutzen – sollte unter Windows 11 aber wissen, wie man die fehlende comdlg32.ocx nachrüstet und den OpenCBM-Pfad korrekt setzt.
