Letzte Aktualisierung am 13. Februar 2026 von Jungsi

Kempston Joystick Interface (1983) – der Standard, der dem Spectrum das „Arcade-Gefühl“ gab
Wenn ich an meine Spectrum-Zeit zurückdenke, dann war das vor allem: Tastatur. Ich habe damals erstaunlich viel gespielt, ohne je einen Joystick zu benutzen – schlicht, weil mir das passende Interface fehlte. Erst später wurde mir klar, wie sehr ein kleines Zubehörteil das Spielgefühl verändern kann. Und genau so ein Teil ist das Kempston Joystick Interface: unscheinbar, robust – und für viele Spiele bis heute die naheliegendste Joystick-Option.
Kurzfakten
- Erscheinungsjahr: 1983
- Hersteller: Kempston Micro Electronics Ltd.
- System: Sinclair ZX Spectrum (über den Expansionsport / Edge-Connector)
- Anschluss: 9-poliger D-Sub (Atari-Standard) für Joysticks
- Besonderheit: Abfrage über einen eigenen I/O-Port (Kempston-Standard), keine reine Tastatur-Emulation
Zwei Varianten in meiner Sammlung: „aufrecht“ und „liegend“
In meiner Sammlung liegen gleich zwei Kempston-Interfaces – und die unterscheiden sich in einem Punkt, den man im Alltag sofort merkt:
Variante 1: Die „aufrechte“ Bauform
Hier steht das Interface hinten am Spectrum eher hoch. Das sieht markant aus und braucht nach hinten manchmal weniger Tiefe, kann aber – je nach Joystickkabel – mehr Hebelwirkung auf den Anschluss bringen.

Variante 2: Die „liegende“ Bauform
Diese Version sitzt flacher und wirkt am Rechner oft „ruhiger“, weil sie eher aufliegt. Dafür braucht man unter Umständen etwas mehr Platz hinter dem Spectrum, je nachdem wie der Rechner steht.

Gemeinsamkeit beider Exemplare: kein durchgeschliffener Expansionsport
Spannend (und für die Praxis wichtig): Bei meinen beiden Interfaces ist der Expansionsport nicht als zusätzliche Buchse herausgeführt. Das heißt: Das Kempston-Interface ist bei diesen Varianten in der Regel das letzte Gerät am Expansionsport. Wer mehrere Erweiterungen gleichzeitig betreiben möchte (z. B. Drucker-Interface, Speicher- oder Disk-Erweiterung), braucht dann entweder eine andere Lösung oder einen separaten Expansions-Verteiler.
Was das Kempston so besonders macht
Am Spectrum gab es nie „den einen“ Joystickstandard. Viele Joysticklösungen arbeiten über Tastatur-Belegung: Der Joystick „drückt“ intern bestimmte Tasten (Cursor, Zahlenreihe etc.). Das Kempston-Interface ist anders: Es liefert den Joystickzustand über einen eigenen Hardware-Port. Dadurch wird die Abfrage für Spiele und Programme sehr direkt – und genau deshalb wurde „Kempston“ mit der Zeit zur festen Größe.
Kurz gesagt: Wenn ein Spiel „Kempston“ im Menü anbietet, ist die Chance sehr hoch, dass es sofort und angenehm spielt.
So funktioniert die Abfrage (einfach erklärt)
Der Joystickzustand wird als Zahl zurückgegeben. Neutral ist 0. Jede Richtung hat einen festen Wert, und Feuer addiert einen weiteren Wert dazu. Diagonalen entstehen, indem sich die Werte addieren.
Typische Werte (Kempston-Standard)
- Rechts: 1
- Links: 2
- Unten: 4
- Oben: 8
- Feuer: +16
- Mitte: 0
- Diagonal: Summe der Richtungen (z. B. oben + rechts = 8 + 1 = 9)
Mini-Test in BASIC
Wenn Du das Interface schnell prüfen willst, geht das sogar ohne spezielles Programm:
10 PRINT IN 31
20 GO TO 10
In Neutralstellung sollte ständig 0 erscheinen. Drückst Du eine Richtung oder Feuer, ändern sich die Werte entsprechend.
Praxis-Tipp: mechanische Belastung und richtiges Anstecken
Der Expansionsport des Spectrum ist praktisch, aber mechanisch nicht unverwüstlich – gerade nach Jahrzehnten. Deshalb ein paar Dinge, die ich bei allen Erweiterungen am Spectrum beachte:
- Immer gerade ansetzen, nicht „verkanten“
- Nicht mit Gewalt drücken
- Beim Abziehen ebenfalls gerade arbeiten (kein seitliches Reißen)
- Joystickkabel so führen, dass es nicht permanent am Interface zieht
Gerade die Bauform („aufrecht“ vs. „liegend“) macht hier einen Unterschied: Die flachere Variante wirkt im Regal oder am Tisch oft entspannter, während die hohe Variante dafür manchmal platzsparender ist.

Warum das Kempston für mich heute ein Pflicht-Zubehör ist
Ich finde es fast ironisch: Früher habe ich komplett ohne Joystick gespielt. Heute gehört ein Kempston-Interface für mich zu den Zubehörteilen, die den Spectrum sofort „vollständig“ wirken lassen – nicht, weil es technisch spektakulär wäre, sondern weil es das Spielgefühl so stark verändert.
Und mit zwei Bauformen in der Sammlung ist es noch besser: Man kann schön zeigen, dass es nicht nur „das“ Kempston-Interface gab, sondern auch Varianten, die sich im Alltag wirklich unterschiedlich anfühlen – selbst wenn beide am Ende denselben Standard liefern.