Der Fund
Wenn ich über die Abkürzung NOS – New Old Stock – stolpere, lese ich immer genauer nach. So geschehen mit dem Drucker in diesem Artikel, dem Atari SMM804. Anscheinend ist dieser in einem alten Lager, in Originalverpackung aufgetaucht. Der Begriff NOS bedeutet auch, dass die Hardware „neu” ist und noch nie ausgepackt und in Betrieb genommen wurde.
Da bei mir die Hardware zum Ansehen sein soll, habe ich das Gerät ausgepackt – ob ich es auch testen werde, habe ich noch nicht entschieden. 😉
Ein Drucker für den ST
Der SMM804 ist 1986 erschienen und kostete 698 DM (in den USA 219,95 Dollar), wurde aber nur in den ersten Jahren des ST verkauft (Produktion bis 1989) und ist nicht so häufig anzutreffen. Dazu kommt noch, dass es zeitgleich bessere, aber auch teurere Geräte wie den Star NL-10 gab. Der Hersteller des Druckers soll Shinwa Printing sein, die Elektronik stammt von MIFUJI (Fujitsu) und auch die Firma Kashima könnte an der Produktion beteiligt gewesen sein.

Schwestermodell XMM801
Zum gleichen Zeitpunkt ist auch das Modell XMM801 erschienen, das für die 8-Bit-Ataris (z. B. 800XL) entworfen wurde und daher über ein serielles Interface verfügt, das direkt an den SIO-Port der 8-Bit-Modelle angeschlossen wird.
Der SMM804 hingegen hat ein paralleles Interface und kann direkt an den Atari ST angeschlossen werden. Wer bereits ein Atari-850-Interface-Modul besitzt, kann den SMM804 übrigens auch an 8-Bit-Rechnern betreiben – eine praktische Flexibilität, die das serielle Schwestermodell nicht bietet.
Wie ein Nadeldrucker funktioniert
In der heutigen Zeit kennt die jüngere Generation die sogenannten Nadeldrucker nicht mehr, zu denen auch dieses Modell zählt. Zur Erklärung: Beim Druckvorgang schlagen einzeln angesteuerte Nadeln auf ein Farbband zwischen Papier und Druckkopf, wodurch die Bildpunkte abgebildet werden, aus denen sich die Zeichen zusammensetzen. 9- und 24-Nadel-Drucker sind die bekanntesten Varianten. Je höher die Anzahl der Nadeln ist, desto enger können die Punkte gesetzt werden und desto besser wird das Druckbild.

Technik & Ausstattung
Der Atari SMM804 ist ein 9-Nadel-Drucker und das Gehäuse wurde passend zur ST-Serie entworfen. Er arbeitet mit einer Auflösung von 120 × 144 dpi und druckt bidirektional mit 61 Zeichen pro Sekunde – zum Vergleich: der damals beliebte Epson FX-85 schaffte 108 cps, der Star NL-10 immerhin 89 cps.
Der Drucker verarbeitet Endlospapier; Einzelblätter lassen sich nur schlecht einlegen und es fehlt eine Papierabreisskante. Einen echten NLQ-Modus (Near Letter Quality) gibt es nicht – das Schriftbild entspricht der üblichen Draft-Qualität, die für einen 9-Nadler dieser Klasse typisch ist. Implementiert wurden Breit- und Schmalschrift, Elite, unterstrichene und kursive Schrift sowie Fettschrift und Doppeldruck. Der SMM804 wurde zudem so Epson-kompatibel wie möglich gestaltet und ist vollständig kompatibel mit dem alten Atari 825 – was erklärt, warum bei den meisten ST-Programmen keine Anpassung nötig ist.
Im Betrieb
Ein großer Vorteil war damals der günstige Preis des Druckers. Allerdings hatte er auch ein paar Schwachstellen: Bei einem Hardcopy des Bildschirms wird eine Zeile nicht in einem Stück gedruckt, sondern in 10 Schritten. Somit dauert der Druck einer Seite über 4 Minuten!
Einen weiteren Punkt sollte man nicht unterschätzen: Der SMM804 ist laut. Sehr laut. Auf einer Skala von 1 bis 10 landet er eher bei 9 – näher am Bohrhammer als am leisen Bürodrucker. Das passt gut zu meiner persönlichen Erinnerung, dazu aber mehr im Fazit.

Handbuch und Farbbänder
Das Handbuch des Druckers bietet auf 117 Seiten alle benötigten Informationen – ein Großteil davon sind mehrseitige Steuercodes-Tabellen für internationale Zeichensätze, was die Seitenanzahl im Vergleich zum schlanken XMM801-Handbuch (73 Seiten) erklärt.
Der XMM801 und der SMM804 verwenden beide die gleichen Farbbänder, die sehr einfach zu wechseln sind: einfach gerade herausziehen und das neue einrasten. Neben dem originalen Atari-Farbband sind auch Bänder für den Commodore 1526 und den Mannesman-Tally Spirit 80 kompatibel – und sogar das Pelikan P-116 funktioniert, soll laut zeitgenössischen Tests sogar etwas dunkler und gleichmäßiger drucken. All diese Bänder sind heute noch erhältlich.


Fazit
In der heutigen Zeit ist ein Nadeldrucker ein schönes Stück Technik, das es zu bewahren gilt. Verwenden möchte ich diese Geräte heute nicht mehr. Ich hatte in meinem Berufsleben schon genügend mit diesen Geräten zu tun, und es war wirklich nicht angenehm, neben einem Drucker zu sitzen, während dieser die Rechnungen einer großen Firma mit vier Durchschlägen gedruckt hat – auf einer Lautstärkeskala von 1 bis 10 definitiv eine 9. 🙂



Hi Jungsi,
ich packe mein NOS-Zeug _IMMER_ aus und überprüfe den Zustand. Wozu besorgt man sich das (Retro-) Zeug sonst? 😀
Es auszupacken kann aber schon den (Verkaufs-) Preis mindern.
Ärgerlich, aber nicht zu ändern…
=> nicht drauf achten und die Sachen einfach nutzen.
MfL der Eratosthenes
Hi,
da hast Du recht – ich packe alles aus, dafür habe ich es ja gekauft. Bei unserem Hobby die Dinge zu kaufen wegen einer evt. zukünftigen Wertentwicklung ist die falsche Einstellung denke ich. 🙂
Viele Grüße
Jungsi