
Road Trippin‘ 2022: Coast to Coast
Autor: John Davies
Jahr: 2022
Genre: Plattformer
System: Sinclair ZX Spectrum 128K
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Road Trippin’ 2022: Coast to Coast – ein Kurztrip über die britische Küste auf dem Sinclair ZX Spectrum
Manche Spiele wirken in den ersten Minuten etwas „hakelig“ – und genau das macht es dann umso schöner, wenn es plötzlich klick macht. Road Trippin’ 2022: Coast to Coast ist so ein Kandidat: Anfangs stolpert man noch über ungewöhnliche Tastenbelegung und Timing-Fallen, aber sobald man das Prinzip verstanden hat, entwickelt das Spiel einen richtig fiesen „Nur-noch-ein-Versuch!“-Sog.
Worum geht’s überhaupt?
Statt Weltreise dieses Mal „back to the roots“: mit dem Bike quer durch britische Küstenorte – von Ort zu Ort, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. In jedem Town sammelt man vier Souvenirs ein und versucht dann, den Ausgangspfeil zu erreichen. Klingt entspannt – wäre da nicht die lokale „Fauna“ und diverse Hindernisse, die sich ziemlich entschlossen dagegen wehren, dass du hier gemütlich auf Rädern Urlaub machst.
Das Gameplay – Tempo, Timing und ein bisschen Chaos
Der zentrale Kniff: Du bist praktisch immer in Bewegung. Es gibt zwei Gänge/Tempostufen (langsam/schnell) und dazu einen Sprung – und genau damit wird das Spiel zum Timing-Puzzle.
Sammle 4 Souvenirs pro Ort, dann ab zum Exit-Pfeil. Crashen ist erlaubt (so oft du willst) – aber du startest den Abschnitt neu und das kostet Zeit. Es läuft eine Art „Fuel/Time“-Limit mit. Wenn das leer ist: Game Over.
In den frühen Levels helfen dir Hinweise auf der Strecke, wann du welchen Gang nutzen solltest – später musst du das Timing aus Erfahrung lernen. Manche Dächer/Strukturen kann man „sauber“ landen, und bestimmte Bereiche lassen sich wie Durchfahrten nutzen – das ist wichtig, wenn der direkte Weg tödlich wäre.
Das Spiel hat 30 Orte/Levels, und die variieren angenehm mit unterschiedlichen Hindernisarten: mal springst du drüber, mal musst du drunter durch, mal ist kurz bremsendes Timing gefragt.

Levelaufbau – warum das so eigenständig wirkt
Was mir an Road Trippin’ 2022 besonders gefällt: Es spielt sich nicht wie ein Standard-Platformer, sondern eher wie ein rasantes Hindernis-Parcours-Spiel mit kleinen Aha-Momenten.
Die Strecken sind in Segmente unterteilt, und du arbeitest dich wie durch eine mehrteilige Strecke, bei der du immer wieder die optimale Linie finden musst. Das wirkt anfangs ungewohnt, sorgt aber dafür, dass man Levels nicht nur „abfährt“, sondern richtig lernt.
Steuerung – simpel, aber nicht unbedingt bequem
Hier liegt gleichzeitig der größte Stolperstein: Keine Tasten-Neubelegung – und die Standard-Keys sind ungewohnt, weil sie direkt mit dem Kernprinzip (Tempo steuern) verknüpft sind.
S = langsamer (Low Gear)
F = schneller (High Gear)
J = Springen
Joystick wird ebenfalls unterstützt (typisch Kempston/Sinclair).
Nach ein paar Versuchen geht’s, aber ich hätte mir gerade bei einem so timinglastigen Spiel wirklich eine frei konfigurierbare Steuerung gewünscht. Im Emulator kann man sich das je nach Setup natürlich geradeziehen.

Grafik, Details und Präsentation
Optisch ist das richtig charmant: viele kleine Details, bunte Szenerien, typische Küsten-Orte mit Gebäuden, Buden, Freizeitpark-Flair, Strand-Elementen und allerlei Sommerurlaub-Kram. Trotz der kleinen Sprites wirkt das nicht billig, sondern eher wie mini, aber liebevoll.
Mitwirkende am Look/Audio sind ebenfalls nicht ohne: Zusätzliche Grafiken: Gabriele Amore. Loading Screen: Clive Townsend. AY-Music: Pedro Pimenta.
Schwierigkeitsgrad – „hardcore, aber fair genug“
Der Entwickler beschreibt den Schwierigkeitsgrad selbst ziemlich passend als „ein bisschen hardcore“ – und ja: das ist kein Wohlfühl-Platformer. Road Trippin’ 2022 ist ein Spiel, das von dir erwartet, dass du Muster erkennst, Timing verinnerlichst und auch mal zehnmal an derselben Stelle zerschellst, bis die Finger es automatisiert haben.
Dafür fühlt sich jeder geschaffte Ort richtig verdient an. Und das Spiel wird dabei selten unfair – eher konsequent.
Mein Fazit
Road Trippin’ 2022: Coast to Coast ist ein ungewöhnlicher Mix aus Platformer, Timing-Action und Strecken-Optimierung. Wer sofort perfekte Kontrolle erwartet, wird am Anfang fluchen. Wer aber Spiele mag, die man wirklich lernen muss – und die dann diesen klassischen 8-Bit-Sog entwickeln – bekommt hier einen richtig starken Homebrew-Titel.
Tipps für den Einstieg
Nicht im High Gear festkleben. Oft ist langsamer, dafür kontrolliert der echte Fortschritt.
Level merken wie ein Rhythmus-Spiel. Viele Stellen sind weniger Reaktion, mehr Pattern.
Wenn möglich Joystick/Emulator-Mapping nutzen, damit die Finger nicht gegen die Tasten kämpfen.