
Federation: Underwater
Autor: IADVD & Molomazo
Jahr: 2022
Genre: Adventure
Rechner: Sinclair ZX Spectrum 128K
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Wer „Federation Z“ mochte und bei Furillo Productions vor allem die Mischung aus Weltaufbau, hübscher Präsentation und spielerischer Eigenwilligkeit schätzt, bekommt hier praktisch die Unterwasser-Weiterentwicklung: Federation: Underwater – The Legend of the Three Trololo Kings versetzt das Geschehen in ein Paralleluniversum namens Earth-2, eine „Erde“, deren Kontinente vollständig unter Wasser liegen. Statt klassischer Level-Abfolge gibt es eine große Karte, eine Basis (Atlantis), mehrere Unterwasser-Stadtstaaten, Shops, Höhlen als Abkürzungen – und dazwischen jede Menge Gründe, sich zu verlaufen (im besten Sinne).
Story und Setting
Die Ausgangslage ist herrlich „Pulp-Sci-Fi“: Peter Parrish (Antiheld), Geschäftspartnerin Madame Suellen sowie die Schildkröten Arroyito und Pozolón werden von den Reticulans nach Earth-2 geschickt. Ziel: einen interdimensionalen Durchgang schließen und die Zork Federation stoppen. Dazu gesellt sich eine Legende um drei Trololo-Könige, drei mythische Goldstädte – und ein versiegeltes Artefakt, das im Hintergrund etwas deutlich Größeres ankündigt.
Schön ist dabei, dass das Spiel die Geschichte nicht nur als kurze Einleitung abhandelt, sondern über Missionstexte, Begegnungen und das umfangreiche Begleitmaterial ein richtiges „Universum“ aufspannt. Das sorgt für Motivation, weil man nicht nur von Zielpunkt zu Zielpunkt fährt, sondern tatsächlich das Gefühl bekommt, in einer fremden, lebendigen Welt unterwegs zu sein.
Gameplay – Erkunden, Missionen, Begegnungen
Im Kern ist „Federation: Underwater“ ein Erkundungs-Adventure mit einem amphibischen Schiff als Fortbewegungsmittel. Auf der Navigationskarte tauchen nach und nach Städte, Aquashops, Höhlen und Schätze auf. Das Spielprinzip lebt davon, dass man sich erst die Welt erschließt, Ressourcen sammelt und damit die Ausrüstung verbessert – und dann Mission um Mission abarbeitet.
Wichtig: Die Aufgaben sind sequenziell. Man kann zwar frei über die Karte fahren, aber bestimmte Städte lassen euch erst hinein, wenn die Reihenfolge passt. Das verhindert zwar, dass man sich die Story „kaputt springt“, sorgt aber auch dafür, dass man gelegentlich bewusst „Vorarbeit“ leisten muss: Schätze finden, Shops lokalisieren, Ressourcen aufbauen.
Unterwegs wird es gefährlich:
- Megaaustern beschießen euch mit explosiven Perlen.
- Riesenquallen sind praktisch „Kontakt = Problem“.
- Und natürlich greift die Zork Federation mit eigenen Schiffen an – dann wechselt das Spiel in ein kleines Kampf-Minispiel.
Diese Minispiele sind nicht bloß Beiwerk, sondern ein zentraler Taktgeber: Wer zu unvorsichtig navigiert, wird ständig ausgebremst. Wer dagegen gezielt farmt und vorbereitet, kommt deutlich flüssiger durch die Missionen.

Karte, Map Room und Aquashops – das operative Zentrum
Das Spiel ist erstaunlich „systemisch“ für den Spectrum: Es gibt einen Map Room, in dem ihr Position und bekannte Orte seht – und oben im Bildschirm stets eure aktuelle Mission. Gerade bei Aufgaben, die Koordinaten oder konkrete Suchgebiete nennen, ist das entscheidend. Der Clou: Manchmal stecken relevante Hinweise direkt im Missionstext; wer nur „weiterdrückt“, fährt sprichwörtlich am Ziel vorbei.
Die Aquashops sind euer Wirtschafts- und Upgrade-Hub:
- Reparieren und Aufrüsten
- Module kaufen, die neue Optionen freischalten
- Schätze zu Geld machen
Typische Upgrades drehen genau an den Stellschrauben, die später wichtig werden:
- FIND-Module: machen unbekannte Städte/Höhlen/Schätze/Shops sichtbar.
- +Laser: mehr Strahlen für die Navigation (und zum Farmen).
- +AttackPower: mehr Durchschlagskraft gegen Zork-Schiffe.
- Translator: nötig, um mit bestimmten Städten überhaupt „arbeiten“ zu können.
- Bomb Detector: erkennt falsche „Taucher“ (Bombenfallen) bei einer späteren Rettungsmission.
- Sell Treasure: Schätze in Kredits umwandeln.
Damit wird aus dem Spiel ein Kreislauf: Erkunden → Finden → Aufrüsten → Missionen effizienter lösen → neue Bereiche freischalten.

Energie, Risiko und Fortschritt
Ein zentrales Spannungsinstrument ist die Energie. Bewegung kostet Energie, Treffer und Fehlentscheidungen ebenso. Wenn die Energie aufgebraucht ist, ist Schluss. Gleichzeitig gibt es klare Rettungsanker:
- In Atlantis wird die Energie wieder vollständig aufgefüllt – und zusätzlich die Laser-Ladung.
- Jeder Besuch in einem Aquashop kann in brenzligen Situationen ebenfalls helfen.
Fortschritt ist außerdem angenehm spielbar gelöst: Nach Missionsabschlüssen gibt es Savepoints, und zusätzlich kann man sich einen Password-Stand notieren und später genau dort weitermachen. Das passt perfekt zu einem Spiel, das eher auf längere Session-Ketten als auf 10-Minuten-Häppchen ausgelegt ist.
Höhlen und Minispiele – Abkürzungen mit Haken
Die Höhlen sind mehr als Dekoration: Sie funktionieren als Abkürzungsnetz über die Karte. Aber bevor man sie bequem nutzen kann, müssen die Schildkröten „vorarbeiten“ – in einem separaten Minispiel, das wie eine kleine Geschicklichkeitsprüfung wirkt. Erst wenn das klappt, steht die Höhle dauerhaft als Shortcut zur Verfügung. Das ist ein schönes Design: Abkürzungen sind mächtig, aber nicht kostenlos.
Präsentation – Grafik, Atmosphäre und Musik
Furillo Productions liefert hier wieder das, was sie besonders gut können: starke, eigenständige Optik mit vielen stimmungsvollen Screens und einer klaren visuellen Identität. Dazu kommt ein großer Pluspunkt, den man bei Spectrum-Releases 2022 nicht immer in der Form bekommt: Es liegt ein digitales Art-/Concept-Book bei, das Setting, Figuren und Hintergründe ausbaut. Außerdem gibt es eine Jukebox-Datei mit den Soundtracks – ein nettes Extra, das den „Release als Paket“ deutlich aufwertet.

Tipps aus der Praxis
Ein paar Dinge machen den Einstieg spürbar leichter:
- Erst aufrüsten, dann tief in die Missionen gehen. Schätze und Shops früh zu finden, beschleunigt später alles.
- Schätze systematisch einsammeln. Sie sind nicht nur Sammelkram, sondern teils missionkritisch oder finanzieren Upgrades.
- Megaaustern lohnen sich. Wer sie regelmäßig ausschaltet, kommt schneller zu Kredits und damit zu besseren Modulen.
- Bomb Detector rechtzeitig besorgen. Spätestens wenn „Taucher“ ins Spiel kommen, erspart das sehr viel Frust.
- Energie im Blick behalten. Wenn es knapp wird: zurück nach Atlantis, einmal volltanken, dann weiter.
Fazit
„Federation: Underwater – The Legend of the Three Trololo Kings“ ist kein klassisches „schnell mal eine Runde“-Spiel, sondern ein großes, missionsgetriebenes Erkundungsabenteuer mit spürbarer Liebe zum Setting. Wer Spaß an Kartenarbeit, an kleinen Systemen (Energie, Shops, Module, Sichtbarmachen) und an einer Welt hat, die mehr sein will als bloße Kulisse, bekommt hier einen Titel, der auf dem ZX Spectrum erstaunlich „modern“ wirkt – ohne seine 8-Bit-Wurzeln zu verleugnen.
Für mich ist das genau die Sorte Release, bei der man nach dem Ausschalten noch kurz überlegt, welche Route man beim nächsten Mal optimiert – und ob man nicht „nur noch schnell“ den nächsten Schatz einsammelt.