Der eine oder andere hat einen Atari ST in der Sammlung – doch habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht, wie es eurem Diskettenlaufwerk geht? Es gibt ein Laufwerksmodell, das Atari in vielen ST-Modellen verbaut hat, in dem billige Elkos stecken. Nach so vielen Jahren können diese auslaufen und dabei die Steuerplatine der Motorelektronik zerstören!
Dafür gibt es Abhilfe.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Hersteller | Epson |
| Bezeichnung | SMD-400 (teils auch als SMD480L bezeichnet) |
| Kapazität | 720 KB (Double Density) |
| Bauform | 3,5″ |
| Bekannter Einsatz | u. a. intern im Atari 1040ST |
| Ersatzteilnummer (Atari) | C103043-001 |
Das Problem: Auslaufende SMD-Elkos
Es handelt sich um das Epson SMD-400-Laufwerk. Was ich hier entdeckt habe, kennen Amiga-500/600/1200-Besitzer nur zu gut von ihren eigenen SMD-Elkos: Die drei kleinen SMD-Elkos hatten bereits begonnen, die Kontakte zu korrodieren. In diesem Fall sollte man schnell handeln, die Elkos entfernen und durch normale, bedrahtete Elkos ersetzen. Es handelt sich um 10-µF-Elkos, insgesamt fünf Stück – und die sollten so schnell wie möglich getauscht werden!
Drei Elkos sind an der Vorderseite sichtbar, der vierte sitzt ganz hinten links, der fünfte hinten rechts. Um an sie heranzukommen, muss die gesamte Auswurf-Mechanik zerlegt werden.
Die alten Elkos entfernen und Kontakte reinigen
Wichtig ist, alle fünf Elkos durch beherztes Drehen in beide Richtungen von der Platine abzubrechen und anschließend alle Stellen rund um die Lötpads mit Kontakt-WL-Reiniger zu behandeln, um das ausgelaufene Elektrolyt zu neutralisieren – das ist ein ganz wichtiger Schritt. Danach werden alle Pads mit dem Lötkolben von den alten Kontaktresten befreit und mit Entlötlitze sauber gereinigt.
Neue Elkos einlöten – auf die Polarität achten
Jeder Kontakt muss anschließend mit frischem Lötzinn benetzt werden. Als Ersatz eignen sich normale 10-µF-Elkos, die hier liegend eingebaut werden (siehe Bild). Wichtig: Die Minus-Seite des Elkos – am Gehäuse durch einen Strich markiert – muss mit dem auf der Motorsteuerungsplatine gekennzeichneten Minuspol verbunden werden, die unbeschriftete Seite ist Plus. Achtet unbedingt darauf, die Polarität nicht zu vertauschen – sonst habt ihr am Ende einen kleinen China-Böller im Laufwerk 🙂
| Hier sieht man die gesamte Motorsteuerungsplatine mit den entfernten Elkos. Was für eine, auf Bayrisch gesagte „Sauerei“! Hier müssen alle Lötpads und auch rundherum die Kontakte mit Kontakt WL gereinigt werden, damit das Elektrolyt neutralisiert wird, dann müssen alle Kontakte entlötet und neu verzinnt werden. | Hier ser ihr den schönen „Laufwerks-Hack“ mit total übertriebenen und neuen 105° low ESR Elkos, in liegender Bauweise. So braucht man keine SMD Elkos und kann normale Elkos verwenden. Durch die Dicke der Elkos gibt es auch kein Problem – der untere Laufwerksschlitten hat keine Reibestellen an den Elkos. Zu beachten ist, dass die Polarität wie auf der Platine gekennzeichnet ist passt, ansonsten kann ein falsch gepolter Elko platzen, und das wollen wir nicht 🙂 |
Auf dem Bild seht ihr den fertigen „Laufwerks-Hack“ mit bewusst überdimensionierten, neuen 105-°C-Low-ESR-Elkos in liegender Bauweise. So braucht man keine SMD-Elkos mehr und kann normale, bedrahtete Elkos verwenden. Durch die Bauhöhe der Elkos gibt es dabei kein Problem: Der untere Laufwerksschlitten hat an dieser Stelle keine Reibestellen. Wichtig ist nur, dass die Polarität exakt der Kennzeichnung auf der Platine entspricht – sonst kann ein falsch gepolter Elko platzen, und das wollen wir nicht 🙂
Die Bauhöhe der Elkos passt wunderbar unter den Schlitten, sodass hier nichts scheuert.
Der Zusammenbau: Vorsicht bei den Federn
Bei dieser Retro-Reparatur setze ich Erfahrung im Zerlegen von Laufwerken voraus. Besonders die Federn der Auswurfmechanik können einen Ungeübten schon mal zum Haareausraufen bringen 🙂 Die beiden unteren Federn für den Schlitten sind kein Problem, aber die Feder für den oberen Schlitten, die sich links hinten befindet, treibt einen ganz schön in den Wahnsinn, wenn man den entsprechenden Trick nicht kennt.
Fazit
Damit ist das Laufwerk wieder instand gesetzt und sollte seinen Dienst wieder einwandfrei verrichten. Etwas Ärger könnte künftig noch der Kontaktschalter für die Diskettenerkennung und den Schreibschutz machen – dazu aber demnächst mehr in einem eigenen Beitrag.

![Epson SMD-400 Wiederbelebung [Atari ST]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/epson_smd_400_8.jpg)








Danke für deinen Beitrag. Konnte mein Laufwerk wiederbeleben. Bei mir war der Kontaktschalter kaputt vorne, der die Diskette erkennt.
Hallo Gerhard,
beim Durchsuchen in diversen ATARI-Foren zum Thema:
Reparatur von „alten“ Floppy-Laufwerken, bin ich
auf Deine Seite „Jungsis Corner“ aufmerksam geworden.
Da gibt es auch den erfolgreichen Bericht:
„Epson SMD-400 Wiederbelebung [Atari ST]“
vom 01.12.2015 von „Darius“
Nach ca. 25 Jahren habe ich meinen ATARI STE vom Dach-
boden hervor geholt und aufgebaut.
Beim Klick auf das interne DD-LW „Epson SMD-380“ geht
die gelebe LED zwar an. Lesezugriff durch den Steppmotor
erfolgt aber leider nicht 🙁 . . . LW ist gereinigt
Nach dem lesen des Berichtes SMD-400 Wiederbelebung
habe ich nun die Hoffnung, dass ich das SMD-380 mit
etwas „Lötgeschick“ auch wieder ans Laufen bekomme.
Folgende Kondi´s habe ich auf dem SMD-380 gefunden:
1. direkt neben 5V Anschluss sitzt:
1 dicker, brauer Kondensator; rel. gut aus-/einzulöten
Bezeichnung: C01
Farbe: braun
Beschriftung oben 99 B3
Beschriftung seite 56uF 16V
Durchmesser: 6mm
Höhe: 7,5mm
2. hinter der Kunststoffblende (Disk-Einschub)
sitzen 3 kleine schwarze Kondi´s (ähnlich SMD-400)
alle 3 Kondi´s sind umgeklappt und an der Platine angeklebt
Die Kondi-Beinchen können nicht durchgesteckt werden
Die Löt-Anschlussstellen sind abgeflacht und 90° abgebogen
Bezeichnung: C1 + C2 + C3 [(M) 88 CE 85°C]
Farbe: schwarz
Beschriftung oben — — (keine)
Beschriftung seite 22uF 10V
Durchmesser: 4mm
Höhe: 6,5mm
Feststellung:
C2 + C3 sind gut zu erreichen
C1 wird etwas fummelig, müsste aber auch gehen
Die Pertinax-Platine im Bereich Einschub, ist unten aus Metall
(geklebt !?)
Alle 3 Kondi´s haben die gleiche Bezeichnung
C1 – (M) 88 10 V 22uF CE 86°C
C2 – (M) 88 10 V 22uF CE 86°C
C3 – (M) 88 10 V 22uF CE 86°C
Nun zu meinen Fragen:
– sind außer den 4 Kondi´s noch weitere Kondi´s „versteckt“ ?
– könnten ggf. noch weitere Bauteil/e defekt sein ?
– wenn ja, welche ?
– welche Tipps zum Reparaturversuch kannst Du mir noch geben ?
P.S.
Da die Kondi´s relativ günstig bei z.B. reichelt beschafft werden
können, möchte ich den Reparaturversuch gerne durchführen.
Vorab schon mal herzlichen Dank für Deine Unterstützung
und viele Grüße
Thomas
Hallo Thomas, vielen Dank für Deine Frage. Leider kann ich Dir deine Fragen nicht beantworten. Das war einer der wenigen Artikel, die ich nicht selbst geschrieben habe. Mit dem Autor habe ich keinen Kontakt mehr und meine Kenntnisse in diesen Details sind mehr als gering. Außerdem habe ich diese Basteleien auf Grund meiner schlechten Augen aufgegeben. Tut mir leid.
Viele Grüße
Jungsi
Hallo! Ganz dumme Frage: Ich will ein Check-up an meinem Laufwerk machen, aber trotzdem kann ich die Gehäuse(diese Metalschale) nicht entfernen. Ich weiß nicht wie man das macht. Würden Sie mir bitte ein bisschen erkären? Danke schön
Stefan
Hallo. Es gibt keine dummen Fragen. Leider kann ich hier nicht behilflich sein. Das ist der einzige Artikel im ganzen Blog, den ich bisher nicht selbst geschrieben hatte.
Leider hab ich selbst keines dieser Laufwerke und mit dem Autor des Artikels habe ich leider keinen Kontakt mehr.
Viele Grüße
Gerhard
Danke für die Antwort! Ich habe den Weg gefunden. Es gab eine Schraube, die alles hielt.
Und auch mir hat diese Anleitung sehr geholfen, in meinem XT waren 2 Stück dieser SMD 400 Laufwerke verbaut, beide mit 26 Pin Stecker über die auch der Strom geführt wurde. Austausch also nicht ohne weiteres möglich… 5 Minuten, 5 Kondensatoren später liefen die Laufwerke wieder… Gebaut wie ein Panzer bis auf die billigen 3Cent Kondensatoren an denen wieder gesparrt wurde…