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Interface 1 [Sinclair ZX Spectrum]

ZX Interface 1

Interface 1 am Sinclair ZX Spectrum: Microdrive, Netzwerk und RS-232 im Keilgehäuse

Ich nutze es seit vielen Jahren immer wieder am Spectrum – und trotzdem ist es bei mir bisher durchgerutscht: das Sinclair Interface 1. Dabei ist dieses unscheinbare Keilgehäuse historisch gesehen ein richtig wichtiger Baustein im Spectrum-Ökosystem. Denn das Interface 1 war nicht „nur“ irgendeine Erweiterung, sondern gleich ein komplettes Paket aus Massenspeicher-Anbindung, Netzwerk und serieller Schnittstelle.

In diesem Artikel möchte ich das Interface 1 endlich würdigen: Was es kann, wie es gedacht war, wie es sich heute anfühlt – und warum es (gerade als Sammler und Technik-Fan) absolut seinen Platz in der Spectrum-Geschichte verdient.

Was ist das Interface 1 eigentlich?

Das Interface 1 kam 1983 als offizielles Peripheriegerät von Sinclair Research auf den Markt. Ursprünglich war die Idee wohl stark in Richtung Klassenzimmer und Lernen gedacht: mehrere Spectrums miteinander verbinden, Daten austauschen, gemeinsam arbeiten. Kurz vor bzw. zur Markteinführung wurde das Konzept aber entscheidend erweitert – und genau das macht es so spannend: Das Interface 1 wurde gleichzeitig zum Controller für die ZX Microdrives.

Damit wurde aus einem „Netzwerk-Addon“ plötzlich ein zentraler Baustein für Sinclairs eigenen Massenspeicher-Ansatz am Spectrum.

Interface 1 - Unterseite
Interface 1 – Unterseite

Die drei Kernfunktionen auf einen Blick

Microdrive-Unterstützung
Das Interface 1 ist die Schaltzentrale für die ZX Microdrives. Bis zu acht Laufwerke lassen sich in Reihe betreiben. Damit bekam der Spectrum eine deutlich komfortablere Speicher-Alternative zur Datasette – zumindest auf dem Papier.

ZX Net Netzwerk
Zwei Netzwerkanschlüsse ermöglichen das Durchschleifen mehrerer Spectrums. Die Idee: kleine lokale Netzwerke, Datenübertragung zwischen Stationen, im Idealfall sogar ein „Server“-Rechner, der Programme oder Daten bereitstellt.

RS-232 seriell (DE-9)
Zusätzlich bringt das Interface 1 eine serielle Schnittstelle mit – praktisch für Kommunikation mit anderer Hardware, Druckern oder (damals) auch Modem-/Terminal-Themen. Beim Spectrum ist RS-232 immer ein Stück „Tür nach draußen“ gewesen – und beim Interface 1 ist sie direkt eingebaut.

Das ZX Microdrive: Speicher mit Retro-Charme und Eigenheiten

Wenn man heute mit Microdrives arbeitet, merkt man schnell: Das ist eine sehr eigene Art von Massenspeicher. Die Cartridges sind winzig, das Handling fühlt sich wie „Kassette auf Speed“ an – und gleichzeitig ist es technisch faszinierend, weil Sinclair hier einen ganz anderen Weg als die klassischen Diskettenlaufwerke gegangen ist.

Sinclair ZX Spectrum mit Interface 1 und zwei Microdrives

Kapazität und Tempo
Typisch ist eine formatierte Mindestkapazität von 85 KB pro Cartridge. Dazu kommt eine für Spectrum-Verhältnisse flotte Datenrate – deutlich schneller als Tape-Laden. Im Alltag fühlt sich das sofort „computeriger“ an: katalogisieren, speichern, laden, verwalten.

Zuverlässigkeit: der Teil, den man ehrlich sagen muss
Microdrives haben nicht ohne Grund den Ruf, etwas launisch zu sein. Die Endlos-Tape-Schleife ist mechanisch belastet, Cartridges altern, und je nach Exemplar kann das zwischen „läuft erstaunlich stabil“ und „heute leider zickig“ schwanken. Für mich ist das aber kein K.-o.-Kriterium – eher Teil der Erfahrung. Gerade als Demo im Museum oder beim Basteln am Original-Setup zeigt es sehr schön, wie Sinclair „günstigen Massenspeicher“ gedacht hat.

ZX Net: Netzwerk, bevor Netzwerk selbstverständlich war

Einer meiner Lieblingspunkte am Interface 1 ist das ZX Net – nicht weil ich es ständig produktiv nutze, sondern weil es zeigt, wie ambitioniert Sinclair damals gedacht hat. Mehrere Spectrums in Reihe verbunden, Stationen adressieren, Daten hin- und herschicken oder an alle senden – das ist ein echtes „LAN-Gefühl“ in einer Zeit, in der Heimnetzwerke noch lange nicht Alltag waren.

Für ein Klassenzimmer- oder Computerraum-Szenario wirkt das sogar heute noch nachvollziehbar: ein Rechner verteilt Aufgaben/Programme, die anderen laden sie übers Netz.

RS-232: Anschluss an die Außenwelt

Die serielle Schnittstelle wirkt heute erstmal unspektakulär – aber beim Spectrum war das ein wichtiger Schritt. RS-232 bedeutet: Der Rechner ist nicht auf Tape und Bildschirm begrenzt. Kommunikation mit anderen Systemen, Druckern oder seriellen Geräten wird möglich.

Und gerade im Zusammenhang mit dem Interface 1 passt es ins Gesamtbild: Sinclair wollte den Spectrum nicht nur als Spielerechner, sondern als vielseitigen Homecomputer positionieren – mit Speicher, Netzwerk und „Kommunikationsfähigkeit“.

Interface 1 - Platine Oberseite
Platinenoberseite des Sinclair ZX Interface 1 (ISS4): links RS-232 über DE-9 sowie ZX-Net (SK1/SK2), rechts der Edge-Connector zum Spectrum; die zentrale Logik (inkl. ULA als typische Alters-Schwachstelle) sitzt im rechten Bereich

Warum das Interface 1 für die Spectrum-Historie so wichtig ist

Es ist eine offizielle Erweiterungsplattform
Das Interface 1 bringt eigenes ROM mit und erweitert Sinclair BASIC über definierte Mechanismen. Das war nicht nur praktisch, sondern hat Standards gesetzt: Wenn ein Hersteller offiziell zeigt, wie Erweiterungen sauber ins System eingehängt werden, folgen oft weitere Entwickler mit ähnlichen Erweiterungen.

Es hängt direkt am Microdrive-Ökosystem
Ohne Interface 1 kein Microdrive-Setup am Spectrum. Und damit fehlt ein kompletter Seitenarm der Spectrum-Geschichte: Tools, Workflows, Zubehör und dieses typische „Sinclair-Feeling“, Dinge anders zu lösen als der Rest des Marktes.

Es zeigt Sinclairs Zukunftsbild
Netzwerk im Klassenzimmer, günstiger Massenspeicher, serielle Kommunikation – das ist eine klare Vision davon, wie Computing im Alltag aussehen könnte.

Praxis: Montage, Handling und typische Stolperstellen

Das Interface 1 sitzt als Keil unter dem Spectrum und wird mit längeren Schrauben fixiert. Dadurch ist es mechanisch stabiler, als wenn es nur am Expansionsport „baumelt“. Man merkt aber auch: Das ist nicht unbedingt die Erweiterung, die man mal eben in 10 Sekunden an- und absteckt. Es ist eher ein bewusstes Setup, das man „aufbaut“.

Ein typischer Klassiker aus der Praxis ist „Out of memory“, wenn man mit Microdrive oder Netz Streams öffnet: Das Interface 1 legt dafür Kanäle/Buffers an – und wenn unter RAMTOP nicht genug Luft ist, gibt’s eben die Quittung. Das ist kein Defekt, sondern oft nur eine Speicher-/Programm-Konstellation.

Interface 1 - Platine Unterseite
Interface 1 – Platine Unterseite

Die Achillesferse nach Jahrzehnten: die ULA im Interface 1

Ein Punkt, der heute immer wichtiger wird: Viele Interface-1-Einheiten sind inzwischen so alt, dass bestimmte Bauteile altersbedingt ausfallen können – und als besonders kritischer Kandidat gilt dabei die ULA (das kundenspezifische Logik-IC im Interface 1).

Wenn diese ULA Probleme macht, äußert sich das je nach Setup ganz unterschiedlich: Microdrive-Zugriffe werden unzuverlässig, das Interface verhält sich merkwürdig, bestimmte Funktionen gehen gar nicht mehr. Für Sammler ist das besonders ärgerlich, weil man äußerlich oft nichts sieht – aber das Gerät praktisch unbrauchbar wird.

vLA1: moderner ULA-Ersatz für das Interface 1

Zum Glück gibt es inzwischen einen spannenden Ersatz: die vLA1. Das ist ein pin-kompatibler, funktionaler Ersatz für die Sinclair Interface 1 ULA, umgesetzt mit moderner Logik. Ziel ist nicht „irgendwas Ähnliches“, sondern wirklich vollständige Unterstützung der ursprünglichen Funktionen – also Microdrive, RS-232 und Netzwerk wie beim Original.

Wichtig aus der Praxis: Der Einbau ist nichts, was man „mal schnell“ macht. Wegen der Platzverhältnisse im Interface-1-Gehäuse ist ein Sockel oft nicht drin – je nach Zustand/Modifikation bedeutet das sauberes Auslöten und direktes Einlöten. Außerdem ist das Modul statisch empfindlich: ESD-Vorsicht und ordentliches Arbeiten sind Pflicht.

Info vLA1
Bezugsquelle in Deutschland

Warum ich das Interface 1 heute immer noch gerne nutze

Ich gebe es zu: Im Alltag könnte man vieles heute bequemer lösen. Aber genau darum geht es mir bei Retro nicht immer. Das Interface 1 ist ein Stück echter Spectrum-Geschichte, das man nicht nur im Regal anschauen kann, sondern aktiv erleben: Microdrive-Geräusche, Cartridge-Handling, BASIC-Kommandos, die „nach Erweiterung“ riechen, Netzwerk-Experimente – das ist 80er-Computing zum Anfassen.

Fazit

Das Sinclair Interface 1 ist für mich eine der unterschätzten Erweiterungen am ZX Spectrum. Es steht für Sinclairs Versuch, den Rechner in Richtung Massenspeicher, Kommunikation und Vernetzung zu öffnen – und es gehört historisch einfach dazu, wenn man die Plattform nicht nur über Spiele und Kassetten definieren will.

Und wer heute eins besitzt: Es lohnt sich, es nicht nur als Sammlerstück zu sehen, sondern ab und zu wirklich anzuschließen. Gerade mit der Option eines modernen ULA-Ersatzes wie der vLA1 kann man ein Interface 1 im Zweifel sogar wieder zuverlässig auf die Beine bringen.

Microdrive – Cartridge formatieren, katalogisieren, speichern, laden

REM Microdrive 1 formatieren und benennen (ACHTUNG: löscht Inhalt!)
FORMAT "m";1;"JUNGSI01"

REM Inhalt (Katalog) anzeigen
CAT 1

REM Programm speichern / prüfen / laden
SAVE *"m";1;"SQUARES"
VERIFY *"m";1;"SQUARES"
NEW
LOAD *"m";1;"SQUARES"
RUN

REM Screen speichern / laden (Screenshot-Style)
SAVE *"m";1;"TITLE" SCREEN$
LOAD *"m";1;"TITLE" SCREEN$

Microdrive – einfache Daten-Datei schreiben und wieder lesen

REM Stream 4 mit einer Datei auf Microdrive 1 verbinden
OPEN #4;"m";1;"LOG"

REM Daten schreiben
PRINT #4;"Hallo Interface 1!"
PRINT #4;"Zeitstempel? Leider ohne RTC - aber das Retro-Gefühl stimmt."

CLOSE #4

REM Datei wieder lesen (sehr simpel, Zeile für Zeile)
OPEN #4;"m";1;"LOG"
INPUT #4;a$
PRINT a$
INPUT #4;a$
PRINT a$
CLOSE #4

ZX Net – zwei Spectrums, eine kleine Nachricht

Voraussetzung: Beide Rechner per ZX Net verkabelt, jede Station bekommt eine Nummer.

Station 1 (Sender)

FORMAT "n";1
OPEN #8;"n";2
PRINT #8;"Hallo von Station 1!"
CLOSE #8

Station 2 (Empfänger, „polling“ mit INKEY$)

FORMAT "n";2
OPEN #8;"n";1

REM Alles ausgeben, was reinkommt (Dauerschleife)
10 PRINT INKEY$ #8;
20 GO TO 10

Bonus: Broadcast (alle hören mit)

REM Empfänger (egal welche Station):
LOAD *"n";0

REM Sender (egal welche Station):
SAVE *"n";0

RS-232 – Textkanal und Baudrate setzen

REM Textkanal, z.B. 9600 Baud
FORMAT "t";9600
OPEN #3;"t"

REM Alles, was auf Stream 3 geht, wandert zur seriellen Schnittstelle
LLIST

CLOSE #3

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