Rubinho Cucaracha
Rubinho Cucaracha
Autor: ZOSYA entertainment (Natasha Zotova)
Jahr: 2022
Genre: Race ’n‘ Chase
Rechner: Sinclair ZX Spectrum 48K / 128K
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Vollgas auf dem Speccy
ZOSYA entertainment hat in den letzten Jahren einige bemerkenswerte Titel für den ZX Spectrum veröffentlicht – Drift!, Valley of Rains, Travel Through Time und Angels sind nur einige davon. Das russische Studio rund um Natasha Zotova hat sich in der Spectrum-Homebrew-Szene einen exzellenten Ruf erarbeitet: Jeder neue Titel schiebt die Grenzen des alten Gummitastenrechners ein Stück weiter hinaus. Mit Rubinho Cucaracha erschien im März 2022 das nächste Kapitel – und es macht eine Menge Spaß.
Zum Titel selbst noch eine kurze Anmerkung: „Rubinho“ ist in Brasilien ein bekannter Spitzname – vor allem durch den Formel-1-Fahrer Rubens Barrichello geprägt –, während „Cucaracha“ auf das mexikanische Volkslied „La Cucaracha“ verweist. Eine etwas eigenwillige Kombination für ein Rennspiel, das ausschließlich in Europa spielt, aber der Name bleibt hängen – und das ist ja auch schon die halbe Miete.
Die Engine: Bekannt und bewährt
Rubinho Cucaracha ist ein nagelneues Rennspiel, das optisch und technisch offensichtlich auf derselben Engine wie Travel Through Time basiert. Wer diesen Vorgänger kennt, weiß sofort, was ihn erwartet: eine flüssige Pseudo-3D-Rückansicht, sauberes Scrolling und eine Atmosphäre, die stark an die großen Arcade-Racer der 80er Jahre erinnert – Out Run und Chase HQ lassen grüßen.
Wer bereits Travel Through Time gespielt hat, wird die Fahrphysik sofort wiedererkennen – sie ist exakt dieselbe. Alle Stärken, die jenes Spiel auszeichneten – Grafik, Geschwindigkeit, Sound –, finden sich auch hier wieder. Das ist kein Kritikpunkt, sondern ein Qualitätsmerkmal: Die Engine funktioniert hervorragend, und ZOSYA entertainment nutzt sie konsequent.
Arcade pur – mit Biss
Gegenüber dem Vorgänger, der mit 80 Levels und zahlreichen Animationen zwischen den Abschnitten aufwartete, ist Rubinho Cucaracha mit „nur“ 16 aufeinanderfolgenden Levels deutlich kompakter gehalten – ohne Zwischensequenzen. Das klingt zunächst nach einem Rückschritt, entpuppt sich aber als bewusste Designentscheidung: Der Titel ist fokussierter, direkter und zugänglicher. Weniger Simulation, mehr Arcade.
Wer die Strecken beherrscht, braucht mindestens 35 bis 40 Minuten bis zum Ende – das ist für ein Retro-Arcade-Rennspiel eine respektable Spielzeit. Der Titel verliert zwar etwas von der Tiefe des Vorgängers, gewinnt dafür aber an Tempo und Zugänglichkeit. Und mal ehrlich: Das „Nur noch eine Runde“-Gefühl stellt sich schnell ein.
Was Rubinho Cucaracha zusätzlich interessant macht: Wer nicht nur schnell fahren, sondern auch kämpfen möchte, kommt hier auf seine Kosten – die Entwickler haben das Spiel ausdrücklich um Vehicle Combat ergänzt. Das gibt dem Renngeschehen eine zusätzliche Ebene und sorgt dafür, dass man nicht nur auf die Strecke, sondern auch auf die Gegner achten muss. Ein schöner Twist, der das Spiel von einem reinen Racer abhebt.
Technik, Sound und Steuerung
Das Spiel läuft auf dem ZX Spectrum 48K und 128K, unterstützt AY Sound und bietet perspektivische 3D-Grafik. Grafisch präsentiert sich Rubinho Cucaracha sauber und flüssig – keine nennenswerten Attribut-Probleme, selbst bei hohem Tempo. Die Sprites bewegen sich geschmeidig, die Strecken wirken lebendig. Wer opulente Grafik erwartet, liegt vielleicht falsch, aber wer weiß, was auf einem ZX Spectrum möglich ist, wird beeindruckt sein.
Auf dem 48K-Modell läuft Rubinho Cucaracha problemlos – lediglich einige Soundeffekte fehlen, die dem 128K vorbehalten sind. Wer also „nur“ einen 48K-Rechner hat, muss nicht darauf verzichten – er bekommt lediglich etwas weniger auf der Soundseite. Auf dem 128K hingegen unterstützt das Spiel den AY-Chip voll, und der Unterschied ist hörbar.
Die Steuerung lässt sich frei belegen; Kempston- und Sinclair-Joystick werden ebenfalls unterstützt. Ein-Spieler-Titel, der aber durch seinen Highscore-Charakter auf natürliche Weise zum Wiederspielen einlädt.
Fazit: Starke Vorlage, stark umgesetzt
Rubinho Cucaracha ist ein weiteres überzeugendes Beispiel dafür, was ZOSYA entertainment aus dem ZX Spectrum herauszuholen versteht – und das bei einem kostenlosen Download. Wer die Engine aus Travel Through Time bereits schätzt, steigt hier sofort ein. Wer sie noch nicht kennt, bekommt einen hervorragenden Einstieg in das Schaffen eines der produktivsten und qualitätsbewusstesten Homebrew-Studios der Speccy-Szene.
Mit rund 100 weiteren Spielen in verschiedenen Entwicklungsstadien hat ZOSYA entertainment noch einiges in der Pipeline – und wenn Rubinho Cucaracha ein Maßstab ist, darf man gespannt bleiben.
