RetroQuest II
Autor: John Davies
Jahr: 2022
Genre: Labyrinth
Rechner: Sinclair ZX Spectrum
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Zum 40. Geburtstag des ZX Spectrum im April 2022 hat John Davies (Joesoft) gemeinsam mit Grafik-Legende Clive Townsend und Sebastian Braunert ein besonderes Geschenk für die Community geschnürt: Mazania: Mage Rage Part II. Die Idee dahinter ist charmant, die Umsetzung ambitioniert – und das Ergebnis ist ein Spiel, das man mit gemischten Gefühlen aus der Hand legt.
Den ersten Teil der Serie haben wir übrigens bereits auf jungsi.de besprochen – wer nachlesen möchte, findet ihn hier.
Pac-Man trifft Spectrum-Geschichte
Mazania ist kein Plattformer, sondern ein Labyrinthspiel. Zwölf Mazes gilt es zu durchqueren und dabei sämtliche Objekte einzusammeln – ganz im Stil des großen Vorbilds Pac-Man. Statt Geister zu fressen, feuert ihr allerdings Energiebälle auf eure Widersacher. Bonus-Items wie Früchte, Süßigkeiten, Hühnchen oder Recognizer frieren die Feinde kurzzeitig ein und verschaffen euch kurze Verschnaufpausen. Highscores statt Spielfortschritt – das ist das erklärte Ziel.
Die eigentliche Besonderheit liegt jedoch in den Levels selbst: Jeder der zwölf Mazes ist von einem bekannten Retro-Klassiker inspiriert. Cybernoid, Fred – die Spectrum-Geschichte lebt hier als spielbare Referenzsammlung weiter. Davies selbst nennt das Spiel seinen persönlichen Tribut an den Spectrum zum runden Geburtstag.

Der Feind meines Feindes ist… überall
Leider hat das Spielprinzip einen gewichtigen Haken: den Schwierigkeitsgrad. Und der ist brutal. Die Feinde – eine bunte Mischung aus Mutanten, Mumien, Geistern, Dingos, Robotern, Teddybären, Raumschiffen, Riesenvögeln, Käfern, Cops und Lichtmotorrädern – bewegen sich weitgehend zufällig und werden mit der Zeit immer mehr. Wer eine Strategie entwickeln möchte, hat schlechte Karten: Die Aleatorik der Gegner macht verlässliches Vorgehen nahezu unmöglich.
Erschwerend kommt die Schussmechanik hinzu. Der Energieball fliegt stets in die Richtung, in die ihr gerade schaut – klingt logisch, wird in den verschlungenen Labyrinthen aber zum Problem. In engen Gängen mit zufällig umherirrenden Feinden landet der Schuss häufig ins Leere, während der Gegner euch bereits von hinten erwischt. Geschwindigkeit und die verzweigte Wegführung tun ihr Übriges: Schnell positionieren ist kaum möglich, bevor die nächste Kollision droht. Das Ergebnis ist weniger Herausforderung als Frustration.
Davies selbst ist sich dessen bewusst. Sein eigenes Fazit zum Spiel fällt bemerkenswert ehrlich aus: Er vergleicht Mazania mit Steven Spielbergs berühmt-berüchtigtem Atari-E.T.-Desaster – einem Spiel, das unter extremem Zeitdruck entstand. Davies hatte zwar länger als fünf Wochen, aber trotzdem zum ersten Mal einen echten Abgabetermin. Das merkt man dem Spiel an – und man muss ihm hoch anrechnen, dass er das offen sagt.

Was glänzt: das Ladebildschirm-Kunstwerk
Ein echter Lichtblick ist der Ladebildschirm, der von keinem Geringeren als Clive Townsend gestaltet wurde – dem Schöpfer von Saboteur! und einer der kreativsten Köpfe der frühen Spectrum-Ära. Das Bild ist schlicht wunderschön und allein schon einen kurzen Blick wert.
Technisches
Mazania: Mage Rage Part II läuft auf dem 48K-Spectrum und wurde mit dem AGDx Mini-Framework entwickelt. Kempston- und Sinclair-Joystick werden unterstützt, die Tasten sind nicht umdefinierbar. Das Spiel ist kostenlos auf itch.io erhältlich.
Fazit
Mazania ist ein liebevoll konzipiertes Spektrum-Liebhaberstück mit einer charmanten Hommage-Idee und einem fantastischen Ladebildschirm. Doch der Spielspaß leidet spürbar unter einem Schwierigkeitsgrad, der weniger fordert als frustriert: zu viele Gegner, zu viel Zufall, zu wenig Spielraum für Strategie. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen und die Referenzen zu entdecken, findet hier trotzdem einen besonderen Blick in die Spectrum-Geschichte. Allen anderen sei zumindest der Ladebildschirm empfohlen.


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