Regulus
Autor: Matěj Sláma und Jan Sláma
Jahr: ?/2022
Rechner: Sinclair ZX Spectrum
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Manchmal reicht ein einziger geposteter Longplay, um ein Stück Computergeschichte aus der Versenkung zu holen. Genau das ist mit Regulus passiert: einem düsteren Actionspiel für den ZX Spectrum aus dem Hause Proxima, das jahrzehntelang als verschollen galt – und im Sommer 2022 plötzlich wieder auftauchte. Höchste Zeit also, dass wir uns dieses Fundstück einmal genauer ansehen.
Ein Fund aus dem Osten
Proxima kennt ihr vielleicht als eines der umtriebigsten tschechischen Softwarehäuser aus Ústí nad Labem, aktiv vor allem gegen Ende der Achtziger und in die frühen Neunziger hinein. Aus genau dieser Ära stammt aller Wahrscheinlichkeit nach auch Regulus, programmiert von Matěj Sláma und Jan Sláma. Ein offizielles Veröffentlichungsdatum gibt es nicht – das Spiel war schlicht nie in den einschlägigen Archiven gelandet und tauchte erst durch das erneute Herumstöbern in der Community wieder auf. Ein klassischer MIA-Titel, der endlich das Licht der Welt erblickt.
Savage lässt grüßen
Wer die erste Sektion von Firebirds Savage im Kopf hat, wird sich in Regulus sofort heimisch fühlen. Ihr steuert einen muskelbepackten Krieger von links nach rechts durch eine finstere, feindselige Welt, prügelt und schießt euch durch Horden von Gegnern und trefft am Ende der Abschnitte auf große, bildschirmfüllende Bosse. Die Grundmechanik ist geradlinig: draufhalten, ausweichen, den richtigen Rhythmus finden. Aber Regulus denkt größer als sein offensichtliches Vorbild. Wo Savage seinen ersten Level in wenigen Minuten abhandelt, spannt Regulus ein deutlich weitläufigeres Netz.
Verzweigte Wege statt stumpfem Vorwärts
Der spannendste Unterschied steckt im Aufbau. Statt eines einzigen linearen Schlauchs bietet Regulus mehrere Routen – inklusive Sackgassen. Ihr müsst also nicht nur überleben, sondern auch den richtigen Weg finden. Das gibt dem Ganzen eine explorative Note, die man Action-Titeln dieser Machart selten zugesteht, und sorgt dafür, dass ein erster Durchlauf schnell an eine Wand läuft, wenn ihr blind drauflos rennt. Dazu kommen die erwähnten Bosskämpfe, die den Fortschritt in klare Etappen gliedern.

Lernkurve: Der Weg ist das Ziel
Genau diese Verzweigungen machen die Lernkurve aus. Der erste Anlauf ist Kartografie: austesten, wo es weitergeht und wo es in die Irre führt. Erst wenn ihr die Struktur verinnerlicht habt, wird aus dem Herantasten ein flüssiger Lauf. Anspruchsvoll ist das Ganze allemal – Regulus verzeiht wenig und belohnt Beharrlichkeit. Wer schnelle Erfolgserlebnisse sucht, ist hier falsch; wer das Auswendiglernen von Routen und Gegnermustern mag, findet reichlich Futter.
Technik: Hübsch, aber ruckelig
Grafisch macht Regulus für seine mutmaßliche Entstehungszeit eine gute Figur. Die Kulissen sind atmosphärisch, düster gehalten und erinnern angenehm an das ausgehende Achtziger-Jahrzehnt. Einen Haken gibt es aber, und den sollte man kennen: Regulus scrollt nicht sanft. Die Welt schiebt sich ruckartig weiter, was manchen die Freude trüben dürfte. Es ist eine Frage des Geschmacks – für die einen charmante Zeitkolorit-Optik, für die anderen ein Stolperstein. Technisch läuft der Titel auf dem 48K-Spectrum, die Textausgabe ist tschechisch, was dem Spielverständnis aber nicht im Weg steht.
Dass wir Regulus heute überhaupt spielen können, ist der Preservation-Szene zu verdanken. Neben der Kassettenfassung existieren eine TAP-Version, ein modifizierter Dump und sogar eine RZX-Aufzeichnung eines kompletten Durchlaufs. Wer sich vorab einen Eindruck verschaffen will, findet gleich zwei ausführliche Longplays sowie eine komplette Screenshot-Karte des Spiels.
Fazit
Regulus ist kein verkanntes Meisterwerk, das den Kanon umschreibt – aber genau darum geht es hier auch nicht. Es ist ein solides, atmosphärisches Actionspiel, das über Jahrzehnte verschollen war und nun wieder verfügbar ist. Der Savage-Einschlag ist unübersehbar, die verzweigte Level-Struktur setzt aber eine eigene, reizvolle Note obendrauf. Das ruckelnde Scrolling ist Geschmackssache. Für Freunde der tschechischen Spectrum-Szene und für alle, die ein Faible für wiederentdeckte Raritäten haben, ist Regulus ein lohnender Blick zurück. Und ein schönes Beispiel dafür, wie lebendig die Preservation-Community auch heute noch ist.

![Regulus [Sinclair ZX Spectrum]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/Regulus-Ladescreen.webp)
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