Sinclair ZX Spectrum

Gherbert Groundhog in Save the Date [Sinclair ZX Spectrum]

Gherbert Groundhog in Save the Date [Sinclair ZX Spectrum]

Gherbert Groundhog in Save the Date
Autor: Ric Lumb (PuttyCAD) & Jeff Murray (PsychicParrot)
Jahr: 2022
Rechner: Sinclair ZX Spectrum
Bezugsquelle

Konzept

Manchmal reicht schon eine einzige Deadline, um aus einem gemütlichen Nachmittag ein Wettrennen gegen die Uhr zu machen. Genau das erlebt ihr in “Gherbert Groundhog in Save the Date”: Das titelgebende Murmeltier hat seinen Bau liebevoll für ein wichtiges Rendezvous um 20 Uhr hergerichtet – nur um festzustellen, dass die Nachbarn ihm dabei kräftig unter die Arme gegriffen haben, allerdings nicht ganz freiwillig. 18 Gegenstände sind über die Spielwelt verstreut, gestohlen und liegengelassen, und es liegt an euch, sie alle rechtzeitig zurückzubringen. Das Team hinter dem Spiel, Ric Lumb (Grafik, bekannt als PuttyCAD) und Jeff Murray (Programmierung, bekannt als PsychicParrot), hat daraus einen charmanten, in sich stimmigen kleinen Plattformer gebaut, der 2022 zunächst digital erschien und später auch als physische Kassette bei Bitmap Soft herausgebracht wurde.

Gameplay-Mechaniken

Im Kern ist Gherbert ein klassisches Sammel-und-Bring-Spiel: Ihr steuert das Murmeltier durch die Spielwelt, hebt Objekte auf und tragt sie einzeln zurück in den Bau, bevor ihr euch dem nächsten widmen könnt. Das klingt simpel, wird aber durch zwei Gefahrenquellen ordentlich gewürzt. Zum einen patrouillieren feindliche Kreaturen durch die Screens, denen ihr geschickt ausweichen müsst. Zum anderen fallen euch immer wieder Eicheln von oben auf den Kopf – ein Element, das eure Aufmerksamkeit nicht nur horizontal, sondern auch nach oben lenkt und dafür sorgt, dass ihr nie ganz zur Ruhe kommt. Am oberen Bildschirmrand behaltet ihr jederzeit den Überblick: Rechts oben zeigt eine Anzeige eure verbleibenden Leben, direkt daneben die Zahl der bereits eingesammelten Objekte, und in der Mitte tickt unerbittlich die Uhr in Richtung 20 Uhr. Dieses ständige Mitrechnen – wie viele Leben noch, wie viel Zeit noch, wie viele Objekte fehlen noch – ist es, was aus dem an sich gemächlichen Sammelprinzip einen echten Nervenkitzel macht.

Gherbert Groundhog - Screen
Gherbert Groundhog – Screen
Level-Struktur

Die Spielwelt von Gherbert erstreckt sich über mehrere miteinander verbundene Screens mit unterschiedlich gestalteten Schauplätzen, die für ein Spectrum-Spiel angenehm abwechslungsreich wirken. Wer nun aber denkt, jeder Bildschirm werde nur einmal betreten, irrt: Da die 18 Objekte über die gesamte Karte verteilt sind und immer nur eines auf einmal zurückgetragen werden darf, führt kein Weg daran vorbei, dieselben Areale mehrfach zu durchqueren. Das erzeugt einen interessanten Rhythmus aus Erkunden und Wiederholen – ihr lernt die Position der Gegner und Fallen mit jedem Durchgang besser kennen und könnt eure Route zunehmend optimieren, was dem Pendel-Prinzip einen spürbaren Lerneffekt verleiht, statt es zur reinen Fleißarbeit verkommen zu lassen.

Lernkurve

Der Einstieg gelingt dank der klaren, aufgeräumten Anzeige und des simplen Grundprinzips – Gegenstand aufheben, zurücktragen, nächster Gegenstand – ausgesprochen leicht. Die eigentliche Herausforderung entsteht erst mit der Zeit: Je öfter ihr durch dieselben Screens müsst, desto mehr verlangt das Spiel euch ein präzises Timing beim Ausweichen der Kreaturen und beim Einschätzen der fallenden Eicheln ab. Hinzu kommt der wachsende Druck der Uhr, die unaufhaltsam Richtung 20 Uhr voranschreitet und aus anfänglich entspannten Erkundungstouren zunehmend zielgerichtete Sprints macht. Wer die Screens erst einmal verinnerlicht hat, wird mit einem befriedigenden Gefühl von Routine und Kontrolle belohnt – bis zur letzten Sekunde bleibt die Spannung aber erhalten, da jede verlorene Sekunde das Rendezvous in Gefahr bringt.

Gherbert Groundhog - Screen 2
Gherbert Groundhog – Screen 2
Technik (Tools/Tester/Steuerung)

Entwickelt wurde Gherbert Groundhog in Save the Date mit dem Multi-Platform Arcade Game Designer (MPAGD) von Jonathan Cauldwell, einem bei der Spectrum-Szene beliebten Werkzeug für genau solche Arcade-Plattformer. Die Steuerung erfolgt über frei belegbare Tasten – standardmäßig Q, A, O und P für die Bewegung sowie die Leertaste zum Springen –, wahlweise lässt sich das Spiel aber auch komfortabel per Joystick steuern. Mit H pausiert ihr jederzeit die Partie, praktisch, wenn die Eicheln mal wieder zu dicht fallen. Läuft rund auf jedem ZX Spectrum ab 48k sowie in allen gängigen Emulatoren, sodass dem Ausprobieren nichts im Wege steht.

Fazit

Gherbert Groundhog in Save the Date beweist einmal mehr, wie viel Charme sich aus einer simplen Idee herausholen lässt, wenn Konzept, Timing-Druck und Screen-Design sauber zusammenspielen. Das Sammeln und Zurücktragen der 18 Objekte wirkt nie langweilig, weil die Kombination aus Gegnern, fallenden Eicheln und tickender Uhr euch konstant fordert, ohne euch zu überfordern. Wer entspannte, aber pointierte Arcade-Kost auf dem Spectrum sucht, macht mit Gherbert garantiert nichts falsch – ein liebevoll gestaltetes kleines Rennen gegen die Zeit, das zeigt, dass ein Murmeltier durchaus für ein bisschen Herzklopfen sorgen kann.

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