Gorf
Autor: Dean Hickingbottom (Deanysoft)
Jahr: 2025
Genre: Shooter
Rechner: Sinclair
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Midnight Brew Collection 2025, Teil 4: Gorf
Ein Arcade-Klassiker mit Hang zum Großmaul
Gorf erschien im Februar 1981 in den Spielhallen – entwickelt von Dave Nutting Associates, veröffentlicht von Midway Manufacturing. Der Name ist ein Akronym: Galactic Orbiting Robot Force. Und rückwärts gelesen ergibt er „Frog”, den Spitznamen der Hauptentwicklerin Jamie Fenton. Das sagt eigentlich schon viel über den Geist des Spiels.
Gorf war historisch bedeutsam aus zwei Gründen. Erstens gilt es als eines der ersten Arcade-Spiele mit synthesierter Sprachausgabe überhaupt – ein Votrax SC-01-Chip ließ den gorfianischen Roboter den Spieler während des gesamten Spiels verhöhnen. „Your end draws near.” „You will meet a Gorfian doom!” Das war 1981 eine echte Ansage. Zweitens war Gorf das erste Arcade-Spiel mit mehreren Levels – fünf verschiedene Spielmodi auf einem Automaten, was ihm damals das Image eines Fünf-Spiele-Pakets im Einzelkauf verlieh.
Ursprünglich war Gorf als Tie-in zu Star Trek: Der Film geplant. Als die Entwickler das Drehbuch lasen, ließen sie die Idee fallen. Das Raumschiff des Spielers trägt trotzdem eine gewisse Ähnlichkeit mit der Enterprise – von oben betrachtet.

Gameplay-Mechaniken – Fünf Missionen
Gorf ist kein Spiel mit einem Level-Konzept, sondern mit fünf eigenständigen Spielmodi, die nacheinander absolviert werden:
Astro Battles ist der Space-Invaders-Abklatsch – und gibt das offen zu. Alien-Formationen rücken heran, ihr schießt von unten. Der Twist: Ein Kraftfeld über eurem Schiff absorbiert feindliche Schüsse, bis es zerstört ist.
Laser Attack verlagert die Action ins All. Feindliche Formationen tauchen in verschiedenen Mustern auf, darunter Schiffe, die anhaltende Laserstrahlen abfeuern. Ausweichen ist keine Option – Timing ist alles.
Galaxians ist genau das, wonach es klingt: ein direkter Galaxian-Klon. Im Arcade-Original war dieser Level offiziell von Namco lizenziert – weshalb sämtliche Heimumsetzungen ihn wegließen. Die Spectrum-Version von Deanysoft hat ihn drin. Das ist keine Kleinigkeit.
Space Warp wechselt die Perspektive. Ihr taucht in ein schwarzes Loch ein, Gegner strömen aus dem Bildschirmzentrum auf euch zu und versuchen, euer Schiff zu rammen. Kein Formationsschießen mehr – reine Reaktion.
Flag Ship ist das Finale. Ein massives Flaggschiff mit Kraftfeld und verwundbarem Kern wartet auf euch. Inspiriert von Phoenix: Erst das Schutzschild durchbrechen, dann den Kern treffen. Erledigt ihr es, beginnt alles von vorn – schneller.
Level-Struktur
Das Spiel hat keinen klassischen Abschluss. Nach dem fünften Level startet ihr wieder bei Level eins, jetzt mit erhöhtem Tempo. Wer alle fünf Missionen absolviert, steigt im Rang auf – das Ranking-System umfasst bis zu zehn Stufen. Das gibt dem Highscore-Jagen eine zusätzliche Dimension.

Lernkurve
Die ersten beiden Level sind beherrschbar. Space Warp ist der erste echte Schockmoment. Flag Ship das nächste. Wer denkt, Gorf sei ein entspannter Shooter, wird spätestens ab Level drei eines Besseren belehrt.
Technik
Dean Hickingbottom, bekannt als Deanysoft, ist kein Newcomer. In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern war er bei Clockwize Software tätig und arbeitete an kommerzielle Spectrum-Titeln wie Gilbert: Escape from Drill oder Punch & Judy. In der modernen Homebrew-Szene ist er unter anderem für Jeff & The Blue Notes bekannt – und für eine Frogger-Umsetzung aus dem Jahr 2009, die zeigt, dass Arcade-Konversionen sein bevorzugtes Terrain sind.
Die Spectrum-Version läuft ausschließlich auf 128K-Maschinen und nutzt AY-Sound vollständig. Die Steuerung ist frei konfigurierbar, Kempston und Interface 2 werden unterstützt. Die Community-Reaktion bei der Veröffentlichung war eindeutig: Spielgefühl nahezu makellos, Farbgebung überraschend konfliktarm für Spectrum-Verhältnisse, Sounddesign herausragend.
Fazit
Gorf ist der Shooter der Midnight Brew Collection 2025 – und setzt die Messlatte hoch. Dean Hickingbottom hat das Original nicht nur übertragen, sondern ihm auf dem Spectrum einen eigenen Auftritt verschafft: AY-Sound, alle fünf Missionen inklusive des sonst lizenzierten Galaxians-Levels, und eine Spielbarkeit, die an der ursprünglichen Arcade-Vorlage gemessen werden kann. Der gorfianische Roboter hätte es kaum besser formulieren können.



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