Centronics Interface von Profisoft (DORSCH IF-01) für den Sinclair ZX Spectrum
Warum überhaupt ein Druckerinterface?
Der ZX Spectrum ist ein typischer Heimcomputer seiner Zeit: günstig, flexibel – aber ohne echte Standard-Druckerschnittstelle. Wer Programme, Listings oder Texte nicht nur am Bildschirm sehen wollte, brauchte eine Lösung, um einen „richtigen“ Drucker anzuschließen. Genau dafür waren Centronics-Interfaces da: Sie bringen dem Spectrum eine parallele Druckerschnittstelle bei und machen ihn – zumindest ein Stück weit – „bürotauglicher“.
Centronics kurz erklärt
„Centronics“ steht im Retro-Kontext fast immer für die klassische Parallel-Druckerschnittstelle: 8 Datenleitungen plus Steuer- und Statussignale (z. B. STROBE, BUSY, ACK). Das war bei Nadeldruckern extrem verbreitet – und deshalb für Heimcomputer-Zubehör der 80er die naheliegende Wahl.
Profisoft, DORSCH und die Platine IF-01
Bei meinem Exemplar ist es besonders spannend: Auf der Platine steht deutlich „DORSCH“ und „IF-01“. Das spricht stark dafür, dass Profisoft hier als deutscher Anbieter/Vertrieb auftritt – die eigentliche Hardware-Entwicklung aber aus einer „Dorsch“-Linie stammt. Solche Konstellationen waren damals völlig normal: Kleinserien-Entwickler, dazu ein Vertrieb, der das Ganze unter eigenem Namen in den Markt bringt.
Aufbau: kompakt am Spectrum, Centronics-Buchse am Kabel
Das Interface selbst steckt als kompaktes Modul direkt am Erweiterungsport des Spectrum. Die große Druckerbuchse sitzt nicht am Gehäuse, sondern am Ende eines Flachbandkabels – bei meinem Exemplar als echte Centronics-36 Buchse. Das ist eine typische 80er-Lösung: Das Interface bleibt klein, die „schwere“ Buchse wird ausgelagert.
Ein Durchschleifport ist an meinem Gehäuse nicht zu erkennen. Das heißt in der Praxis: Das Interface belegt den Erweiterungsbus vollständig. Wer gleichzeitig weitere Hardware am Expansionsport betreiben will, braucht einen passenden Expander oder muss umstecken.

Hardware-Details von der Platine
Die Bestückung ist ein schönes Beispiel für klassische TTL-Logik, wie man sie bei Druckerinterfaces oft sieht:
- 2732 EPROM (NEC D2732D): Hier steckt die Firmware. Das Interface arbeitet damit ohne nachzuladende Treiber.
- 2× 74LS138: Adress-/Portdekodierung. Damit „weiß“ das Interface, wann der Spectrum gerade auf „seinen“ Port zugreift.
- 74LS273: 8-Bit Datenlatch. Die Druckdaten werden stabil zwischengespeichert und sauber an den Drucker ausgegeben.
- 74LS125 und weitere Logik (u. a. Gatter): Pufferung und Handshake/Taktung (STROBE, BUSY/ACK usw.).

Auf der Rückseite fällt außerdem eine nachträgliche Modifikation ins Auge: Drahtbrücke, Widerstand und Diode. Das sieht ganz nach einer kleinen Revision/Fehlerkorrektur aus – typisch für kleine Serien, um ein Signal zu entkoppeln oder das Timing im Handshake zu verbessern.
Wichtiges Verhalten: „Warten auf den Drucker“
Ein Punkt, der in der Praxis sofort auffallen kann: Wenn kein Drucker angeschlossen ist (oder der Drucker nicht „ready“ ist), dann blockiert der Spectrum bei LPRINT/LLIST/COPY. Das Interface wartet dann auf „Printer Ready“. Das ist kein Defekt, sondern Centronics-Logik in Reinform – nur eben ungewohnt, wenn man es nicht kennt.
Inbetriebnahme in der Praxis
Der Ablauf ist klassisch und sollte auch genau so gemacht werden:
- Spectrum und Drucker ausschalten.
- Interface am Expansionsport anstecken.
- Druckerkabel verbinden.
- Erst dann einschalten.
Nach dem Einschalten empfiehlt sich ein kurzer „Wagenrücklauf“ zur Initialisierung, z. B.:
- LPRINT CHR$(13)
Damit setzt das Interface in der Regel Textmodus und arbeitet mit 80 Zeichen Breite – so wie es für viele Nadeldrucker üblich ist.

Interface-Kommandos und nützliche Tricks
Das Interface bringt nicht nur „irgendwie drucken“, sondern ein paar praktische Funktionen mit, die man direkt in BASIC nutzen kann.
Hardcopy (Bildschirmausdruck)
- RAND USR 15000
Die Hardcopy wird laut Anleitung um 90° gedreht und als „vierfache Größe“ ausgegeben. Das klingt nach einem echten 80er-Feature: nicht perfekt, aber beeindruckend, wenn es funktioniert.
Invertieren
- POKE 23300,255
Damit werden nachfolgende Ausgaben invertiert (praktisch für Effekte oder besondere Ausdrucke).
Zeichen pro Zeile einstellen
- POKE 23679,n
Standard sind 80 Zeichen. Mit kleineren Werten kann man sich z. B. an schmalere Ausdrucke anpassen.
Sinclair-Tokens als ASCII drucken
- LPRINT CHR$ 5
Das ist gerade für Listings hilfreich, weil der Spectrum intern mit Tokens arbeitet. Mit dieser Einstellung wird alles als ASCII ausgegeben.
Carriage Return/Line Feed Verhalten
Viele Drucker erwarten CR+LF, manche kommen mit LF allein klar – hier kann man nachhelfen:
- LPRINT CHR$ 3 → zu jedem LF zusätzlich CR
- LPRINT CHR$ 2 → nur CR
Druckermodi / Grafikkompatibilität wählen
Das Interface kennt mehrere Drucker-/Grafikmodi (u. a. Seikosha sowie Epson/Star-kompatible Typen). Die Auswahl läuft über:
- LPRINT CHR$ 0;CHR$ n
Wenn Sonderzeichen, Grafik oder Zeilenumbrüche „komisch“ aussehen, ist genau das der erste Hebel, an dem ich drehen würde.
Einsprungadressen für eigene Software
Für alle, die gern näher an die Technik gehen: Die Anleitung nennt sogar direkte Einsprungadressen der ROM-Routinen (z. B. eine Ausgaberoutine, die den Inhalt von Register A an den Drucker ausgibt, sowie eine Copyroutine). Das ist ein schöner Hinweis darauf, dass das Interface als „richtiges ROM-Interface“ gedacht ist – nicht nur als dummer Portadapter.
Kompatibilität: Interface 1 / Microdrives und Bus-Konflikte
Ein richtig interessanter Punkt: In der Anleitung wird erwähnt, dass es im Zusammenspiel mit dem ZX Interface 1 zu Beeinflussungen kommen kann und dafür eine Änderung am Interface 1 vorgeschlagen wird (inklusive Angebot, das gegen Gebühr durchführen zu lassen). Das passt perfekt zu dem, was man beim Spectrum-Zubehör immer wieder erlebt: Der Erweiterungsbus ist mächtig, aber nicht immer konfliktfrei – und die Hersteller haben das damals sehr pragmatisch gelöst.

Anschluss an meinen Centronics GLP (Model 3101)
Der GLP ist ein tolles Match für dieses Interface, weil er hinten eine echte Centronics-Parallelbuchse hat.
Auf der Rückseite des GLP (Model 3101) sieht man zwei Anschlüsse:
- die blaue Centronics-36 (Parallel) – die ist die richtige für das Profisoft/DORSCH-Interface
- eine 25-polige D-Sub – das ist typischerweise seriell und hier nicht relevant
Wichtig ist nur das passende Kabel:
Mein Interface endet in einer Centronics-36 Buchse (female). Der GLP hat Centronics-36 mit Pins (male). Damit braucht man ein Centronics-Verlängerungskabel bzw. eine Kombination, die am Ende „male → female“ ergibt, damit Interface und Drucker sauber zusammenfinden.
Und nochmal der Praxis-Hinweis: Wenn der GLP nicht „online/ready“ ist (Papier, Hebel, Fehlerzustand), kann der Spectrum beim Drucken blockieren – weil das Interface auf das Ready-Signal wartet.

Epson LX-90 – passt das?
Der Epson LX-90 ist genau die Sorte Drucker, für die solche Interfaces gemacht wurden: Epson/Epson-kompatibel mit Centronics-Parallel. Damit sind die Chancen sehr gut, dass das Interface damit problemlos läuft – insbesondere im Epson-kompatiblen Modus.

Fazit
Das Profisoft Centronics Interface (mit der gut sichtbaren DORSCH/IF-01-Platine) ist ein wunderbar typisches Stück Spectrum-Zubehör: kompakt, TTL-lastig, ROM-basiert und auf den praktischen Nutzen gebaut. Mit den zusätzlichen Steuerbefehlen, den wählbaren Druckermodi und sogar Hardcopy-Funktionen ist es deutlich mehr als nur „ein Stecker zum Drucker“.
Und gerade im Zusammenspiel mit einem passenden Nadeldrucker – wie meinem Centronics GLP 3101 oder einem Epson LX-90 – wird aus dem Spectrum plötzlich wieder ein kleiner Arbeitsplatzrechner, wie man ihn in den 80ern tatsächlich genutzt hat.


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