Interface 2 für den ZX Spectrum: Cartridges, Joysticks und moderne Nachfolger
Warum ich dem Interface 2 endlich einen eigenen Artikel widme
Das Sinclair Interface 2 liegt bei mir schon seit vielen Jahren in der Sammlung – und trotzdem steckt es nur selten am Spectrum. Eigentlich schade, denn es ist ein spannendes Stück Zubehör: Sinclair wollte den ZX Spectrum damit ein Stück weit in Richtung „Konsole“ schieben. Zwei Joystick-Ports direkt am Rechner und ROM-Cartridges, die ohne Ladezeit sofort starten – das fühlt sich am Spectrum ungewohnt direkt an und macht gerade beim Vorführen richtig Spaß.
In diesem Beitrag stelle ich das Interface 2 so vor, wie ich es selbst nutze – zusammen mit passendem Zubehör aus meiner Sammlung: dem Spiel Pssst als ROM-Cartridge und einem klassischen Joystick wie dem Quickshot 2 oder dem Competition Pro. Den Sinclair SJS1 habe ich zwar ebenfalls in der Sammlung, der spielt bei meinem Interface-2-Setup aber keine Rolle (warum, dazu gleich mehr).
Was ist das Interface 2 überhaupt?
Das Interface 2 wird hinten an den Erweiterungsport des ZX Spectrum gesteckt und bringt im Kern zwei Funktionen mit:
- Zwei Joystick-Anschlüsse (DB9), für Spieler 1 und Spieler 2
- Einen Steckplatz für ROM-Cartridges (typisch 16 KB)
Der Cartridge-Slot ist für mich das Highlight. Während Tape-Laden oft Minuten dauert und immer ein kleines Restrisiko bleibt, startet ein ROM-Modul sofort nach dem Einschalten. Cartridge rein, Spectrum an, Spiel läuft.
Der durchgeschliffene Anschluss: eigentlich für den ZX Printer gedacht
Das Interface 2 besitzt zwar einen durchgeschliffenen Anschluss, der ist aber nicht als vollwertiger Erweiterungsport gedacht. Sinclair hatte ihn in erster Linie für den ZX Printer vorgesehen. Wer weitere Interfaces oder Speichererweiterungen dahinter betreiben will, muss damit rechnen, dass das so nicht zuverlässig funktioniert oder in bestimmten Kombinationen schlicht nicht klappt. Für mich ist das Interface 2 deshalb ganz klar „eine Sache für sich“: anstecken, nutzen, wieder abstecken.

Ein Blick auf die Platine
Auf meinem Foto der Oberseite erkennt man den typischen Sinclair-Ansatz: schlank, zweckmäßig, wenig Bauteile.
- Links sitzt der Kantenstecker zum Expansion-Port des Spectrum.
- Zentral sieht man den langen Cartridge-Connector, in den das ROM-Modul eingesteckt wird.
- Rechts unten sitzen die beiden DB9-Buchsen für die Joysticks.
- Rechts oben fällt der ULA-Baustein auf (bei meinem Exemplar ein Ferranti ULA 1050E), der einen großen Teil der Logik für Cartridge-Handling und Joystick-Anbindung übernimmt.
Man merkt: Das Interface 2 ist kein „Alleskönner“, sondern ein klar fokussiertes Zubehör für genau zwei Dinge: Cartridge und Joystick.
Joystick am Interface 2: Stecker passt – aber das Spiel muss mitspielen
Zu den Joystickanschlüssen liest man oft, sie entsprächen dem Atari/Commodore-Standard. Für das Interface 2 als externes Zubehör ist der Punkt in der Praxis auch wichtig: Die DB9-Buchsen sind grundsätzlich für klassische digitale 1-Button-Joysticks gedacht – Quickshot 2, Competition Pro & Co. passen also in der Regel problemlos.
Wichtiger ist aber die Software-Seite: Das Interface 2 ist nicht „Kempston“. Es setzt die Joystickbewegungen im Prinzip auf Tastendrücke (die bekannte „Sinclair/Interface-2“-Belegung). Deshalb gilt:
- Ein Joystick kann elektrisch perfekt passen …
- … und trotzdem reagiert ein Spiel nicht, wenn es nur Kempston unterstützt oder keine Sinclair/Interface-2-Steuerung anbietet.
Wenn ein Spiel im Menü „Sinclair 1 / Sinclair 2“ oder „Interface 2“ anbietet, ist man meist auf der sicheren Seite. Bei reinen Kempston-Spielen kann es dagegen sein, dass am Interface 2 gar nichts passiert – egal welchen Joystick man einsteckt.
Kurzer Hinweis zum Sinclair SJS1 (Sinclair Joystick System)
Weil das im Netz ständig durcheinandergeht, hier einmal sauber getrennt: SJS steht für Sinclair Joystick System und bezieht sich auf die Joystickports der Amstrad-Spectrum-Modelle +2 / +2A / +3. Diese Buchsen sehen zwar ebenfalls nach „Atari-Standard“ aus (DB9), sind aber anders verdrahtet. Den SJS1 sollte man deshalb nicht einfach am Interface 2 verwenden – dafür braucht es einen passenden Adapter oder eine Modifikation. Für mein Interface-2-Setup nutze ich daher lieber klassische Atari-Style-Joysticks wie Quickshot 2 oder Competition Pro.

Pssst als ROM-Cartridge: perfektes Beispiel für „einschalten und spielen“
Passend zum Interface 2 habe ich das Spiel Pssst als ROM-Cartridge in meiner Sammlung – und genau solche Module sind für mich die beste Begründung, warum das Interface 2 heute noch Spaß macht.
Worum geht’s?
Man spielt Robbie the Robot und muss eine Pflanze vor Schädlingen schützen, bis sie zur Blüte kommt. Der Clou ist das Spray-System: Es gibt unterschiedliche Sprays, und nicht jedes wirkt gegen jeden Angreifer. Dadurch ist Pssst nicht nur ein Reaktionsspiel, sondern wird schnell angenehm taktisch:
- Welches Spray habe ich gerade aktiv?
- Wann lohnt sich ein schneller Wechsel?
- Spiele ich auf Sicherheit oder auf Tempo und Punkte?
Als Cartridge ist Pssst zudem die ideale Demo: keine Ladezeit, keine Fehlerquelle – einfach Spectrum an und los.


Wichtig: Cartridges nur im ausgeschalteten Zustand wechseln
ROM-Cartridges werden grundsätzlich nur im ausgeschalteten Zustand gewechselt. Im laufenden Betrieb sollte man sie weder ziehen noch einstecken, weil dabei die ROM-Umschaltung aktiv ist – das endet im besten Fall mit einem Absturz und ist im ungünstigen Fall einfach unnötiger Stress für die Hardware. Und ja: Es gab damals auch keinen „Sicherheitsmechanismus“, der das verhindern würde – man muss selbst dran denken.
Gab es damals kompatible Alternativen zum Interface 2?
Ja, das Cartridge-Thema taucht auch bei Drittanbietern auf – allerdings insgesamt eher selten, weil sich das Cartridge-Format am Spectrum nie wirklich breit durchgesetzt hat.
RAM Turbo
Der RAM Turbo ist ein bekanntes Beispiel, das ebenfalls einen Cartridge-Port bietet und zusätzlich Speicher-/Erweiterungsfunktionen kombinieren kann. Je nach Setup war das damals für manche Nutzer attraktiver als Sinclairs reines „Joystick + Cartridge“-Konzept.

Kempston Pro Joystick Interface
Auch Kempston hatte ein Interface im Programm, das neben mehreren Joystick-Modi einen Cartridge-Port für ROM-Spiele besitzt. Das zeigt schön, dass „Cartridge am Spectrum“ nicht nur bei Sinclair eine Idee war – nur eben eine, die insgesamt ein Nischendasein geführt hat.
Moderne Ergänzung: ZXC3 und ZXC4 als heutige Cartridge-Lösung
Richtig spannend wird das Interface 2 heute durch moderne Module, die das Cartridge-Prinzip wiederbeleben. Statt nur seltene Original-Cartridges zu sammeln, kann man kompatible Flash-Module nutzen und sich so ein „Cartridge-Setup“ nach eigenen Vorstellungen aufbauen.
ZXC3
Das ZXC3 ist ein Interface-2-kompatibles Cartridge mit Flash-Speicher und eine moderne Interpretation des Sinclair-Cartridge-Gedankens. Ich habe dazu bereits einen ausführlichen Beitrag veröffentlicht:
https://www.jungsi.de/retro-sinclair-zx-spectrum-zxc3-teil-1/

ZXC4
Das ZXC4 geht in eine ähnliche Richtung, bietet je nach Variante noch mehr Möglichkeiten und ist besonders interessant, wenn man das Cartridge-Prinzip flexibler nutzen möchte. Auch dazu gibt es einen Artikel bei mir:
https://www.jungsi.de/zxc4-retro-sinclair-zx-spectrum/

Für mich machen diese Module das Interface 2 wieder richtig attraktiv – nicht als Ersatz für SD-Lösungen, sondern als eigener Modus, den Spectrum zu verwenden: schnell, direkt und „konsolig“.
So setze ich das Interface 2 heute ein
Wenn ich das Interface 2 anschließe, dann vor allem in diesen Situationen:
- Vorführung und „mal schnell eine Runde“: Cartridge rein, Spectrum an, sofort spielen.
- Test- und Vergleichszwecke: Ein ROM-Cartridge ist praktisch, um schnell zu sehen, ob ein Spectrum grundsätzlich sauber startet.
- Joystick-Session mit passenden Spielen: wenn ein Spiel die Sinclair/Interface-2-Belegung unterstützt oder freie Tastenbelegung erlaubt.
Für den Dauerbetrieb ist es bei mir nicht gedacht – dafür nutze ich andere Lösungen. Aber als Zubehör, das eine ganz eigene Idee vom Spectrum zeigt, ist das Interface 2 für mich ein echtes Sammlungs-Highlight.

Fazit
Das Interface 2 ist ein Stück Spectrum-Geschichte, das man leicht unterschätzt: technisch simpel, vom Konzept her charmant und mit dem Cartridge-Slot eine Funktion, die am Spectrum immer etwas exotisch geblieben ist. Mit Pssst als ROM-Cartridge fühlt sich das Setup fast wie eine kleine Sinclair-Konsole an – besonders, wenn man dazu einen Quickshot 2 oder Competition Pro nutzt und sofort losspielen kann.
Man muss aber auch ehrlich auf die damaligen Rahmenbedingungen schauen, denn die erklären ziemlich gut, warum sich das Ganze nicht breit durchgesetzt hat. Das ZX Interface 2 kostete zur Einführung rund £19.95, die ROM-Cartridges lagen anfangs bei etwa £14.95 pro Titel (später wurden viele Module günstiger). Zum Vergleich: Pssst als Kassettenspiel kostete damals etwa £5.50. Heißt überspitzt: Für den „Komfort“ des Sofortstarts zahlte man schnell das Zwei- bis Dreifache – und das in einer Zeit, in der Kassetten das Massenmedium waren.
Dazu kommt ein technischer Punkt, den ich immer wieder betonen muss: Es gab keinerlei Sicherheitsmechanismus, der das Ein- oder Ausstecken der Cartridges bei eingeschaltetem Spectrum verhindert hätte. Das ist reine Disziplin: Wechsel nur im ausgeschalteten Zustand, sonst drohen Abstürze – und im ungünstigen Fall unnötiger Stress für die Hardware.
Und dann der Blick auf die Sinclair-eigene Produktpalette: Das ZX Interface 1 lag mit ca. £49.95 deutlich höher im Preis, bot dafür aber auch massiv mehr Möglichkeiten (Microdrives, Schnittstellen/Erweiterbarkeit, insgesamt „mehr System“). Gerade im Kontrast wirkt das Interface 2 ein bisschen wie ein teures Spezialzubehör für eine einzelne Idee. Umso schade finde ich, dass Sinclair die praktischen Dinge des Interface 2 – Joystickports und Cartridge-Konzept – nicht elegant in das Interface 1 integriert hat. Dann hätte man vielleicht ein echtes „Alles-in-einem“-Sinclair-Interface bekommen, das nicht nur historisch spannend, sondern auch im Alltag deutlich attraktiver gewesen wäre.

![Interface 2 [Sinclair ZX Spectrum]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/Interface-2.jpg)
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