Sinclair ZX Spectrum

Cartridge for IF2 [Sinclair ZX Spectrum]

Cartridge for IF2 [Sinclair ZX Spectrum]

Cartridge for IF2 / Interface II (Antonio Villena, März 2015) – eine MultiROM-Cartridge für das Sinclair Interface 2

Wenn man sich länger mit dem ZX Spectrum beschäftigt, landet man früher oder später beim Interface 2: ROM-Cartridges, schnelle “Plug & Play”-Spiele und die Idee, Software ohne Kassettenlaufwerk zu starten. In meiner Sammlung steckt ein sehr modernes Stück Szene-Hardware, das genau diesen Ansatz aufgreift – nur eben deutlich konsequenter: Eine MultiROM-Cartridge mit großem Flash-Baustein und Drehschalter, dazu ein extrem kompaktes Interface-2-Clone-Board als Adapter.

Auf der Platine steht „Cartridge for IF2 AntonioVillena mar2015“, und der dazugehörige Adapter trägt „Interface II mar2015“. Beides ist also eine Revision aus März 2015.

Hardware im Detail

Die Cartridge

Die Cartridge ist als kleine Steckkarte ausgeführt und passt in den Cartridge-Port eines Interface 2 (bzw. hier in den Cartridge-Slot des mitgelieferten Interface-2-Clones). Bestückt ist sie mit:

SST 28SF040A im PLCC32-Sockel
Das ist ein 4 Mbit Flash/EEPROM-Baustein, also 512 KB Speicherkapazität. Damit lassen sich sehr viele 16-KB-ROM-Bänke unterbringen – perfekt für ein MultiROM-Konzept.

Drehschalter 0–9 und A–F
Das ist ein 16-Positionen-Schalter (hexadezimal 0–F). Damit wird eine von 16 Slot-Positionen ausgewählt.

Jumper auf der Cartridge
Der Flash-Inhalt ist in zwei Slot-Gruppen organisiert. Mit dem Jumper auf der Cartridge wird zwischen diesen beiden Sets umgeschaltet. In meinem Fall gilt: Jumper offen = Set A, Jumper geschlossen = Set B.

Cartridge for IF2
Cartridge for IF2

Der Adapter „Interface II mar2015“

Der Adapter ist ein sehr kompakter Interface-2-Clone ohne Joystick-Buchsen. Er macht im Kern genau das, was man für ROM-Cartridges benötigt:

Edge-Connector zum Spectrum
Cartridge-Slot als Steckverbinder oben
zwei Taster (S3/S4)
ein Jumper auf dem Adapter selbst

Wichtig: Der Jumper auf dem Adapter dient nach meiner Beobachtung nicht zur Bankumschaltung der Cartridge. Er ist sehr wahrscheinlich für einen Kompatibilitäts-/Betriebsmodus gedacht. Das passt auch zu aktuellen Nachbauten, bei denen per Jumper zwischen 48K-Spectrum und +2A/+2B/+3 umgeschaltet wird.

Interface II
Interface II

Auslesen des Flash-Inhalts

Zum Dokumentieren wollte ich wissen, was auf dem Flash-Baustein tatsächlich gespeichert ist. Den SST 28SF040A habe ich daher mit einem Programmer ausgelesen:

EPROM/Flash-Programmer: MiniPro TL866CS
Software: MiniPro V6.85

Der Dump hat exakt 524.288 Bytes (512 KB) – also genau das, was man für einen 28SF040A erwartet. Inhaltlich lässt sich der Speicher sehr sauber als 32 Bänke à 16 KB interpretieren. Damit ist auch klar, warum es überhaupt eine Umschaltmöglichkeit geben muss: Der Drehschalter hat 16 Positionen, aber der Flash enthält Platz für 32 Bänke.

MiniPro
MiniPro

Praxis-Test am 48K-Spectrum

Testaufbau

Getestet habe ich am 48K ZX Spectrum mit dem Adapter „Interface II mar2015“ und der Cartridge. Der Ablauf ist klassisch:

Adapter auf den Edge-Connector des Spectrum stecken
Cartridge in den Cartridge-Slot stecken
Slot am Drehschalter (0–F) auswählen
Spectrum einschalten und beobachten, ob ein Spiel/Tool startet oder ob BASIC erscheint

Slot-Gruppen: Drehschalter + Cartridge-Jumper

Der Drehschalter bietet 16 Slots (0–F). Der Flash bietet 32 Bänke (32 × 16 KB). In der Praxis bedeutet das:

Drehschalter: wählt Slot 0–F
Cartridge-Jumper: schaltet zwischen zwei Slot-Gruppen (Set A und Set B) um

In meinem Fall gilt:

Cartridge-Jumper offen = Set A
Cartridge-Jumper geschlossen = Set B

Cartridge for IF2 - Cartridge - Unterseite
Cartridge for IF2 – Cartridge – Unterseite

Belegung der Slots

Set A (Cartridge-Jumper offen)

0 – Planetoids
1 – Jetpac
2 – Pssst
3 – Backgammon
4 – 48K-ROM (spanisch) – Anzeige u. a. „Sistema preparado…“
5 – Muster/Absturz – nur Grafikstreifen, keine Funktion
6 – 48K-ROM (engl.) – „Press PLAY or SPACE to break“
7 – Sinclair-Start/BASIC (ROM)
8 – Masterchess
9 – Gyruss
A – Cookie (1983)
B – 48K-ROM – „(C) 1982 Sinclair Research Ltd.“
C – ROM/Fragment – Text „(C) 1981 Nine Tiles Networks Ltd“
D – The Sinclair ZX Spectrum System Test ROM Cartridge
E – gepatchtes 48K-ROM – „(C) 2012 CgLeches Research Ltd“
F – wie 6 (gleiches 48K-ROM / gleiche Anzeige)

Bemerkung zu Slot 5: Hier erscheint nur ein Streifen-/Zebra-Muster ohne funktionierendes Programm. Das sieht stark nach „ROM-Inhalt wird eingeblendet, aber der Code ist nicht lauffähig“ aus – möglich wäre ein ROM-Fragment, eine Bank mit Daten statt Programm oder schlicht ein nicht startbares Image.

Set B (Cartridge-Jumper geschlossen)

0 – Hieroglyphen/Artefakte
1 – Lala – The Magical
2 – Deathchase
3 – Unbekannt
4 – Popeye
5 – Loco Motion
6 – Shadow Of The Unicorn
7 – Unbekannt
8 – Manic Miner
9 – Jet Set Willy
A – Star Wars
B – Q*Bert (Startmenü zeigt nur „Game ?“, Gameplay ist eindeutig)
C – Montezuma’s Revenge
D – Hungry Horace
E – Trans Am
F – Horace & The Spider

Bei zwei Slots (3 und 7) fehlt mir noch die eindeutige Identifikation. Alles andere ließ sich klar erkennen.

Interface II - Unterseite
Interface II – Unterseite

Die beiden Taster (S3/S4)

Auf dem Adapter sitzen zwei Taster. Im Rahmen dieses Artikels habe ich sie noch nicht komplett durchgetestet (Reset/NMI/Freeze-Funktion o. ä.). Das ist ein Punkt, den ich als Nachtrag sauber dokumentiere, sobald ich die Funktion eindeutig reproduzierbar zuordnen kann.

Kann man die Slots ändern?

Ja – und das ist einer der spannendsten Punkte an dieser Cartridge. Da hier kein klassisches Mask-ROM sitzt, sondern ein Flash-Baustein, ist das MultiROM prinzipiell frei programmierbar.

Grundprinzip

Der SST 28SF040A hat 512 KB.
Praktisch organisiert ist das als 32 Bänke à 16 KB.
Der Drehschalter wählt 16 Positionen (0–F).
Der Cartridge-Jumper schaltet zwischen Set A und Set B.

Wenn man die Slots ändern möchte, arbeitet man am PC mit dem Dump:

Entweder als komplettes 512-KB-Image
Oder man teilt das Image in 32 Dateien à 16 KB auf, tauscht einzelne Bänke und baut wieder ein 512-KB-Image zusammen

Was man beachten muss

16 KB sind Pflicht
Das Interface-2-Cartridge-Fenster ist in der Praxis auf 16 KB ausgelegt. Jede Bank sollte daher ein sauberes 16-KB-ROM sein.

Nicht jede Spiel-Datei ist ein ROM
TAP/TZX-Kassettenimages lassen sich nicht einfach „hineinkopieren“. Man braucht echte ROM-Versionen/Cartridge-Umsetzungen oder passend gepatchte ROM-Images.

Verify nach dem Schreiben
Beim Zurückflashen lohnt sich immer „Verify“ im Programmer. Und natürlich: Das Original-Image als Backup aufbewahren.

Wie ich es ausgelesen habe (kurz für die Doku)

Programmer: MiniPro TL866CS
Software: MiniPro V6.85
Baustein: SST 28SF040A (PLCC32)
Dump: 512 KB (524.288 Bytes)

Aktuelle Nachbauten und Bezugsquellen

Wer so ein Setup nicht gebraucht suchen möchte: Es gibt aktuell nach wie vor neu produzierte Varianten des Interface-2-Adapters und auch passende ROM-Cartridges im Handel.

Bei MyRetroStore wird ein ZX Interface 2 Clone angeboten. Dort wird per Jumper zwischen „48“ (für den 48K Spectrum) und „2/3“ (für +2A/+2B/+3) umgeschaltet – genau das stützt die Annahme, dass der Jumper am Adapter in erster Linie der Kompatibilität dient.

Ebenfalls verfügbar ist dort eine ZX Interface 2 ROM Cartridge. Diese nutzt einen 4-Mbit-Flash (z. B. AM29F040, ebenfalls 512 KB), bietet ein spanisches Auswahlmenü zur Spielauswahl und lässt sich mit einem passenden Programmer neu beschreiben. Auch hier gilt: Nicht jedes Spiel ist als IF2-Cartridge-ROM geeignet, daher muss man beim Zusammenstellen eigener Inhalte etwas sorgfältig sein.

Fazit

Das Set aus „Interface II mar2015“ und „Cartridge for IF2 mar2015“ ist eine extrem praktische und zugleich sehr sammelwürdige Lösung: Ein kleines Interface-2-Clone-Board plus MultiROM-Cartridge mit 16 Slot-Positionen, die per Jumper zwischen zwei kompletten Sets umschalten. Gerade die Mischung aus bekannten Klassikern (Jetpac, Pssst, Manic Miner, Jet Set Willy) und den ungewöhnlicheren Einträgen macht das Ganze spannend – und durch den Flash-Baustein ist sogar ein eigenes Zusammenstellen der Slots grundsätzlich möglich.

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