Sinclair ZX Spectrum

GhoSte’s Grunge [Sinclair ZX Spectrum]

GhoSte’s Grunge [Sinclair ZX Spectrum]

GhoSte’s Grunge
Autor: Buck
Jahr: 2022
System: Sinclair ZX Spectrum 48K/128K
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GhoSte’s Grunge – Musik sammeln im Jenseits

Ein kleines Gespenst, eine verlorene Plattensammlung und 14 Screens voller Gefahren. Was sich nach dem Plot eines skurrilen Horrorfilms anhört, ist in Wirklichkeit eines der charmantesten ZX-Spectrum-Homebrew-Spiele der letzten Jahre. GhoSte’s Grunge von Entwickler Buck erschien im Juni 2022 auf itch.io – kostenlos, liebevoll gemacht und mit einer Geschichte, die so simpel wie eingänglich ist.

Ewige Ruhe erst nach dem letzten Takt

GhoSte ist ein Geist, der keine Ruhe findet – und zwar buchstäblich. Bevor er ins Jenseits eintreten kann, muss er seine verlorenen Musiknoten und Instrumente wiederfinden, die irgendwo in einer zunehmend gefährlich werdenden Welt verstreut sind. Das klingt nach einem harmlosen Sammler-Spiel, und auf den ersten Blick ist es das auch. Doch schon nach wenigen Screens merkt ihr: Hier wartet mehr auf euch als ein entspannter Spaziergang durch das Totenreich.

14 Screens, kein einziger gleich

Das Spielprinzip ist klassisch und schnörkellos. Ihr steuert GhoSte durch 14 unterschiedliche Screens und müsst alle Musikstücke und Instrumente einsammeln, während ihr Hindernissen und gefährlichen Tieren ausweicht. Klingt nach einem simplen Collect-em-up – ist aber deutlich ausgefeilter. Denn Buck hat die Screens mit echtem Gespür für Leveldesign gebaut. Jedes Bild hat seine eigene Atmosphäre, seine eigenen Herausforderungen. Die Hintergründe wechseln, die Gefahren variieren, und immer wieder gibt es kleine Überraschungen: Manche Noten lassen sich nur über versteckte Wege erreichen, die auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennbar sind. Der Entwickler hat das selbst im Forum von Spectrum Computing beschrieben – die Noten selbst sind sichtbar, aber der Weg dorthin muss erst gefunden werden.

GhoSte's Grunge - Screen
GhoSte’s Grunge – Screen
Butter-weiche Steuerung – eine echte Seltenheit

Was GhoSte’s Grunge von vielen anderen Spectrum-Titeln abhebt, ist die Steuerung. Ihr bewegt GhoSte mit den Pfeiltasten, die Leertaste dient zum Bestätigen in Menüs. Das klingt unspektakulär, fühlt sich aber ausgesprochen gut an. Die Bewegung hat eine angenehme Trägheit, reagiert präzise und fühlt sich nie unfair an. Kollisionsabfrage und Physik sitzen. Das war Buck laut eigener Aussage ein zentrales Anliegen: Sein Vorgänger-Projekt – ein inoffizieller Umbau des alten Spectrum-Spiels Ghostly Grange aus dem Jahr 1987 – litt noch unter hakeligem Movement und buggy-Physik. GhoSte’s Grunge sollte das besser machen. Das ist gelungen.

Ein Geist mit Soundtrack

Auf dem ZX Spectrum 128K läuft das Spiel mit einer ausgewachsenen Musikuntermalung von KUVO, die dem bunten Treiben perfekt entspricht – fröhlich, eingängig, unaufdringlich. Die 48K-Version funktioniert ebenfalls, verzichtet aber auf den Soundtrack. Wer kann, sollte die 128K-Version nehmen. Es lohnt sich.

Schwer, aber fair – mit einem kleinen Haken

GhoSte’s Grunge ist kein Spaziergang. Manche Passagen fordern echte Präzision, einzelne Abschnitte – etwa im oberen rechten Bereich eines bestimmten Screen – verlangen fast pixelgenaues Manövrieren. Wer mit Savestates spielt, kommt leichter durch; wer das ohne will, braucht Geduld. Doch das Spiel ist zu keinem Zeitpunkt unfair. Wer scheitert, versteht in der Regel sofort warum. Das ist in diesem Genre keine Selbstverständlichkeit. Die Punktewertung hat übrigens einen charmanten Kniff: Buck verwendet Primzahlen als Basiswert pro eingesammeltem Objekt, damit der Highscore nicht allzu rund wirkt – 129 Punkte pro Stück, wenn ihr euch wundert, warum da so eine krumme Zahl steht.

Fazit

GhoSte’s Grunge ist ein kleines, aber feines Spectrum-Spiel, das in fast jeder Disziplin überzeugt: Das Design ist liebevoll, die Steuerung sitzt, der Soundtrack macht gute Laune und das Leveldesign hält mit seinen versteckten Wegen länger bei der Stange als erwartet. Ein Homebrew-Titel, der zeigt, dass die Spectrum-Szene 2022 noch immer kreativ und lebendig ist. Wer 14 Screens Geisterjagd nach verlorenen Musiknoten nicht ausschlagen kann – und das sollte eigentlich niemand –, findet das Spiel kostenlos auf itch.io.

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