Space Invaders
Autor: Tomohiro Nishikado/ SplinterGU
Jahr: 1978/2021/2025
Rechner: Sinclair ZX Spectrum
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Midnight Brew Collection 2025, Teil 1: Space Invaders
Wer physische Releases für den ZX Spectrum sammelt, kommt an der Midnight Brew Collection nicht vorbei. Seit 2022 veröffentlicht Allan Turveys Label jährlich eine limitierte Zusammenstellung moderner Homebrew-Spiele auf Kassette – ausschließlich in Assembly geschrieben, ausschließlich für die echte Hardware gedacht, und stets in einer Sammlerbox. Die 2025er Edition bringt fünf Kassetten mit insgesamt sechs Titeln: Wycheweald und Hafoc Tor von Nico Scheltema teilen sich dabei eine. Und weil ich alle im Original besitze, starte ich hiermit eine Artikelreihe, in der jedes Spiel der Collection sein Review bekommt. Den Anfang macht ein alter Bekannter.
Ein Klassiker erklärt sich nicht
Space Invaders braucht keine große Vorstellung. Tomohiro Nishikado entwickelte das Spiel für Taito, 1978 erschien es in den japanischen Spielhallen – und veränderte die Branche nachhaltig. Alien-Formationen rücken von oben heran, ihr steuert eine Laserkanone am unteren Bildschirmrand, schießt, weicht aus, wiederholt das Ganze. Die Formationen werden schneller, je weniger Gegner noch auf dem Feld sind. Vier Schutzwälle bieten temporäre Deckung, ein gelegentlich auftauchendes UFO oben am Bildschirm verspricht Bonuspunkte. Das war 1978 revolutionär. Heute ist es Kulturgut.
Auf dem ZX Spectrum gab es über die Jahrzehnte diverse Umsetzungen, keine davon traf das Arcade-Original wirklich exakt. Das änderte sich 2021.
Gameplay-Mechaniken
Für alle, die es trotzdem wissen möchten: Ihr bewegt eure Kanone horizontal, schießt einen Strahl nach oben und versucht, alle Eindringlinge zu erledigen, bevor sie den Boden erreichen. Pro Schuss kann nur ein Projektil gleichzeitig unterwegs sein. Die Aliens schießen zurück, unregelmäßig und mit zunehmendem Nachdruck. Die Bewegungsgeschwindigkeit der Formation steigt mit jedem abgeschossenen Alien – ein cleverer Mechanismus, der aus einer simplen Prämisse echten Druck erzeugt.
Stirbt ihr, verliert ihr ein Leben. Erreichen die Aliens den Boden, ist das Spiel vorbei. Beides passiert. Oft.

Lernkurve
Flach am Anfang, steil sobald die Formation kleiner wird. Wer das Original kennt, weiß, dass die letzten drei, vier Aliens zur eigentlichen Prüfung werden. SplinterGUs Version bildet das akkurat ab.
Die 2021er Freeware-Version
Juan José Ponteprino, bekannt unter dem Pseudonym SplinterGU, veröffentlichte seine Spectrum-Umsetzung im März 2021 kostenlos auf itch.io. Das Ziel war explizit Spieltreue: Keine eigenwilligen Spielereien, kein Neuerfinden, sondern das Arcade-Original so genau wie möglich auf dem 48K-Spectrum abbilden – ein Anspruch, den bis dahin tatsächlich kein anderer Klon eingelöst hatte.
Das Ergebnis ist kompetent. Das Hauptmenü erlaubt die Wahl zwischen einem und zwei Spielern sowie einige Grundeinstellungen zum Schwierigkeitsgrad. Kempston- und Sinclair-Joystick werden unterstützt, Tastatursteuerung ebenfalls. Wer einen direkten Vergleich mit dem Arcade-Original zieht, stellt fest: Es stimmt. Timing, Bewegungsmuster, Schussverhalten – das sitzt.
Was fehlte, war Verpackung. Soundmäßig solide, optisch zweckmäßig, Ladescreen vorhanden aber unspektakulär. Ein ehrliches Freeware-Release.

Die 2025er Kassetten-Version
Für die Midnight Brew Collection 2025 hat SplinterGU nachgelegt – und zwar in drei Bereichen, die den Unterschied zwischen einem funktionierenden Freeware-Klon und einer physischen Veröffentlichung ausmachen.
Sounds stammen nun von Lee Bee, der die Audiokulisse komplett neu aufgesetzt hat. Die typischen Space-Invaders-Klänge – das rhythmische Stampfen der Formation, die Schussgeräusche, die Explosionen – gehören zum Spielgefühl so dazu wie die Grafik selbst. Hier wurde sorgfältig gearbeitet.
Ladebildschirm ist neu und kommt von Craig Howard, der in der Spectrum-Homebrew-Szene kein Unbekannter ist. Wer InvAGDers Deluxe von Allan Turvey kennt, kennt seine Arbeit. Das passt zur Collection.
Overlays sind der interessanteste Punkt. Drei neue Overlays wurden hinzugefügt, darunter eines mit ULAplus-Unterstützung. ULAplus erweitert die Farbpalette des Spectrum von 15 auf 64 Farben – kein kleines Upgrade für einen Rechner, der mit seiner Farbbeschränkung eigentlich hätte leben müssen. Wer eine entsprechend ausgestattete Hardware oder einen kompatiblen Emulator betreibt, sieht eine deutlich farbenfreudigere Umsetzung als 2021.

Technik
| Entwickler | SplinterGU (Juan José Ponteprino) |
| Publisher | Midnight Brew Games |
| Jahr | 2025 (Kassette), 2021 (Freeware) |
| Plattform | ZX Spectrum 48K |
| Steuerung | Kempston, Sinclair, Cursor, Tastatur |
| Spieler | 1–2 |
| ULAplus | Ja (2025er Version) |
| Sounds | Lee Bee (2025er Version) |
| Ladescreen | Craig Howard (2025er Version) |
Fazit
Space Invaders von SplinterGU war 2021 das Ehrlichste, was die Spectrum-Szene in Sachen Arcade-Treue bis dahin zustande gebracht hatte. Die 2025er Kassetten-Version für die Midnight Brew Collection macht daraus ein rundes Paket: neue Sounds, neuer Ladescreen, ULAplus-Unterstützung. Das ist kein Neuerfinden – und soll es auch nicht sein. Es ist ein Klassiker, der auf der Hardware läuft, für die er gedacht ist, und der dabei besser aussieht und klingt als seine Vorgänger.
Für Spectrum-Fans mit dem entsprechenden Faible für physische Releases: Die Collection ist noch nicht restlos ausverkauft.


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