Eigentlich war ich früher ja nie der große Commodore 64 Fan – ich war schon immer auf der Sinclair/Atari-Schiene. In meinem Freundeskreis war aber von Commodore vieles vertreten – der C64, der 116er, der C128 und später auch der Amiga. Ich denke, zur Geschichte des 64er muss ich wohl nicht mehr viel sagen – das wurde schon oft genug geschrieben. 😉
Wer rund um diesen Computer auf dem Laufenden bleiben will, dem kann ich folgendes Forum empfehlen: Forum64
Da ja im vergangenen Jahr der 30. Geburtstag des Commodore 64 war, nutzte ich nun die Chance und hab ein paar Schachteln mit Commodore Sachen vor dem Wertstoffhof gerettet 😉
So kam es, dass folgende Sachen bei mir landeten:
- zwei C64 im Brotkasten-Design – einer defekt (dazu später noch mehr)
- eine Floppy 1541
- eine KCS PowerCartridge
- einige Joysticks
- ein A/D-Modul
- ein Drucker
- eine Datasette – defekt
- eine Schachtel mit C64-Zeitschriften
Wie schon erwähnt funktioniert einer der 64er ohne Probleme, ebenso wie die PowerCartridge und das Floppy-Laufwerk.
Den zweiten 64er habe ich mal geöffnet und bald das erste Problem gefunden – es fehlt eine Sicherung. Nachdem ich die Sicherung aus dem funktionierenden 64er getestet habe, hatte ich zumindest schon mal etwas „Salat“ am Fernseher. Das deutet auf eine defekte PLA hin. Eine zum Austausch ist schon bestellt – mal sehen, ob dieser Commodore 64 dann auch wieder funktioniert.
Geschichte
Die Wurzeln des C64 liegen nicht in der Computerbranche, sondern beim Schreibmaschinenhersteller Commodore. Firmengründer Jack Tramiel sah sein Geschäft in den 1960er Jahren durch japanische Konkurrenz bedroht und stieg deshalb zunächst auf mechanische, später digitale Taschenrechner um. Auch dort geriet Commodore unter Druck, diesmal durch Chiphersteller wie Texas Instruments, die durch die Kontrolle über die Bauteile die Preise diktierten. Tramiels Schluss daraus: Wer nicht von fremden Chipherstellern abhängig sein will, muss die Chips selbst herstellen.
1976 kaufte Commodore deshalb den Halbleiterhersteller MOS Technology aus West Chester, Pennsylvania. Mit im Paket war Chuck Peddle, der bei MOS kurz zuvor den erschwinglichen 6502-Prozessor entwickelt hatte – ein Chip, der für 25 US-Dollar verkauft wurde, während die Konkurrenz Preise um die 200 Dollar aufrief. Peddle wurde bei Commodore rasch zum Entwicklungschef und überzeugte Tramiel vom Potenzial des Mikrocomputer-Markts. 1977 erschien mit dem PET 2001 der erste Commodore-Computer, 1980 folgte mit dem VIC-20 das erste Heimcomputer-Modell des Unternehmens, das sich bis 1985 rund 2,5 Millionen Mal verkaufte, aber technisch schon bald an seine Grenzen stieß.
Entwicklung
Für den Nachfolger des VIC-20 begann bei MOS Technology zunächst ein ganz anderes Projekt: die Entwicklung von Grafik- und Soundchips für eine neue Spielkonsole. Verantwortlich dafür waren unter anderem Al Charpentier und Charles Winterble für den Grafikchip sowie Bob Yannes für den Soundchip. Die Konsole, intern Ultimax beziehungsweise MAX Machine genannt, wurde nach der Chip-Fertigstellung im November 1981 nur in geringer Stückzahl für den japanischen Markt gebaut und dann eingestellt.
Die dabei entstandenen Chips waren jedoch zu schade, um sie brachliegen zu lassen: Der VIC-II (intern 6567/6569) und der SID-Soundchip (6581) fanden stattdessen ihren Weg in einen neuen Heimcomputer. Innerhalb weniger Monate entwickelte ein Team um Robert Russell, Yash Terakura und Bob Yannes daraus das Gerät, das im Januar 1982 auf der CES in Las Vegas als Commodore 64 vorgestellt wurde. Der Name bezog sich schlicht auf den für damalige Verhältnisse üppigen Arbeitsspeicher von 64 KByte. Ab August 1982 kam der Rechner für 595 US-Dollar in den Handel – ein aggressiver Preis, mit dem Commodore gezielt Konkurrenten wie Atari, Texas Instruments und Sinclair unter Druck setzte, weil man dank eigener Chipfertigung ohne fremde Zulieferer auskam.
Technische Daten
| Prozessor | MOS 6510/8500, 8-Bit, ca. 1,023 MHz (NTSC) bzw. 0,985 MHz (PAL) |
| Arbeitsspeicher | 64 KByte RAM |
| ROM | 20 KByte (Kernal, BASIC 2.0, Zeichensatz) |
| Grafik | VIC-II (6567/6569), 320×200 Pixel, 16 Farben, 8 Hardware-Sprites, Rasterzeilen-Interrupt |
| Sound | SID 6581 bzw. 8580, 3 Stimmen, 4 Wellenformen, ADSR-Hüllkurve, Filter, Ringmodulation |
| I/O | zwei CIA-6526-Bausteine für Tastatur, Joystickports, seriellen Bus, Userport |
| Anschlüsse | 2× Joystickport (9-polig), serieller IEEE-488-Bus für Floppy/Drucker, Datasettenport, Erweiterungsport für Module, HF-/AV-Ausgang |
| Stromversorgung | +5 V DC und 9 V AC über externes Netzteil |
| Betriebssystem | Commodore KERNAL/BASIC 2.0, optional GEOS |
Herzstück ist neben der CPU vor allem das Zusammenspiel von VIC-II und SID. Der VIC-II war ursprünglich für Videospiele und Grafikterminals gedacht und brachte mit Sprites und Rasterzeilen-Interrupt Effekte auf den Bildschirm, die andere Heimcomputer der Zeit nicht boten. Der SID wiederum war für seine Ära ungewöhnlich ambitioniert konstruiert: Statt einfacher Pieptöne bot er echte Synthesizer-Funktionen mit Hüllkurvensteuerung und Filter – die Grundlage für die bis heute aktive SID-Musikszene.
Unterschiede zwischen den Modellen
Der C64 wurde von 1982 bis 1994 gebaut und dabei mehrfach überarbeitet. Elektronisch blieben fast alle Varianten zueinander kompatibel, äußerlich und in Detailausstattung unterschieden sie sich aber deutlich:
Der „Brotkasten“ (1982–1986) ist die Urform mit dem charakteristischen grauen, hohen Gehäuse, das der Szene ihren Spitznamen gegeben hat. Frühe Exemplare aus 1982 sind bei Sammlern besonders begehrt und selten.
PET 64 / Educator 64 (1983–1984) war eine für Schulen gedachte Variante im PET-Gehäuse mit eingebautem Monitor – technisch ein normaler C64.
SX-64 (1983–1986) war die tragbare Variante mit eingebautem 5-Zoll-Farbbildschirm und Diskettenlaufwerk, die Tastatur diente gleichzeitig als Deckel.
C64 II / C64C (1986–1993) brachte ein flacheres, dem C128 nachempfundenes Gehäuse und ein verkleinertes, kostenoptimiertes Mainboard. In Deutschland wird dieses Modell oft schlicht „C64-II“ genannt.
C64G (1987/1988) war eine speziell für Deutschland gefertigte Variante, die wieder im alten Brotkastengehäuse steckte – nur heller lackiert –, technisch aber bereits die reduzierte C64C-Platine nutzte. Das „G“ steht für Germany, weil die Brotkastenform hierzulande besonders beliebt blieb.
Aldi-C64 (1988) ist dem C64G sehr ähnlich und wurde ausschließlich über die Discounterkette Aldi vertrieben.
Goldener C64 (1986) war eine goldfarbene Sonderedition zum millionsten in Deutschland verkauften C64 und kein reguläres Verkaufsmodell.
C64 GS – Games System (1990) war der Versuch, den C64 ohne Tastatur als reine Modul-Spielkonsole zu vermarkten. Da er trotzdem den vollen C64-Preis kostete und nur Modul-Software akzeptierte, floppte er und wurde offiziell nur in Großbritannien verkauft.
Ein technisch feiner, aber hörbarer Unterschied betrifft den Soundchip: Frühe Modelle im Kunststoffgehäuse nutzen den originalen SID 6581, spätere C64-II-Platinen den überarbeiteten 8580 – beide klingen aufgrund unterschiedlicher Filterschaltungen spürbar anders, was in der SID-Szene bis heute für Diskussionen sorgt.
Spiele
Kaum ein anderer Heimcomputer wurde so eng mit seiner Softwarebibliothek identifiziert wie der C64. Über ein Jahrzehnt hinweg erschienen tausende Titel, viele davon bis heute Klassiker: Sportsammlungen wie „Summer Games“, „Winter Games“ und „California Games“ von Epyx, das Weltraum-Rollenspiel „Elite“ mit seiner offenen Welt und Vektorgrafik, das Point-and-Click-Adventure „Maniac Mansion“, das Jump’n’Run „Giana Sisters“ und das später fortgesetzte „Turrican“. Auch Rollenspiele wie „The Bard’s Tale“ fanden auf dem C64 ein großes Publikum.
Möglich wurde diese Fülle auch dadurch, dass sich neben Commodore selbst schnell eine eigenständige Softwareindustrie etablierte – von großen Publishern wie Electronic Arts, Ocean Software und Activision bis zu kleinen, oft deutschen Entwicklerstudios, die mit dem C64 ihre ersten kommerziellen Erfolge erzielten. Der markante Sound des SID-Chips wurde dabei selbst zum Markenzeichen vieler Spiele und lebt bis heute als eigenes Musikgenre weiter, gepflegt unter anderem durch Sammlungen wie die High Voltage SID Collection.
Bedeutung für die Computerindustrie
Mit geschätzten 12,5 bis 17 Millionen verkauften Geräten (manche Quellen sprechen von über 20 Millionen) gilt der C64 als meistverkaufter Heimcomputer aller Zeiten. Diese Verbreitung machte ihn für eine ganze Generation zum ersten eigenen Computer überhaupt – und damit zu einem der wichtigsten Einstiegspunkte in Programmierung und digitale Technik der 1980er Jahre.
Technisch und kulturell hinterließ der C64 gleich mehrere bleibende Spuren. Die Kombination aus VIC-II und SID setzte Maßstäbe für Grafik und Sound in Heimcomputern und trug maßgeblich zur Entstehung der Demoszene bei, in der Programmierer die Hardware bis an ihre Grenzen und darüber hinaus ausreizten – eine Kultur, die bis heute existiert. Zahlreiche später bekannte Spieleentwickler und Softwarefirmen, gerade auch in Deutschland, machten ihre ersten Schritte auf dem C64, bevor sie mit dem Aufstieg des PC in den 1990er Jahren weiterzogen. Nicht zuletzt zeigte Commodores Strategie, durch die eigene Chipfertigung bei MOS Technology Zulieferer zu umgehen, wie stark vertikale Integration die Preise – und damit die Verbreitung – von Heimcomputern beeinflussen konnte.
Für mich war der Fund vor allem ein guter Anlass, mich noch einmal genauer mit einem Rechner zu beschäftigen, der in meinem eigenen Werdegang nie im Zentrum stand, aber die Heimcomputer-Landschaft der 1980er wie kein zweites Gerät geprägt hat. Wie es mit den beiden Geräten und ihren Defekten – darunter auch die vermutete PLA – letztlich weiterging, habe ich in einem eigenen Beitrag festgehalten: Commodore 64 Reparaturen

![Commodore 64 [Commodore]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/2013/02/C64-Sachen.jpg)





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