Wer meinen Artikel zu Inviyya kennt, weiß: Tigerskunk ist kein unbekannter Name auf jungsi.de. Der Entwickler hinter dem beeindruckenden OCS-Shooter hat sich für sein nächstes Projekt ein völlig anderes Genre vorgenommen – und das macht die Sache umso interessanter. Während er mit Inviyya zeigte, was der Amiga in Sachen horizontalem Scrolling-Shooter leisten kann, wechselt Tigerskunk mit Krogharr – The Beerserker auf das Schlachtfeld des Hack-‘n’-Slash. Das Spiel erschien im Juni 2025 und war – zusammen mit den anderen drei Käufen dieser Reihe – eines meiner Highlights am polyplay-Stand auf der VCFe in München.
Als jemand, der in Bayern lebt, sei an dieser Stelle klar gesagt: Bierdiebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Dass Krogharr sein Heimatdorf rächt, ist aus hiesiger Perspektive nicht nur nachvollziehbar – es ist moralische Pflicht. Selten hat mich eine Spielprämisse so unmittelbar angesprochen.
Erworben habe ich die CD32-Version. Und die Frage, warum jemand 2025 einen Amiga-Titel für eine Konsole kauft, die Commodore selbst in den frühen 90ern begraben hat, beantwortet sich für Sammler von selbst.
Bier oder Tod
Die Geschichte ist so knapp wie der Titel verspricht: Der böse Anführer Pilsator hat das Bier von Krogharrs Heimatdorf gestohlen. Das ist Kriegsgrund. Krogharr bricht auf, schlägt sich durch verbrannte Ebenen, verfluchte Gebirge und finstere Friedhöfe – und hinterlässt auf dem Weg dorthin eine ordentliche Spur aus rollenden Köpfen. Barbarian lässt grüßen.
Der Witz funktioniert, weil das Spiel ihn nicht übererklärt. Es braucht kein ausladendes Intro, keine Cutscenes – die Prämisse steht, und dann geht es los.

Stahl, Wut und Bier
Krogharr ist ein Side-Scrolling-Brawler der klassischen Schule: ihr bewegt euch von links nach rechts, Feinde kommen auf euch zu, ihr haut sie weg. Das Grundprinzip kennt ihr aus Titeln wie Barbarian, Golden Axe oder Tiger Road. Tigerskunk setzt auf schnelle, direkte Kampfmechaniken – Angriff, Sprung, Sprung mit Angriff. Die Köpfe der Gegner rollen tatsächlich ab. Das ist kein Zufall, das ist Design-Statement.
Die Gegnertypen variieren über den Spielverlauf: Barbarenhorden, Untote, Dämonen und Waldbewohner bevölkern die Level. Wer ehrlich ist, merkt, dass das Grundmuster stets ähnlich bleibt – Feind kommt von rechts, Feind wird erledigt, nächster Feind kommt von rechts. Das ist dem Genre inhärent, und wer Kung Fu Master oder Ghosts ‘n Goblins gemocht hat, weiß, was ihn erwartet.
Durch verbrannte Ebenen und finstere Gräber
Die Levelstruktur orientiert sich an klassischen Arcade-Brawlern: unterschiedliche Umgebungen mit angepassten Gegnersätzen, ansteigendem Schwierigkeitsgrad und einer Endloswelle an Kanonenfutter. Die Schauplätze – Ebenen, Bergpässe, Friedhöfe – wechseln optisch angenehm und sorgen für Abwechslung im Hintergrundpanorama.
Was fehlt, sind Zwischenspeicher und ein Zwei-Spieler-Modus. Beides ist schade, besonders Ersteres – denn der Schwierigkeitsgrad ist nicht ohne. Wer stirbt, fängt von vorne an. Das ist 90er-Arcade-Philosophie, und man muss sie mögen.

Für Einsteiger und Genre-Kenner
Mit dem Brawler-Genre vertraut? Dann findet ihr euch sofort zurecht. Die Steuerung ist joystick-basiert und intuitiv. Wer das Genre nicht kennt, braucht ein paar Läufe, bis der Rhythmus sitzt – wann angreifen, wann ausweichen, wann springen. Der Schwierigkeitsgrad ist merklich höher als bei vielen OCS-Zeitgenossen; Power-Ups gibt es, aber sparsam dosiert, und das macht die Energie-Verwaltung zur echten Herausforderung.
Technik und Box
Grafisch bewegt sich Krogharr auf einem beachtlichen Niveau für OCS-Hardware. Das mehrlagige Parallax-Scrolling erinnert in seiner Sauberkeit an Psygnosis-Klassiker wie Shadow of the Beast. Die Sprites sind klar und funktional, wenn auch nicht ganz so detailreich wie die Hintergrundebenen. Musik und Sound hat Tigerskunk erneut selbst komponiert – mit Protracker, wie schon bei Inviyya – und der Amiga darf wieder zeigen, was sein Paula-Chip klanglich hergibt.
Die CD32-Version der Collector’s Edition von polyplay kommt im Digipak mit CD-ROM sowie einer MicroSD-Karte mit Disk-Image und Bonusmaterial. Dazu gibt es ein Poster – und als krönenden Abschluss ein winziges Holzbierfass mit Zapfhahn. Als Bayer sage ich: Das ist kein Merchandise, das ist ein Beweisstück. Genau so sieht es aus, wofür Krogharr kämpft.
Wer neugierig ist, was Tigerskunk als Nächstes plant: Er entwickelt aktuell Ormantauta, einen Shooter für den SNK Neo Geo. Der Entwickler bleibt seiner Vorliebe für klassisches Arcade-Gameplay treu – die Plattform wechselt einfach mit.
Fazit
Krogharr – The Beerserker ist kein Spiel, das das Rad neu erfindet – es will das auch gar nicht. Es ist ein liebevoll gemachter Amiga-Brawler, der seine Referenzen kennt und zu ihnen steht. Tigerskunk zeigt, dass er nicht nur Shooter kann, und dass der Amiga auch 2025 noch als Plattform für neue physische Releases funktioniert. Wer den Genre-Klassikern der frühen 90er zugetan ist und einen frischen Titel für die CD32 sucht, greift zu.
➡️ Krogharr – The Beerserker digital: tigerskunk.itch.io/krogharr ➡️ Boxed Edition bei polyplay: polyplay.xyz

![Krogharr [Commodore Amiga]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/Krogharr-The-Beerserker-Startscreen-1200x750.webp)










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