Grundig RR 720 – ein Kassettenrekorder mit Geschichte
Manchmal reicht ein einziges Foto in einer Zeitschrift, um eine Erinnerung zurückzuholen, die jahrzehntelang irgendwo verschüttet lag. Genau so ist es mir mit dem Grundig RR 720 ergangen. In einem Artikel war ein ähnliches Gerät abgebildet, und auf einmal war sie wieder da: die Erinnerung an den Kassettenrekorder, den ich und mein Bruder in den 1980er-Jahren benutzt haben. Besonders die orange Taste zum Ein- und Ausblenden hat sich bei mir eingebrannt – wir haben sie ständig gedrückt, wenn wir Musik aus dem Radio aufgenommen haben.
Fotos aus dieser Zeit habe ich leider keine mehr gefunden. Aber die Erinnerung war stark genug, dass ich mich auf die Suche nach einem RR 720 gemacht habe. Nach einiger Zeit ist mir bei eBay ein Exemplar über den Weg gelaufen, und seitdem steht es bei mir.
Mehr als nur Nostalgie
Der RR 720 war für mich nicht nur ein Radiorekorder für Musik. Bevor der ZX Spectrum bei uns einzog, hatte ich schon einen ZX81, und für beide Rechner war ein Kassettenrekorder schlicht notwendig – ohne ihn ging gar nichts. Ich habe damit unzählige Spiele geladen und, mindestens genauso oft, BASIC-Listings gespeichert, die ich mühsam aus Computerzeitschriften abgetippt hatte. Wer das selbst erlebt hat, weiß: Ein Kassettenrekorder, der zuverlässig lädt und speichert, war in dieser Zeit fast so wichtig wie der Computer selbst.

Die Baureihe
Der RR 720 gehört zu einer vierköpfigen Grundig-Familie aus dem Mai 1981: RR 621, RR 640, RR 720 und RR 750 teilen sich Gehäuse und Grundtechnik, unterscheiden sich aber in der Ausstattung. RR 621 und RR 640 sind die einfacheren Mono-Varianten. RR 720 und RR 750 bringen Stereo mit sowie einen zusätzlichen Preomat-Baustein für die automatische Aussteuerung bei der Aufnahme. Der RR 750 legt obendrauf noch einen Uhrenbaustein mit Weckfunktion. Mein Exemplar, der RR 720, ist also die Stereo-Ausführung ohne Uhr – für meine Zwecke genau richtig, denn genau dieses Modell stand damals bei uns.
Zustand und was noch zu tun war
Als das Gerät bei mir ankam, ließ sich schon nach kurzem Test erahnen, dass vor mir schon einmal jemand Hand angelegt hatte – nur nicht besonders sorgfältig. Ein Techniker des Vorbesitzers hatte offenbar die Antriebsriemen ersetzt, allerdings nicht durch passende Originalriemen, sondern durch einfache Gummibänder. Das Ergebnis: Aufnahme und Wiedergabe liefen spürbar zu langsam, was sich beim Vergleich mit einem zweiten, korrekt laufenden Kassettenrekorder eindeutig nachweisen ließ. Zusätzlich hatte eine der Andruckrollen einen Riss, und der Aufnahmeweg vom Radioteil zum Verstärker war unterbrochen, sodass sich zwar der Empfang, nicht aber Radiosendungen aufnehmen ließen.

Mit Hilfe der originalen Grundig-Serviceanleitung aus dem Jahr 1981 – Schaltpläne, Positionsnummern und Abgleichanleitung inklusive – ließ sich das alles sauber eingrenzen und von einem Techniker beheben: richtige Riemen statt Gummibänder, eine neue Andruckrolle, und die unterbrochene Verbindung im Aufnahmezweig wieder hergestellt. Seitdem läuft das Gerät mit korrekter Geschwindigkeit und nimmt auch wieder vom Radio auf.
Ausblick
Das Gerät wandert ins Museum, wo es künftig mein ursprüngliches Setup nachstellen soll – ZX Spectrum 48K und Grundig RR 720, so wie es damals bei uns zuhause stand. Wie ich den Rekorder danach wieder zum Laufen gebracht und an den Spectrum angeschlossen habe, beschreibe ich in einem eigenen Artikel.

![Grundig RR 720 [Grundig]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/Grundig-RR-720-Vorderseite-1200x750.webp)
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