Acorn BBC Micro

Sideways ROM/RAM

Sideways ROM/RAM

Ich mag Erweiterungen, die den BBC Micro nicht „verbiegen”, sondern einfach mehr Komfort bringen. Genau in diese Kategorie fällt das Sideways ROM/RAM Modul von BooBip: 32 KB Sideways RAM und 32 KB ROM-Option auf einer kleinen Platine, die in einen normalen ROM-Sockel gesteckt wird – ohne Löten. Ich habe gleich zwei dieser Module samt Kabelsatz im Einsatz und wollte herausfinden, wie sinnvoll das im Alltag ist, wie stabil das Ganze läuft und wie man ROM-Images möglichst bequem ins Sideways RAM bekommt. 

Mein Setup

BBC Micro Model B, Mainboard Issue 7. Bestückung der ROM-Sockel:

  • ROM 12: BASIC (steckt bei mir im Sideways-Sockel IC52, auf dem Piggyback-Sockel des BooBip-Moduls)
  • ROM 14: Acorn DFS 2.26 (IC100)
  • ROM 15: SPI 0.91 für MMC/SD-Lösung (IC101)

Die beiden BooBip-Module stecken in IC52 (mit BASIC oben drauf) und IC88 (Piggyback frei). 

Was bringt Sideways RAM im Alltag? 

Wenn man den BBC als Anwender nutzt, ist Sideways RAM vor allem eins: ein ROM-Steckplatz auf Knopfdruck. Statt EPROMs zu brennen oder ständig ROMs umzustecken, kann man ROM-Images (meist 16 KB) in Sideways RAM schreiben und nach einem Reset stehen sie wie echte ROMs bereit. Das ist ideal für:

  • Utilities und Tool-ROMs (die man „immer dabei” haben will)
  • Anwendungs-ROMs (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Druck-/Viewer-Tools)
  • Diagnose- und Helfer-ROMs

Das Schöne: Der Rechner bleibt „original” – es ist nur mehr Auswahl und Komfort. 

Verkabelung: warum Daisy-Chain sinnvoll ist 

Die BooBip-Module brauchen zusätzlich zu dem, was schon über den ROM-Sockel kommt, nur zwei Signale per Kabel: ROMSEL und WDS/NWDS (Write-Strobe). Ich hatte anfangs beide Module jeweils mit langen Kabeln direkt an die IC-Pins am Mainboard angeschlossen. Damit hatte ich sporadische Probleme, die sich besonders bei BASIC und dem SPI/MMC-ROM bemerkbar gemacht haben. Die Lösung war, das Ganze so zu verkabeln, wie es BooBip auch empfiehlt: Nur ein Modul (bei mir IC52) bekommt die langen Kabel direkt vom Mainboard. Das zweite Modul (IC88) wird per Daisy-Chain mit kurzen Jumpern an ROMSEL und WDS vom ersten Modul „mitversorgt”. Seit dieser Umstellung ist das Setup stabil. Der Eindruck ist: zwei lange „Stubs” direkt am Signal verschlechtern die Signalqualität (Flanken/Reflexionen), während eine kurze Daisy-Chain deutlich robuster ist. 

Sideways RAM_ROM - eingebaut und verkabelt
Zwei Sideways ROM/RAM im Daisy Chain

Die langen Kabel von IC52 werden bei mir wie folgt angeschlossen:

  • IC26 (links neben der CPU): PIN 5 (PIN 1 befindet sich links oben – gezählt wird gegen den Uhrzeigersinn)
  • IC73 (unter dem analog Anschluss): PIN 24 (PIN 28 befindet sich rechts oben – gezählt wird im Uhrzeigersinn)
Sideways ROM/RAM - Anschluss ICs
Sideways ROM/RAM – Anschluss IC26 und IC73

Welche Sideways-RAM-Banks habe ich wirklich?

Mit ROM Tool (RTOOL) sieht man sehr schön, welche Banks als schreibbares SRAM verfügbar sind. Bei mir werden vier Banks als SRAM angezeigt: 0, 1, 4 und 5. Das passt perfekt zu „zwei Module × je zwei 16-KB-Banks”. 

Funktionstest mit SRTEST 

Auf der BooBip-Disk liegt zusätzlich SRTEST. Starten lässt es sich direkt über:

*RUN SRTEST

Die Ausgabe war für mich die endgültige Bestätigung, dass die Hardware wirklich korrekt arbeitet:

Write Protect Test: Banks 0, 1, 4, 5
Simple Memory Test: Banks 0, 1, 4, 5
Random Memory Test: Banks 0, 1, 4, 5
Error count = 0

Damit ist klar: Die vier Sideways-RAM-Banks sind sauber beschreibbar, der Schreibschutz funktioniert, und es gibt keine Bitfehler. 

SRTEST
SRTEST

Warum *ROMS „zu wenig” zeigt – und RTOOL „zu viel” 

Ein Punkt, über den man leicht stolpert: *ROMS zeigte bei mir lange Zeit nur:

ROM 12  BASIC
ROM 14  DFS 2.26
ROM 15  SPI 0.91

Das ist korrekt, weil *ROMS im Kern die bestückten/aktiven ROM-Images zeigt. Sideways RAM taucht dort erst auf, wenn man wirklich ein ROM-Image in eine SWRAM-Bank geschrieben hat, sodass dort ein gültiger ROM-Header liegt. RTOOL wiederum zeigte mir die ROM-Titel mehrfach (z. B. DFS in 14, 10, 6, 2 und SPI in 15, 11, 7, 3). Das ist kein Defekt, sondern ein Effekt der ROM-Bank-Dekodierung: mehrere Banknummern können auf denselben Inhalt gemappt sein, und RTOOL listet einfach alles, was wie ein gültiger ROM-Header aussieht. Wichtig ist nur: die echten schreibbaren SWRAM-Banks sind die, die SRTEST/RTOOL als SRAM anzeigen – bei mir 0, 1, 4 und 5. 

RTOOL
RTOOL

RTOOL als ROM starten: ROMFS und *ROM 

Besonders praktisch fand ich, dass man RTOOL nicht zwingend von Disk/MMC starten muss. Ich habe das „ROMFS image” (ROM Filing System) installiert. Damit kann man das ROM-Dateisystem aktivieren:

*ROM

Ein *CAT zeigte danach tatsächlich den Inhalt dieses ROM-Dateisystems – bei mir genau eine Datei:

RTOOL

Und starten lässt sich RTOOL dann direkt aus dem ROMFS:

*RUN RTOOL

Das klappt zuverlässig (Anzeige: Searching → Loading → RTool). 

Der Stolperstein: ROMFS als aktives Filing System 

Wenn man RTOOL so startet, ist anfänglich ROMFS das aktive Dateisystem. Deshalb funktionieren Dinge wie „Drive umschalten” oder „ROM-Image von MMC laden” nicht automatisch. In meinem Fall musste ich im RTOOL zuerst zurück auf die MMC-Umgebung schalten. Bei meinem SPI/MMC-ROM funktioniert das so:

*CARD

Danach konnte ich mit:

*DRIVE 1

das gewünschte Laufwerk wählen. Erst dann lassen sich ROM-Images von der MMC verwenden. 

Wichtiger Hinweis: Bankwahl und Language-Fallstrick 

Beim Experimentieren habe ich mir ein ROM-Image in eine niedrige Bank geschrieben und danach fragte der BBC beim Reset nach der Language. Das ist kein Hardwarefehler. Wenn ein ROM-Image als „Language ROM” erkannt wird und in einer priorisierten Bank liegt, kann das den Autostart in BASIC beeinflussen. Als Anwender schreibe ich Tools daher lieber in eine der „höheren” SRAM-Banks (bei mir z. B. Bank 4 oder 5) und lasse Bank 0/1 entweder leer oder für unkritische Utility-ROMs. 

Fazit: klare Empfehlung für Anwender 

Mit zwei BooBip-Sideways ROM/RAM Modulen wird der BBC Micro nicht schneller – aber deutlich komfortabler. Die Highlights im Alltag:

  • Vier schreibbare Sideways-RAM-Banks (0, 1, 4, 5) – stabil und fehlerfrei
  • ROM-Utilities als „virtuelle ROMs” ohne Brenner und ohne Umbau
  • RTOOL und SRTEST als einfache, praxisnahe Werkzeuge
  • Daisy-Chain statt zwei langer Kabelsätze: deutlich stabiler

Wenn ich Sideways RAM am BBC Micro empfehlen soll, dann genau so: sauber verkabelt, einmal getestet – und dann als Komfort-Erweiterung genutzt.

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