Sinclair ZX81

Q Save

Q Save

QSAVE – Turbo Tape für den Sinclair ZX81 (PSS)

Beim Sinclair ZX81 gehört die Kassette einfach dazu. In der Praxis bedeutete das aber auch: viel Geduld, eine Portion Glück beim Pegel und nicht selten mehrere Anläufe, bis ein Programm wirklich sauber geladen war. Besonders mit 16K-Erweiterung konnte sich ein Speichervorgang gefühlt ewig ziehen. Genau in diese Zeit fällt QSAVE von PSS (Personal Software Services): eine Kombination aus Software und Zusatzhardware, die das Speichern und Laden deutlich beschleunigen und gleichzeitig zuverlässiger machen sollte. In der Happy Computer 11/1983 habe ich eine kleine Werbung dafür gefunden und es kostete damals 79 DM.

Mein Exemplar in der Sammlung

In meiner Sammlung befindet sich QSAVE in Originalverpackung, inklusive Anleitung und der eigentlichen Hardware – der „Q SAVE Amplifier/Filter Unit“. Leider fehlen bei meinem Exemplar die Software und die Kabel. Das ist bei Zubehör aus dieser Zeit nicht ungewöhnlich, weil die kleinen Beigaben (Kassetten, Kabel, Adapter) über die Jahre gern getrennt werden oder irgendwann „in der Kabelkiste“ verschwinden.

Spannend ist die Datierung: Auf der Verpackung ist © 1982 zu finden, während die Anleitung bei mir © 1983 trägt. Das passt gut zu einem Produkt, das 1982 auf den Markt kam und später mit überarbeiteten Druckunterlagen weiterverkauft wurde.

Was QSAVE eigentlich macht

QSAVE ist im Prinzip eine Turbo-Lösung für die ZX81-Kassettenschnittstelle. Statt mit der relativ langsamen Standardübertragung zu arbeiten, setzt QSAVE auf eine deutlich höhere Datenrate. Dadurch verkürzen sich Lade- und Speichervorgänge drastisch. Gleichzeitig ist das Ziel, die Fehleranfälligkeit zu reduzieren – denn bei schneller Übertragung wird das Signal zwar empfindlicher, aber mit passender Aufbereitung kann es am Ende trotzdem stabiler laufen als das „Original-Gefrickel“ mit Lautstärke und Tonkopf.

Wichtig ist dabei ein typischer Nebeneffekt solcher Turbo-Systeme: Was im QSAVE-Format gespeichert wurde, lässt sich in der Regel später auch nur wieder zuverlässig laden, wenn QSAVE (oder ein kompatibles Tool) wieder zur Verfügung steht.

Q Save
Q Save

Die Amplifier/Filter Unit – Hardware zum Stabilisieren des Signals

Das Herzstück ist die kleine Box mit der Aufschrift „Q SAVE AMPLIFIER/FILTER UNIT“. Allein die Front verrät schon viel über die Idee dahinter:

  • Ein Schalter für SAVE/LOAD: Je nach Richtung wird das Signal unterschiedlich verarbeitet.
  • Anschlüsse für CASS. (Kassettenrekorder) und COMP (Computer): QSAVE sitzt dazwischen und beeinflusst den kompletten Signalweg.
  • EAR-Beschriftungen und eine Status-LED („O/L“): Das sieht sehr nach Pegel-/Signalüberwachung aus, also nach „Hilfsmitteln gegen das Kassettenglücksspiel“.
  • POWER IN / POWER OUT: QSAVE wird in die Stromversorgung eingebunden bzw. durchgeschleift, um die Box zu versorgen.

Genau diese Mischung aus Software und „Signal-Elektronik“ ist typisch für frühe 80er-Zubehörlösungen: Man wollte nicht nur schneller, sondern vor allem reproduzierbar arbeiten.

Wiederinbetriebnahme heute (ohne „echten“ Funktionstest)

Auch wenn Software und Kabel bei meinem Set fehlen, lässt sich QSAVE grundsätzlich wieder nutzbar machen. Für einen späteren Test braucht man vor allem: einen Software-Dump und ein paar Standardkabel.

Q Save - User Manual
Q Save – User Manual

Software aus Dump nutzen
QSAVE ist als Tape-Dump archiviert. Der Dump liegt typischerweise als TZX vor und kann entweder im Emulator genutzt werden oder in ein Audioformat (WAV) umgewandelt werden, um ihn wie eine Kassette abzuspielen.

PC oder Smartphone als „Kassettenrekorder“
Eine praktikable Methode ist, den WAV-Sound über PC oder Smartphone auszugeben und damit den ZX81 zu „füttern“ – genau wie früher vom Band. Dafür ist vor allem wichtig:

  • Alle Klangverbesserer, Equalizer, „Audio Enhancer“ usw. deaktivieren.
  • Mit einer mittleren Lautstärke starten und bei Bedarf fein nachregeln.
  • Möglichst ein sauberes, stabiles Audiosignal ohne Störungen verwenden.

Kabel nachrüsten
Für den Signalweg sind meist ganz normale Klinkenkabel nötig:

  • Kassettenrekorder (EAR/Phones) → QSAVE (CASS.)
  • QSAVE (COMP) → ZX81 (EAR bzw. entsprechender Eingang)

Je nach Recorder können Adapter nötig sein (z. B. andere Klinkengröße oder spezielle Anschlüsse). Kurze, ordentliche Kabel sind hier deutlich besser als wackelige „Irgendwas-Adapter“ – Turbo-Formate reagieren auf schlechte Kontakte besonders empfindlich.

Stromversorgung (POWER IN / POWER OUT)
Da QSAVE POWER IN und POWER OUT besitzt, wird die Box sehr wahrscheinlich in die Stromversorgung eingeschleift (Netzteil → QSAVE → ZX81). Wenn man das nachrüstet, ist der wichtigste Punkt:

  • Steckermaß und Polarität müssen passen.
    Bei alten Netzteilen und Steckern lohnt sich hier ein genauer Blick, bevor man etwas anschließt.

Warum das heute noch interessant ist

QSAVE ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie lebendig die ZX81-Zubehörwelt Anfang der 80er war. Statt einfach „damit leben“ zu müssen, dass Kassette langsam und zickig ist, wurde mit Softwaretricks und zusätzlicher Elektronik versucht, den ZX81 alltagstauglicher zu machen. Und auch wenn mein Exemplar nicht komplett ist, zeigen Verpackung, Anleitung und die Amplifier/Filter-Box sehr anschaulich, wie man damals an das Thema „Speichern und Laden“ herangegangen ist.

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