Eine Sammlergeschichte: Philips NMS 8280 und Sony HBD-50D
Es gibt wieder eine dieser Geschichten zu erzählen, die man als Sammler erlebt und die dieses Hobby manchmal so reizvoll machen. Aktuell bin ich nicht aktiv auf der Suche nach weiteren Rechnern, aber manchmal ergeben sich Gelegenheiten, die man einfach nicht ignorieren kann.
Als ich wieder einmal die Nachrichten durchgesehen habe, die ich über das Kontaktformular im Impressum des Blogs erhalte, fand ich eine Anfrage, die bereits mehrere Wochen alt war. Ich prüfe diese Nachrichten nicht so regelmäßig, da ich zu 95 % Spam erhalte. In der Nachricht wurde gefragt, ob ich Interesse an MSX-Rechnern und dazugehöriger Hardware hätte. Da die Nachricht schon einige Wochen alt war, hatte ich nicht viel Hoffnung, noch eine Antwort zu bekommen. Aber: Am nächsten Tag meldete sich der Absender und teilte mit, dass zwar nicht mehr alles vorhanden sei, aber ob ich noch Interesse an einem Philips NMS 8280 und einem Sony-Diskettenlaufwerk hätte — beides in Originalverpackung. Natürlich hatte ich Interesse, allerdings war der Preis in diesem Fall nicht ganz unwichtig, da der Erwerb mit einer persönlichen Abholung und damit 400 km Autofahrt hin und zurück verbunden war.
Nachdem der Verkäufer noch berichtet hatte, die Geräte — zumindest den Philips — in seinem eigenen Betrieb für Lagerverwaltung und Buchhaltung eingesetzt zu haben, war ich mir sicher: Das ist genau das Richtige für mich. Denn genau diese Geschichten zu den Geräten sind es, die den Unterschied machen. Wir einigten uns auf einen vernünftigen Preis, und zwei Tage später machte ich mich auf die Reise nach Niederösterreich.
Willy, der MSX-Händler
Ich wurde sehr freundlich empfangen, und es begann ein Gespräch über unsere Computervergangenheit. Dabei erzählte mir Willy, wie er zu den für Deutschland und Österreich eher ungewöhnlichen MSX-Rechnern gekommen war. Die Antwort war denkbar einfach: Er hatte sie selbst verkauft. Als Radio- und Fernsehhändler wurde er von Philips und Sony angesprochen, ob er nicht die Geräte und das Zubehör in sein Sortiment aufnehmen wolle. Da konnte er nicht Nein sagen — und laut seiner Aussage verkauften sich die MSX-Rechner wirklich gut.
Das ist übrigens keine isolierte Erscheinung: In der Ausgabe 2/Februar 1985 der Happy Computer findet sich auf Seite 14 die Schlagzeile „MSX erobert TV-Handel” — die MSX-Computer hätten Einzug in die Regale des TV- und HiFi-Handels gehalten. Willy ist ein lebendiges Beispiel dafür. Bemerkenswert ist dabei, dass MSX in Deutschland und Österreich trotz allem ein Nischenphänomen blieb, während der Standard in Japan und vor allem in den Niederlanden weit verbreitet war. Händler wie Willy, die MSX aktiv im deutschsprachigen Raum verkauft haben, waren die Ausnahme.
So kam es, dass er gleich zwei NMS 8280 anschaffte: einen für seinen eigenen Betrieb, einen für den Betrieb seiner Frau. Die dazugehörige Software — Lagerverwaltung und Buchhaltung — hatte er in MSX-BASIC selbst geschrieben. Ich bekam am noch aufgebauten Gerät eine kurze Vorführung und durfte die Originaldisketten (ohne Kundendaten) mitnehmen. Dieser Software werde ich nach entsprechender Analyse einen eigenen Artikel widmen.
Aufgrund der besonderen Ausstattung des NMS 8280 wurde dieser aber nicht nur für Anwendungssoftware genutzt, sondern auch zum Spielen. Als Händler hatte Willy entsprechenden Zugriff auf Nachschub — vor allem auf Cartridge-Spiele, die neben Kassetten das damalige Hauptmedium für MSX-Rechner waren. Und die Kinder nutzten die erweiterten Fähigkeiten des Rechners für Videobearbeitung in Verbindung mit einer Super-8-Kamera — genau die Funktion, für die der NMS 8280 eigentlich konzipiert worden war.
Neben dem NMS 8280 in Originalverpackung gab es noch ein Sony HBD-50D — ein Diskettenlaufwerk passend für meinen Sony HitBit 75D, ebenfalls in OVP. Dazu bekam ich noch ein seltenes Schulungsheft von Sony, das vermutlich nur die Teilnehmer einer internen Schulung erhalten hatten. Diese Geräte und das Heft werden ebenfalls eigene Artikel erhalten.

Leider waren die Handbücher für den NMS 8280 nicht mehr vorhanden. Sollte also jemand unter euch etwas davon loswerden wollen — ihr wisst, wo ihr mich findet.
Willy ist inzwischen in Pension (wie es in Österreich heißt), aber immer noch im technischen Bereich in der Erwachsenenbildung tätig. Vielen Dank für die nette Unterhaltung und den freundlichen Empfang!
Das war nun viel Geschichte zu dem Rechner und wie ich ihn erhalten habe — kommen wir nun zum technischen Teil.
Die Hintergründe zu den MSX-Rechnern werde ich nicht nochmal erzählen, das habe ich in meinen Artikeln zum HitBit und zum Philips VG-8235 ausführlich getan. Konzentrieren wir uns daher auf den NMS 8280.
Die Philips MSX-Reihe im Überblick
| Modell | Jahr | Besonderheiten |
|---|---|---|
| VG 8000 / VG 8010 | 1984 | Entsprachen noch nicht dem MSX-Standard |
| VG 8020 | 1984 | Hergestellt von Kyocera, MSX1 |
| NMS 8220 | 1985 | Ohne Diskettenlaufwerk, MSX2 |
| VG 8230 / VG 8235 | — | Internes 360K-Laufwerk, MSX2 |
| NMS 8245 | — | Internes 720K-Laufwerk, MSX2 |
| NMS 8250 | 1986 | Ein internes Laufwerk, Desktop mit abgesetzter Tastatur, MSX2 |
| NMS 8255 | 1986 | Zwei interne Laufwerke, Desktop mit abgesetzter Tastatur, MSX2 |
| NMS 8280 | 1987 | Zwei interne Laufwerke und Videodigitalisierer, Desktop mit abgesetzter Tastatur, MSX2 |
Versionsunterschiede
Wer einen NMS 8280 kauft oder bereits besitzt, kann anhand der Seriennummer auf dem Typenschild der Rückseite die genaue Fertigungsversion bestimmen. Die Seriennummer beginnt mit FF gefolgt von einer dreistelligen Nummer:
| Seriennummer | Laufwerke | Laufwerksmodell |
|---|---|---|
| FF005 | 1 Laufwerk | Altes Modell — breite Auswurftaste |
| FF006 | 1 Laufwerk | Altes Modell — breite Auswurftaste |
| FF007 | 2 Laufwerke | Altes Modell — breite Auswurftaste |
| FF017 | 2 Laufwerke | Altes Modell — breite Auswurftaste |
| FF027 | 2 Laufwerke | Neues Modell — kleine Auswurftaste, anderes Flachbandkabel zum Mainboard |

Die frühen Einlaufwerk-Modelle (FF005/006) entsprechen übrigens dem auf dem MSX Wiki erwähnten Hinweis, dass die erste Produktionsserie nur ein Laufwerk enthielt.
Auch das Videoboard — die Kernkomponente der Digitalisier- und Superimpose-Funktion — existiert in drei Versionen:
| Version | Erkennungsmerkmal |
|---|---|
| Version 1 | Braune Platine mit altem separatem PCB |
| Version 2 | Braune Platine mit neuerem separatem PCB |
| Version 3 | Grüne Platine, doppellagig (Double Layer), kein separates PCB |
Welche Videoboard-Version die beste Digitalisierqualität liefert, ist in der MSX-Community noch nicht abschließend dokumentiert.
Das vorliegende Exemplar trägt die Seriennummer FF027 50002824 — gehört damit zur späteren Produktionsserie mit zwei Laufwerken des neueren Modells und dem überarbeiteten Flachbandkabel zum Mainboard.
Tipp: Digitalisierqualität verbessern
Für alle, die die Videodigitalisierung ernsthaft nutzen wollen: Es gibt eine bekannte Modifikation am Frontpanel-Board, die die Bildqualität beim Digitalisieren spürbar verbessert. Dazu werden die Widerstände R501 und R503 auf der Frontplatine entfernt und R501 durch einen Widerstand mit 470 Ohm ersetzt. Ein Eingriff für alle, die einen Lötkolben nicht scheuen — und die den NMS 8280 nicht nur als Ausstellungsstück betreiben wollen.
Der NMS 8280

NMS steht für New Media System. Der Rechner wurde am 1. April 1987 veröffentlicht und basiert auf dem Design des Sanyo MPC-27, der auch Hersteller des NMS für Philips war. Für den europäischen Markt wurde der Speicher erweitert und ein zweiter Cartridge-Slot hinzugefügt; das Lightpen-Interface des MPC-27 entfiel.
Der NMS 8280 sieht dem NMS 8250 und NMS 8255 äußerlich sehr ähnlich, ist intern aber ein grundlegend anderes Gerät. Er ist das absolute Topmodell der NMS-Serie — und das einzige Modell mit integriertem Videodigitalisierer und Superimpose-Funktion.
Ein Wort zur RAM-Angabe
Wer das Gerät oder die OVP zum ersten Mal in der Hand hält, stutzt unweigerlich: Dort steht 256K. Das ist schlicht irreführend. Der NMS 8280 hat 128 KB RAM — und 128 KB VRAM. Philips hat beide Werte einfach addiert und als Gesamtspeicher ausgewiesen. Diese Praxis war damals nicht unüblich, verwirrt aber Sammler bis heute. Der tatsächliche Arbeitsspeicher beträgt 128 KB.
Technische Daten
| Komponente | Details |
|---|---|
| Prozessor | Z80A |
| RAM | 128 KB in vier ICs |
| VRAM | 128 KB in vier ICs |
| ROM | 64 KB in drei ICs: 32 KB BASIC-ROM, je 16 KB für erweitertes BASIC und Diskettencontroller |
| Videochip | Yamaha YM9938 |
| Grafik | Zwei Textmodi, sieben Grafikmodi mit max. 256 Farben aus einer Palette von 512 |
| Sound | S3527, drei Stimmen, acht Oktaven |
| Laufwerke | Zwei 3,5”-Diskettenlaufwerke, 720 KB DS DD |
| Sonderfunktion | Videodigitalisierer und Superimpose (256×212 Pixel, 256 Farben) |
Bedienelemente an der Vorderseite
Direkt unterhalb der Diskettenlaufwerke befinden sich die wichtigsten Bedienelemente dieses ungewöhnlichen Rechners:
- Ein-/Ausschalter
- SOURCE SELECT (Videosignal-Eingangswahlschalter): AV IN/OUT, AV IN, SUPER IMPOSE
- LOW/HI (Digitalisierungspegel)
- EXT/INT (Audiomixer)
- EXT/GRAPHICS (Videomixer) — dieser Schalter muss auf „GRAPHICS” stehen, damit das Bild über das SCART-Kabel sichtbar ist
- RESET-Knopf (ganz rechts)

Anschlüsse auf der Rückseite
| Anschluss | Beschreibung |
|---|---|
| RF | Kanal 36, PAL UHF |
| VIDEO IN | RCA |
| AUDIO IN L/R | RCA |
| VIDEO/LUM OUT | RCA, mit Wahlschalter Video/Luminanz |
| AUDIO OUT R/L | RCA |
| REC/MAG | DIN-8 für Kassettenrekorder |
| HANDCONTROL | Joystick und Maus |
| PRINTER | Paralleler Centronics-Anschluss |
| AUDIO/VIDEO IN OUT | Kombinierter AV-Anschluss |
| KEYBOARD | Anschluss für die abgesetzte Tastatur |
| Netzkabel | Intern verbaut |


Die beiden Cartridge-Steckplätze befinden sich an der rechten Seite des Geräts.
Modellvarianten
Die Tastatur des NMS 8280 ist mit den Modellen NMS 8250 und NMS 8255 kompatibel. Vom NMS 8280 selbst gibt es folgende regionale Varianten:
| Modell | Tastaturlayout | Markt |
|---|---|---|
| NMS 8280/00 | QWERTY | Niederlande, Belgien |
| NMS 8280/02 | QWERTZ | Deutschland |
| NMS 8280/09 | QWERTZ | Deutschland |
| NMS 8280/16 | QWERTY (mit ñ) | Spanien |
| NMS 8280/19 | AZERTY | Frankreich |
In Italien wurde der NMS 8280 unter dem Markennamen Phonola vertrieben. Eine seltene weiße Version trägt die Bezeichnung HCS 280 — ob es sich dabei um einen Prototyp handelt oder ob mehr als das eine bekannte Exemplar existiert, ist nicht geklärt.

Mitgelieferte Software
Mit dem Rechner wurden folgende Disketten ausgeliefert:
| Diskette | Inhalt |
|---|---|
| MSX-DOS 1 | Textbasierte, menügesteuerte Oberfläche |
| Home Office 2 | Karten, Text, Tabellenkalkulation, Planer, Versand, Druckereinstellungen; Untermenüs für Taschenrechner, Disk- und Kassettenmenü |
| Video Graphics | Verbesserte Version von „Designer Plus” (VG-8235), mit Überlagern und Digitalisieren |
| Demo-Diskette | — |
Außerdem wurde eine SBC 3810-Maus mitgeliefert.


Was Sammler wissen sollten
Ein paar Punkte sind für alle wichtig, die mit dem Gedanken spielen, sich einen NMS 8280 zuzulegen.
Die fragile Frontblende ist der am häufigsten anzutreffende Schaden bei Geräten auf dem Markt. Der Kunststoff wird mit dem Alter extrem spröde und bricht bei der kleinsten Belastung. Das ist auch der Hauptgrund, warum viele Verkäufer keinen Postversand anbieten — und warum ein unbeschädigtes Exemplar in OVP so selten und entsprechend wertvoll ist.

Das SCC-Tonproblem betrifft alle, die Konami-Cartridges oder andere Karten mit SCC-Soundchip verwenden möchten: Der NMS 8280 hat ein konstruktionsbedingtes Problem mit dem Audiomixer, das zu störenden Mischeffekten führt. Es gibt eine bekannte Lösung, den sogenannten Opamp-Mod von Daemos und Luppie, der das Problem zuverlässig behebt.
Die Diskettengeschwindigkeit ist im Originalzustand eher gemächlich. Auch hier gibt es eine verbreitete Nachrüstlösung in Form eines Fast-Disk-ROM-Mods, der den Zugriff spürbar beschleunigt.
Das wars zum NMS 8280. Zum Sony HBD-50D und dem Schulungsheft von Sony folgen eigene Artikel.


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