Der Highway 3 – auch bekannt als der Crowsnest Highway – ist eine dieser Straßen, die man als Motorradfahrer einfach gemacht haben muss. Auf rund 280 Kilometern von Nelson bis Osoyoos wechselt die Landschaft so dramatisch, dass man kaum glaubt, denselben Tag zu erleben.
Los ging es am Morgen des 7. Juli in Nelson, Motorräder vollgeladen, Temperatur noch angenehm. Die ersten Kilometer führten den Kootenay Lake entlang, dann westwärts in Richtung Grand Forks. Kurz danach der erste richtige Stopp: der Christina Lake Viewpoint. Dieser kleine Aussichtspunkt hoch über dem türkisfarbenen See ist eigentlich nur ein Parkplatz mit einer Bank – aber der Blick hinunter auf das Wasser und die bewaldeten Hänge ist es wert, den Motor für ein paar Minuten abzustellen.
Weiter westwärts, hinauf auf den Eholt Summit auf fast 1.000 Meter. Die Kettle Valley liegt hier oben still und irgendwie aus der Zeit gefallen – eine alte Bahntrasse, Wald, kaum Verkehr. Dann die lange Abfahrt ins Okanagan. Kurz vor Osoyoos kommt der Anarchist Mountain Lookout – und von dort versteht man auf einen Blick, wohin man fährt. Tief unten liegt Osoyoos, der See blitzt in der Nachmittagssonne, ringsum Weinberge und nackte, braune Hügel. Das sieht nicht mehr nach British Columbia aus. Das sieht aus wie Südfrankreich.
Unten angekommen: über 35 Grad. Nach Tagen in den Bergen kommt diese Hitze fast wie ein Schock. Das Coast Osoyoos Beach Hotel hatte Balkonzimmer direkt über dem See – perfekt. Den ersten Abend verbrachten wir größtenteils am Wasser, im Veterans Memorial Park mit seinem unwahrscheinlichen Kakteengarten, und dann noch einmal am Strand, während die Sonne hinter den Bergen versank und das ganze Motelband am Ufer golden anleuchtete.
Osoyoos ist Kanadas wärmste Stadt – und der Osoyoos Lake gilt als wärmster See des Landes. Das merkt man. Es ist ein anderes Kanada hier. Weniger Bergwald, mehr Halbwüste, mehr Wein, mehr Sommer.

























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