Manchmal gewinnt man etwas und weiß schon beim Auspacken, dass man Glück hatte. So war es bei diesem Exemplar des Prinztronic Videosport 800-Colour – gewonnen bei einer Verlosung, komplett in der Originalverpackung und mit zwei kabelgebundenen Controllern. Für eine Pong-Konsole aus dem Jahr 1978 ist das bemerkenswert. Die meisten dieser Geräte haben ihre letzte Schachtel irgendwann in den frühen 80ern verloren.
Prinztronic – Wer steckt dahinter?
Hinter dem Namen Prinztronic verbirgt sich keine eigenständige Elektronikfirma, sondern die Eigenmarke der britischen Handelskette Dixons – jene Kette, die später zu Currys.digital wurde und heute Teil von DSG International ist. Dixons vertrieb unter dem Markennamen Prinztronic eine ganze Reihe von Elektronikprodukten, darunter auch mehrere TV-Spielkonsolen. Der Videosport 800-Colour ist dabei der direkte Nachfolger des Videosport 600 – mehr Spiele, und erstmals Farbe auf dem Bildschirm. Produziert wurde das Gerät in Hongkong, wie das Typenschild auf der Rückseite verrät.
Das Gerät
Der Videosport 800-Colour ist eine flache, schwarze Kunststoffkonsole mit einem auffälligen Drehwahlschalter in der Mitte der Oberseite. Das Design ist typisch für seine Zeit – sachlich, fast nüchtern, mit weißen Piktogrammen auf schwarzem Untergrund. Der große Drehknopf wählt eines der sechs Spiele, die rund um ihn herum aufgedruckt sind.
Unterhalb des Drehschalters sitzt eine Reihe kleiner Kipphebel und zwei orangefarbene Tasten. Die Kipphebel steuern:
- Power (On/Off)
- Angle (Amateur/Professional) – der Rückprallwinkel des Balls
- Speed (Amateur/Professional) – die Ballgeschwindigkeit
- Bat Size (Amateur/Professional) – die Größe der Schläger
- Serve (Auto/Manual) – automatischer oder manueller Aufschlag
Die beiden orangefarbenen Tasten sind Reset und Serve. Das Gerät macht auf Anhieb einen soliden Eindruck – kein Wackeln, keine morschen Teile, auch nach fast 50 Jahren noch alles in Ordnung.

Der Chip dahinter
Das Herzstück des Videosport 800-Colour ist der General Instruments AY-3-8500, der klassische „Ball & Paddle”-Chip, der in den späten 70ern in Millionen von Pong-Konsolen weltweit verbaut wurde. Der Datecode auf meinem Exemplar lautet 7948 – das entspricht Woche 48 des Jahres 1979. Die Farbdarstellung übernimmt keine dedizierte Farb-IC, sondern eine diskrete Schaltung aus Motorola-CMOS-Logikchips: ein MC14076B (4-Bit-D-Register) und ein MC14069UB (Hex-Inverter) arbeiten zusammen mit dem 2-MHz-Quarz und dem abgeschirmten HF-Modulator, um das Farbsignal zu erzeugen. Etwas aufwändiger als ein einzelner Chip – aber das Ergebnis ist dasselbe.
Auf der Rückseite des Geräts finden sich die britischen Patenthinweise (Nr. 1268821 und 1328223) – das sind die berühmten Magnavox-Patente von Ralph H. Baer, dem Erfinder des Videospiels. Wer diese Nummern auf einem Gerät sieht, weiß: Hier wurden Lizenzgebühren bezahlt.

Die Spiele
Der Drehschalter bietet sechs Positionen:
- Tennis – der klassische Pong-Zweikämpfer
- Soccer – zwei Schläger pro Spieler, der Ball geht durch die Mitte
- Squash – ein Spieler gegen die Wand
- Squash Practice – Squash ohne Gegner, zum Üben
- Target 1 – Schießspiel: ein Ziel hüpft zufällig über den Bildschirm
- Target 2 – Schießspiel: der Ball bewegt sich von links nach rechts
Die Schießspiele sind der interessante Teil. Auf dem Gehäuse prangt die Aufschrift „add on target game facility” – und auf der Seite des Geräts finden sich zwei kleine 3,5mm-Klinkenbuchsen, eine für den Abzug, eine für die Fotodiode. Die Konsole ist also vollständig für eine Lichtpistole vorbereitet.
Der Thundercolt
Das passende Zubehör heißt Prinztronic Thundercolt TV Game Pistol – und war damals separat erhältlich. Bei meinem Exemplar fehlt die Pistole leider. Das ist kein Einzelfall: Die meisten heute noch vorhandenen Videosport-Konsolen haben den Thundercolt nie besessen oder längst verloren. Wer eines dieser Geräte mit original Thundercolt findet, hat einen seltenen Fund gemacht.
Die Funktionsweise ist prinzipbedingt einfach und clever zugleich: Beim Abdrücken blendet die Konsole den Bildschirm kurz aus und zeigt nur das Ziel in Weiß. Eine Fotodiode im Lauf der Pistole erkennt den Lichtblitz des CRT-Elektronenstrahls – und der Chip entscheidet: Treffer oder nicht. Diese Technik funktioniert ausschließlich mit Röhrenfernsehern. An einem modernen LCD oder OLED ist damit nichts anzufangen.
Interessante Randnotiz: Der Thundercolt hat in jüngerer Zeit als Requisite für die Star-Wars-Serie Andor gedient, wo er als Basis für den B1-NA-Blaster (auch „Corpo Blaster” genannt) verwendet wurde. Was erklärt, warum manche Exemplare inzwischen von Prop-Sammlern weggekauft werden.

Anschlüsse und Stromversorgung
Auf der Rückseite: Der HF-Ausgang für den Fernseher – ein Koaxialkabel, das an einen UHF-Tuner angeschlossen wird. Links und rechts am Gehäuse: je eine Buchse für die kabelgebundenen Controller.
Die Stromversorgung läuft entweder über 6 × C-Zellen (UM-2) oder ein Netzteil. Die Netzteilbuchse ist eine 3,5mm-Mono-Klinkenbuchse – für heutige Verhältnisse ungewöhnlich, damals aber gängige Praxis bei britischen Geräten dieser Art. Der Aufkleber neben der Buchse gibt die Richtung vor: „USE PRINZTRONIC UNIVERSAL MAINS ADAPTOR”. Dieser Adapter – mit einem Sternkopf aus verschiedenen Steckern für die unterschiedlichen Prinztronic-Geräte – lag der Originalverpackung zwar nicht bei, ist aber auf Bildern anderer Exemplare gut dokumentiert. Die technischen Daten stehen auf dem Typenschild: 9V DC, 200mA.
Ein Blick auf die Verkabelung der Buchse von innen klärt die Polung eindeutig: Die rote Ader liegt am Tip (Spitze) – also Plus. Die weiße Ader liegt am Sleeve (Hülse) – also Masse. Wer heute ein Ersatznetzteil sucht, braucht demnach: 9V DC, mindestens 200mA, 3,5mm Mono-Klinkenstecker, Tip positiv. Ein Universal-Netzteil mit passendem Steckeradapter aus dem Elektronikhandel erfüllt diese Anforderungen problemlos.
Interessantes Detail: Die Buchse verfügt über einen dritten Kontakt (lila Ader), der beim Einstecken des Netzteils die Batterien automatisch vom Stromkreis trennt. Man muss die C-Zellen also nicht herausnehmen, wenn man das Netzteil benutzt – das Gerät schaltet automatisch um.
Für Sammler
Ein Videosport 800-Colour in Originalverpackung und mit vollständigen Controllern ist kein alltäglicher Fund. Wer die Konsole vervollständigen möchte, sucht auf eBay am besten nach:
- Prinztronic Thundercolt – die passende Lichtpistole
- Prinztronic Universal Mains Adaptor – das originale Netzteil
Beides taucht gelegentlich auf, meist auf britischen eBay-Angeboten. Der Versand aus England ist seit dem Brexit nicht mehr ganz günstig – alternativ tut ein modernes 9V-Universal-Netzteil mit 3,5mm-Klinkenstecker denselben Dienst, ohne historischen Charme, aber deutlich günstiger.

Fazit
Der Prinztronic Videosport 800-Colour ist ein schönes Stück früher Spielgeschichte aus dem britischen Einzelhandel. Technisch ist er kein Exot – der AY-3-8500 war der Standard-Chip seiner Zeit und steckte in hunderten ähnlicher Geräte weltweit. Was das Prinztronic-Exemplar interessant macht, ist die Kombination: Farbe, sechs Spiele, die vorbereitete Pistolenunterstützung – und das alles mit dem unverkennbaren Stil der späten 70er. Ein Gerät, das erklärt, wie die Spielegeschichte begann. Bevor es Cartridges gab. Bevor es Prozessoren gab. Als ein einzelner Chip reichte.

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