Atari 260ST – ein verwirrender Glücksfund
Manche Funde fallen einem einfach in den Schoß. Auf einem kleinen Flohmarkt bin ich vor Jahren über einen Atari 260 ST gestolpert – zwei Tasten waren abgebrochen, sonst aber komplett: Netzteil, Staubschutzhaube für die Tastatur, alles dabei. Preis: 5 Euro. Da musste ich natürlich zuschlagen.
Eine erste Inspektion verriet, dass das Gerät im Originalzustand war. Auf der Unterseite konnte ich als Produktionsdatum 11/1985 entziffern. Das Gehäuse des 260ST ist etwas flacher als das des späteren 1040ST – im 260er steckt nämlich noch kein internes Diskettenlaufwerk. Mit einem externen Laufwerk angeschlossen, startete der Rechner ohne Murren. Sysinfo meldete TOS 1.00 und satte 1 MB RAM.
Die Sache mit dem Namen
Die Modellbezeichnungen der frühen ST-Serie sorgen bis heute für Verwirrung. Ein kurzer Überblick:
- 130 ST: erste angekündigte Variante mit 128 KB RAM. Wurde im April 1985 ersatzlos aus dem Programm gestrichen – mit so wenig Speicher und TOS im RAM war einfach nichts anzufangen.
- 260 ST: ursprünglich als günstige Variante mit 256 KB RAM geplant. Wegen rapide fallender Speicherpreise wanderten dann aber doch 512 KB ins Gerät – die Bezeichnung blieb trotzdem.
- 520 ST: technisch praktisch identisch mit dem 260 ST. Der entscheidende Unterschied lag nicht im Speicher, sondern im Operating System: Der 520er hatte TOS fest in ROM-Bausteinen, der 260er nicht.
Wer also einen 260 ST bekam, musste TOS in der Regel von Diskette nachladen – und verlor dadurch rund 192 KB Arbeitsspeicher. Die ROM-Bausteine ließen sich für etwa 98 DM nachrüsten, denn die Sockel auf der Platine waren bereits vorhanden.

Blick auf die Platine
Ein Blick ins Innere ist aufschlussreich. Auf der Hauptplatine prangt die Atari-Typenbezeichnung C070243 Rev. C – das Standard-Layout für 260 ST, 520 ST und 520 ST+. In der Mitte thront der Motorola MC68000 mit 8 MHz, flankiert von den typischen Atari-Customchips Shifter, MMU und GLUE. Den Sound liefert der bewährte Yamaha YM2149, den man auch aus dem MSX und vielen anderen Heimcomputern dieser Ära kennt.
Links am Rand sitzen die sechs TOS-Bausteine mit den Atari-Teilenummern C026302 bis C026307 – die kompletten 192 KB von TOS 1.00 in ROM-Form. Bei genauerem Hinsehen fällt am rechten Platinenrand auch eine Speichererweiterung auf 1 MB auf, vermutlich nach der bewährten „Huckepack”-Methode: zusätzliche Bausteine auf die regulären RAM-Chips aufgelötet, einzelne Pins frei nach oben verdrahtet.

Die wahrscheinliche Geschichte
Wahrscheinlich ist genau das die Geschichte dieses Geräts: ein 260 ST, der ursprünglich nur mit 512 KB RAM und den beiden Boot-ROMs ausgeliefert wurde – und der dann später beim Händler den klassischen Atari-Upgrade-Pfad durchlaufen hat. Die TOS-ROMs gab es bei Atari für rund 98 DM zum Nachrüsten, die Speichererweiterung auf 1 MB nach der Huckepack-Methode war ebenfalls offiziell sanktioniert und wurde von Händlern genauso ausgeführt, wie Atari es beim 520 ST+ ab Werk tat. Im Ergebnis war ein voll aufgerüsteter 260 ST technisch nicht mehr von einem 520 ST+ zu unterscheiden. Für den damaligen Käufer eine lohnende Sache – und für mich heute ein schönes Stück gelebter Aufrüstungsgeschichte.
Lieferumfang damals
Ausgeliefert wurde der 260 ST normalerweise mit dem einseitigen 3,5″-Diskettenlaufwerk SF354 – 360 KB Kapazität pro Diskette. Erst beim 1040 ST und beim Mega ST wanderte das Laufwerk dann ins Gehäuse.
Übrigens kein Zufall, dass die erste ST-Generation mit externem Netzteil und externer Floppy daherkam: In den USA waren Einzelgeräte einfacher zuzulassen als integrierte Maschinen. Laut Atari sparte das ganze sechs Monate – genau der Vorsprung, der den „Jackintosh” ein halbes Jahr vor dem Commodore Amiga auf den Markt brachte.
Conclusion
Fünf Euro, ein Stück Computergeschichte und eine eigene kleine Anekdote zur Modellpolitik der Tramiel-Ära. Was will man mehr? Jetzt heißt es: Programme und Spiele testen und schauen, was der kleine ST so kann.


![Atari 260ST [Atari]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/2014/05/Atari-260ST-frontal.jpg)
Hallo,
Ich stolperte auf der suche nach SCSI/ACSI information auf deine webseite. Mein erster Atari ST war auch ein 260ST, wurde damals geliefert mit ein einseitiges diskettenlaufwerk (also 360kB). Die speicherausstattung war 512 kByte wie beim 520ST
Grusz,
Gert