Speicherkarten für den Atari Portfolio: Originalkarten, Programmkarten und mein Backup-Workflow
Der Atari Portfolio ist für mich einer dieser Rechner, die erst dann „komplett“ wirken, wenn das passende Zubehör daneben liegt. Und dazu gehören ganz klar die Karten für den seitlichen Steckplatz. In meiner Sammlung habe ich vier Varianten: die originalen Speicherkarten mit 32 KB, 64 KB und 128 KB – sowie eine NoName-Karte mit 512 KB. Außerdem ist mir beim Zusammenstellen des Artikels wieder eingefallen, dass ich auch eine originale Programmkarte mit der Beschriftung „FileManager/Tutorial“ habe. Genau diese Mischung zeigt schön, wie Atari das Portfolio-Konzept damals gedacht hat: Speicher zum Arbeiten – und Software zum Einstecken.
Warum Speicherkarten beim Portfolio so wichtig sind
Der Portfolio ist zwar ein vollwertiger kleiner DOS-Rechner, aber ohne wechselbaren Speicher stößt man im Alltag schnell an Grenzen. Klar, intern gibt es eine RAM-Disk – aber die Idee des Portfolio ist ja „unterwegs arbeiten und später am PC weiter“. Genau dafür sind die Karten gemacht: Dokumente, kleine Programme, Konfigurationsdateien oder Daten unterwegs speichern, Karte abziehen, am PC sichern oder austauschen – fertig.
Bee Card: Kreditkartenformat vor PCMCIA
Optisch erinnert der Kartenslot ein wenig an spätere PCMCIA/PC-Cards, aber das ist beim Portfolio noch eine andere Welt. Atari nutzt hier sogenannte „Credit Card Memory“-Karten (oft auch im Kontext „Bee Card“ erwähnt). Das war Ende der 80er ein naheliegender Ansatz: Speicher im Kreditkartenformat, schnell, robust und für mobile Geräte praktisch. Der Haken ist heute zugleich das Interessante: Es ist eben nicht einfach eine PCMCIA-Karte, sondern eine eigene Lösung – und man braucht passendes Zubehör, wenn man die Daten außerhalb des Portfolio lesen oder sichern will.
Die Original-Speicherkarten: 32 KB, 64 KB und 128 KB
Die drei klassischen Größen sind typisch Portfolio: 32 KB, 64 KB und 128 KB. Aus heutiger Sicht wirkt das winzig, aber damals passte das sehr gut zum Einsatzzweck. Textdateien, kleine Tabellen, einfache Datenbanken oder Tools – dafür war der Portfolio gedacht, und dafür reichen diese Kapazitäten erstaunlich oft aus.
Gerade die 32-KB-Karte hat dabei etwas Charmantes: Sie zwingt einen förmlich dazu, so zu arbeiten wie damals – schlank, effizient, ohne „Ballast“. Die 128-KB-Karte ist dagegen schon die komfortable Variante, auf der man auch mal mehrere Projekte parallel parken kann.



Technik im Inneren: SRAM mit Stützbatterie
Die klassischen Speicherkarten des Portfolio basieren in der Regel auf batteriegepuffertem SRAM. Das hat mehrere Folgen, die man im Alltag sofort merkt:
- Sehr schnelle Zugriffe: kein „Laden“, kein mechanischer Kram, das fühlt sich direkt an.
- Daten bleiben erhalten, solange die Stützbatterie genug Spannung liefert.
- Ist die Batterie leer, werden Daten unsicher oder gehen verloren.
Das ist der zentrale Punkt bei Originalkarten: Sie sind keine Archive, sondern praktische Wechselspeicher. Wer heute mit ihnen arbeitet, sollte den Batterie-Aspekt ernst nehmen – nicht aus Angst, sondern aus Pragmatismus.
Karte als Laufwerk: Arbeiten wie mit einem Mini-DOS-PC
Im Portfolio werden die Karten wie ein Laufwerk eingebunden (klassisch als A:). Dadurch ist der Umgang angenehm „DOS-typisch“: Dateien kopieren, löschen, umbenennen, Programme starten – alles so, wie man es erwartet. Genau dieses Konzept macht die Karten für mich bis heute so attraktiv: Es ist simpel, schnell und funktioniert ohne große Umwege.
Programmkarten: „FileManager/Tutorial“ und Software zum Einstecken
Neben den RAM-Speicherkarten gab es für den Portfolio auch Karten, auf denen Programme fest gespeichert waren. Meine „FileManager/Tutorial“-Karte ist so ein Beispiel – und sie zeigt, dass Atari damals tatsächlich Software als steckfertiges Zubehör angeboten (und teils auch mit ausgeliefert) hat.


Der Unterschied zur normalen Speicherkarte ist wichtig: Eine Programmkarte ist keine „batterie-abhängige Ablage“, sondern eher eine ROM-Disk – der Inhalt ist fest und nicht zum Speichern eigener Dateien gedacht. Im Alltag bedeutet das: Karte einstecken, Programm starten, Komfort gewinnen. Gerade der FileManager ist beim Portfolio ein echter Gamechanger, weil er die Dateiverwaltung deutlich bequemer macht und das Gerät viel „alltagstauglicher“ wirken lässt.
Ein kurzer Blick auf größere Karten: 512 KB NoName
Neben den Originalkarten habe ich noch eine NoName-Karte mit 512 KB. Das ist natürlich eine ganz andere Liga und zeigt schön, dass das Portfolio-Ökosystem über die offiziellen Größen hinausgewachsen ist. Solche Karten sind oft technisch ähnlich (SRAM + Batterie), intern aber ggf. anders organisiert, damit größere Kapazitäten sauber nutzbar sind. Für diesen Artikel bleibt der Fokus trotzdem auf den Originalkarten – die 512-KB-Karte ist für mich eher die spannende „Bonus-Kategorie“.

PC-Card-Drive und moderne Alternativen
Das PC-Card-Drive ist die klassische Brücke zwischen Portfolio und PC. Es ist genau das Zubehör, das den ursprünglichen Workflow perfekt abbildet: Karte rein, Dateien sichern, weiterarbeiten.
Ich habe dafür einen alten PC vorbereitet, an dem das PC-Card-Drive angeschlossen ist – jederzeit einsatzbereit, um Daten von den Karten zu sichern. Das ist für mich die beste Mischung: originaler Workflow, aber mit der Sicherheit, dass ich Inhalte nicht irgendwann an eine leere Stützbatterie verliere.
Wer es moderner mag, für den sind aktuelle Leselösungen interessant. Ich habe dazu bereits ein modernes Lesegerät beschrieben – den APF-02 USB Card Reader – und verlinke den Artikel hier, weil das thematisch perfekt dazu passt:
https://www.jungsi.de/apf-02-usb-card-reader-atari-portfolio/


Praxis-Tipp: Mein Backup-Workflow für Portfolio-Karten
Weil die RAM-Karten batteriegepufferten SRAM nutzen, behandle ich sie wie „Wechselspeicher mit Verfallsdatum“: Ich arbeite damit ganz normal am Portfolio – aber sobald etwas Wichtiges drauf ist, wird gesichert. Und zwar bewusst unkompliziert.
Ordnerstruktur am PC: pro Karte ein Master-Ordner
Ich lege mir am PC einen festen Ordner an, in dem jede Karte ihren eigenen Unterordner bekommt. Darunter arbeite ich gern mit Datum, damit jede Sicherung als Snapshot erhalten bleibt.
Beispiel:
C:\PORTFOLIO\KARTE_32KB\2026-02-05\C:\PORTFOLIO\KARTE_64KB\2026-02-05\C:\PORTFOLIO\KARTE_128KB\2026-02-05\
Sichern per DOS: schnell und zuverlässig
Wenn das PC-Card-Drive die Karte als Laufwerk eingebunden hat (je nach Setup z. B. A:, E: o. Ä.), reicht für komplette Sicherungen ein XCOPY:
xcopy A:\*.* C:\PORTFOLIO\KARTE_128KB\2026-02-05\ /E /I /V
/Ekopiert alle Unterordner (auch leere)/Ibehandelt das Ziel als Ordner/Vverifiziert nach dem Kopieren (langsamer, aber sicher)
Wenn ich nur „Arbeitsstände“ nachziehen will, nutze ich gern ein Ziel wie ...\AKTUELL\ und kopiere nur neuere Dateien:
xcopy A:\*.* C:\PORTFOLIO\KARTE_64KB\AKTUELL\ /E /D /I
8.3-Dateinamen: lieber kompatibel als kreativ
Ich halte Dateinamen kurz (8.3), ohne Umlaute und Sonderzeichen. Das erspart Ärger – gerade wenn Dateien zwischen Portfolio, Card-Drive und moderner Sicherung wandern.
Wenn eine Karte „komisch“ wird: erst retten, dann reparieren
Bei Verzeichnisfehlern oder sporadischen Lesefehlern gilt für mich: erst sichern, was noch geht, dann reinigen/prüfen/formatieren. Gerade bei SRAM-Karten ist die Stützbatterie immer ein Kandidat – und Experimente ohne Backup lohnen sich nicht.
Mini-Ordnung auf der Karte
Damit ich mich auch später sofort zurechtfinde, halte ich die Karten schlicht strukturiert:
\DOC\für Texte\PRG\für Tools\DATA\für Daten/Listen\TMP\für „kann weg“

Conclusion
Die Karten sind beim Atari Portfolio nicht nur „nettes Zubehör“, sondern ein Kernstück der Idee: mobiler DOS-Rechner, schneller Wechselspeicher, und sogar Software zum Einstecken. Die Original-Speicherkarten mit 32/64/128 KB wirken heute nostalgisch klein, machen den Portfolio aber erst richtig authentisch. Und mit einem schnellen Backup über das einsatzbereite PC-Card-Drive bleibt der Retro-Workflow erhalten – ohne dass man bei den Daten irgendwann böse überrascht wird.


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