Der Amiga 500 von Commodore war praktisch der „Nachfolger” des Commodore C64. Ende der 80er war das der Rechner, den viele haben wollten – doch ich scherte mich nicht darum, was die Mehrheit wollte. Ich bekam einen Atari 1040 STFM zum Schulabschluss 1987 geschenkt. In meinem Freundeskreis gab es nur einen, der den Amiga besessen hat – auch machte ich keine Bekanntschaft mit den Meinungsverschiedenheiten der einzelnen Fans, welcher Rechner wohl der bessere sein könnte. Hier aber trotzdem die Geschichte des Amiga 500.
Die Geschichte
Was viele nicht wissen: Der Amiga kam ursprünglich gar nicht von Commodore. Die kalifornische Firma Amiga Corporation – gegründet u.a. von Jay Miner, dem Vater der Custom-Chips im Atari 8-Bit – entwickelte den späteren Amiga 1000 ursprünglich als Spielkonsole. Geldnot zwang die Firma dann zum Verkauf, und Commodore griff 1984 zu. Pikantes Detail am Rande: Atari wollte ebenfalls zugreifen, kam aber zu spät. Jack Tramiel, der inzwischen Atari führte, dürfte sich noch lange geärgert haben.
Der Amiga 1000 erschien 1985, der A500 folgte 1987 und war der erste Amiga, bei dem der Rechner in die Tastatur integriert war. Die Amiga-Serie als Ganzes lief bis zur Commodore-Pleite 1994 weiter – mit Desktop-Modellen wie A1000 (1985), A2000 (1987), A3000 (1990) und A4000 (1992) sowie den Tastatur-Modellen A500 (1987), A500+ (1991), A600 (1992) und A1200 (1992).
Vorgestellt wurde der A500 1987 auf der CeBIT zusammen mit dem Amiga 2000. Zielgruppe war der Privatanwender mit kleinerem Geldbeutel. Für das Gehäuse wurde ein Design gewählt, das dem Commodore 128 ähnelt. Mit über sechs Millionen verkauften Geräten weltweit wurde der A500 das mit Abstand meistverkaufte Modell der gesamten Amiga-Familie.
Die Technik
Wie die Konkurrenten von Atari hatte der A500 einen Motorola 68000 als Hauptprozessor, getaktet mit 7,09 MHz (PAL). Was den Amiga aber wirklich besonders machte, war der Custom-Chipsatz: Während der Atari ST seinen 68000 nahezu alles selbst erledigen ließ, hatte der Amiga drei spezialisierte Co-Prozessoren, die parallel zur CPU arbeiteten:
- Agnus – DMA- und Speichercontroller, beheimatet auch den Blitter (für schnelle Block-Operationen) und den Copper (für rasterzeilengenaue Effekte).
- Denise – Grafik-Ausgabe mit bis zu 4096 Farben gleichzeitig im legendären HAM-Modus (Hold-And-Modify).
- Paula – 4-Kanal-Stereo-Sound, Floppy-Controller, serielle Schnittstelle.
Dazu kam Workbench mit echtem präemptivem Multitasking – 1987 hatte das schlicht kein anderer Heimcomputer. Das alles zusammen machte den A500 zu einer Maschine, die Demoscene, Spieleentwickler und Grafiker gleichermaßen begeisterte. Die berühmte Boing-Ball-Demo war damals nicht umsonst die ikonische Tech-Demo schlechthin.
Ein 3,5″-Diskettenlaufwerk war integriert (880 KB Kapazität, deutlich mehr als die 720 KB der PC-Konkurrenz), 512 KB Chip-RAM standen ursprünglich zur Verfügung. 1987 und 1988 wurde der A500 mit Kickstart 1.2 ausgeliefert, ab Oktober 1988 dann mit Version 1.3.
Mainboard-Revisionen und Chipsätze
In den knapp fünf Jahren Produktionszeit (1987–1991) gab es sechs Hauptrevisionen des Mainboards: Rev. 3 (1987), Rev. 4, Rev. 5, Rev. 6/6A (1988), Rev. 7/7A und Rev. 8/8A (1991). Die Rev. 4 und 7 gelten als Übergangsplatinen mit kleinen Stückzahlen.
Die ersten Boards (bis Rev. 6) hatten 512 KB RAM in 16 ICs à 32 KB verbaut – das Maximum, das der originale Chipsatz (OCS) adressieren konnte. Späte A500-Revisionen bekamen schon den ECS-Agnus (8372A, „Fatter Agnus”), der 1 MB Chip-RAM ansprechen konnte, behielten aber meist noch den OCS-Denise. Echtes „vollständiges” ECS mit neuen Grafikmodi (Productivity, SuperHires) kam erst mit dem Amiga 3000 (1990) bzw. dem A500+ (1991).
Die letzten Rev. 8/8A-Boards waren eigentlich für den A500+ entwickelt worden und wurden parallel auch für die letzten A500 mit Kickstart 1.3 verwendet.

Massenspeicher und Erweiterungen
Hier wird’s interessant – und für ST-verwöhnte Augen wie meine etwas ernüchternd. Festplatten waren beim A500 nie so verbreitet wie beim Atari ST. Für den ST gab es schon zu Lebzeiten die berühmten Megafile-Laufwerke am ACSI-Port (das ist SCSI-ähnlich, aber nicht identisch – echtes SCSI gab’s bei Atari erst beim TT) – beim Amiga musste man auf das externe A590-Laufwerk warten, das seitlich an den Erweiterungs-Slot kam. Bis dahin: alles von Diskette. Größere Spiele kamen auf 4 bis 6 Disketten daher, in der späteren AGA-Zeit auch mal auf zehn.
Ein integriertes Netzteil hat der A500 nicht – wie beim ST liegt es extern (immerhin mit eigenem Schalter). Auch der HF-Modulator zum Anschluss an einen Fernseher war in Deutschland nicht im Lieferumfang. In Großbritannien gab’s den serienmäßig im Bundle „A500 with TV modulator”.
Aufrüstbar ist der A500 über zwei Wege:
- Trapdoor-Slot unten: 512 KB Erweiterung auf 1 MB Gesamt-RAM. Bei OCS-Boards landet die Erweiterung als „Slow-RAM” im Speicher, bei späten Boards mit ECS-Agnus kann sie auch als zusätzlicher Chip-RAM genutzt werden.
- Seitlicher Erweiterungs-Slot: bis zu 8 MB Fast-RAM, Festplatten, Beschleuniger.
Ein kleines Problem schleppt der A500 dabei mit sich: Die „Freundin” (Amiga heißt auf Spanisch ja genau das) ist von der Leistung etwas zu schwach auf der Brust, um viele Erweiterungen gleichzeitig sinnvoll mit Strom zu versorgen.

Der Nachfolger: Amiga 500 Plus
Ab 1991 gab es den A500+ mit doppelt so viel Speicher (1 MB Chip-RAM auf dem Board, erweiterbar auf 2 MB), vollständigem ECS-Chipsatz und Kickstart 2.04 mitsamt Workbench 2.0. Optisch praktisch identisch zum Vorgänger, technisch ein deutlicher Schritt nach vorn.
Das hatte aber einen Haken: Viele ältere Spiele (etwa Treasure Island Dizzy, Lotus Esprit Turbo Challenge oder SWIV) liefen unter Kickstart 2.04 schlicht nicht mehr. Einige Käufer brachten ihre A500+ entnervt zurück zum Händler und verlangten einen „richtigen” A500 mit Kickstart 1.3. So entstand schnell ein Markt für Kickstart-Umschalter, mit denen sich zwischen 1.3 und 2.0 wechseln ließ.
The games
Hier muss ich als bekennender ST-Mensch auch mal die Klappe halten und den Hut ziehen: Die Amiga-Spielebibliothek ist legendär. Lemmings, Monkey Island, Turrican II, Settlers, Pinball Dreams, Cannon Fodder, Defender of the Crown, Shadow of the Beast – Titel, die ganze Generationen geprägt haben. Viele davon gab’s zwar auch für den ST, aber auf dem Amiga liefen sie eben mit Hardware-Scrolling, mehr Farben und vier Sound-Kanälen. Da kam der ST trotz seinem schöneren Gehäuse einfach nicht mit. (So, das musste ich jetzt zugeben.)

Heute: Erweiterungen und Alternativen
Auch wenn der A500 lange aus der Produktion ist – die Szene lebt. Aktuelle Erweiterungen, die das Gerät fit für heute machen:
- ACA500plus von Individual Computers – Beschleuniger mit SD-Karte als Festplattenersatz, Nachfolger der ursprünglichen ACA500.
- PiStorm – ein Raspberry Pi als 68k-CPU-Ersatz, mittlerweile sehr populär in der Szene.
- Vampire – FPGA-basierte Beschleuniger mit eigenem erweitertem Chipsatz (SAGA), inklusive HDMI-Ausgang.
- Gotek-Floppy-Emulatoren – kein Diskettengeschrei mehr, alles per USB-Stick.
- Dazu Dutzende weiterer Boards aus der Community: TerribleFire-Beschleuniger, kipper2k-Speichererweiterungen, Kickstart-Umschalter und mehr.
Wer den Amiga nicht im Original betreiben mag, greift zum THEA500 Mini (2022) von Retro Games – eine offizielle Mini-Nachbildung mit vorinstallierten Spielen und ordentlicher Emulation. Für die Wohnzimmer-Couch ein netter Kompromiss.
Mein Exemplar
Werfen wir noch einen Blick auf das konkrete Gerät, das hier bei mir im Regal steht.
Das silberne Typenschild auf der Unterseite verrät: Modell A500, Seriennummer 192385, Made in China, funkentstört nach DBP-Vfg. 1046/84 – also offiziell für den deutschen Markt zugelassen, kein Grauimport. Daneben klebt ein weiterer Aufkleber mit der Bezeichnung A500 FG (Federal Germany, deutsche Marktvariante mit QWERTZ-Tastatur) und einem 22-stelligen Barcode.

Dieser Barcode lässt sich nach demselben Schema entschlüsseln wie der auf dem A1200:
AAA · BB · CC · DDDDDD · EE · FF · GGGGG
Mein Code lautet 0120592312587032217770:
- 012 – Produktionsstandort China
- 05 – Produktionswoche 5
- 92 – Produktionsjahr 1992
- 312587 – Produktnummer
- 17770 – interne Geräte-Seriennummer
Mein A500 lief also in der fünften Kalenderwoche 1992 vom Band – Ende Januar / Anfang Februar, kurz bevor die A500-Produktion endgültig zugunsten des A500+ eingestellt wurde. Ein echter Spätzünder also, dazu eines der eher seltenen in China gefertigten Exemplare. Die meisten europäischen A500 kamen ja aus Braunschweig oder Hongkong.
Auf der Platine bestätigt sich die These vom “Spät-A500”: Das Mainboard trägt den Aufdruck 312512 und vor allem „512K/1M RAM” – das ist eindeutig ein Rev-8-Board, also baugleich mit dem A500+. Nur eben mit Kickstart 1.3 und 512 KB Chip-RAM ausgeliefert statt mit 2.04 und 1 MB. Im Sockel sitzt ein Fat Agnus in der ECS-Variante, das Diskettenlaufwerk ist ein Epson SMD-300 mit Datumssticker 12/91.

Im Trapdoor-Slot steckt eine 512-KB-Speichererweiterung – keine originale Commodore A501 (die hätte eine Echtzeituhr samt Batterie), sondern eine deutsche No-Name-Karte. Erkennbar am deutschen Silkscreen-Aufdruck “BAUTEILESEITE” auf der Vorderseite und “LÖTSEITE” auf der Rückseite. Vier Samsung KM44C256BJ-7 SMD-Chips (Korea, Woche 35/1991) liefern die 512 KB; auf der Platine ist Platz für weitere vier Chips, die das Ganze auf 2 MB hochrüsten würden. An der Karte hing ursprünglich ein externer Kippschalter, mit dem sich die Zusatz-RAM bei Inkompatibilitäten mit alten Spielen deaktivieren ließ. Der Schalter ist mittlerweile abgebrochen – ein Reparaturprojekt für später.

Aufgewertet habe ich das Gerät mit zwei Erweiterungen: einer Indivision ECS von Individual Computers im Denise-Sockel für sauberen VGA-Ausgang an modernen Monitoren, und der ACA-500 desselben Herstellers am seitlichen Erweiterungs-Slot. Die ACA-500 bringt einen 14-MHz-68EC000, 2 MB Fast-RAM und zwei CompactFlash-Slots als Festplattenersatz mit – endlich Schluss mit dem Diskettengeschrei. Mehr dazu in meinem ACA-500-Artikel.
Zusammengefasst also: Ein später deutscher A500 aus chinesischer Fertigung, auf A500+-Mainboard, mit deutscher Trapdoor-Erweiterung und moderner VGA-Lösung. Technisch fast schon ein verkappter A500+, nur eben mit der charmanten Kickstart-1.3-Patina, die der Kompatibilität mit älteren Spielen gut tut.
Früher habe ich meine Freunde um diese coole Kiste immer beneidet. Heute, mit dem Ding im Regal, sehe ich es differenzierter – als ein bemerkenswertes Stück Technik, das seiner Zeit in vielen Punkten weit voraus war. Aber jetzt mal ehrlich: der ST sieht halt schöner aus. 😉


