Eine Spielkonsole von Commodore? Das Commodore Amiga CD³² ist in meine Retro-Ecke eingezogen. Dieses Gerät war nicht der erste Versuch von Commodore in den Konsolenmarkt einzusteigen – z. B. kam 1990 das C64 Game System auf den Markt und 1991 das CDTV.
Die Basis für das CD³² lieferte der Amiga 1200, der 1992 veröffentlicht und mit dem neuen AGA-Chipsatz (Advanced Graphics Architecture) ausgestattet wurde. 1992 war ein Jahr, in dem viel falsch lief für die Firma aus USA – die Spezifikationen des A1200 wurden zu früh veröffentlicht und Commodore konnte das Gerät nicht pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ausliefern. Währenddessen wurden noch viele Amiga 600 produziert oder waren auf Lager. Da aber am Horizont schon der neue, bessere Rechner in Sicht war, blieb Commodore auf einem riesigen Berg A600 (und A500) sitzen, womit auch viel Geld fehlte. Zudem kostete der Amiga 600 viel Geld – er sollte eigentlich eine günstige Version des A500 werden, wurde aber wegen seiner Bauweise sogar teurer als der A500. Commodore arbeitete nach dem Prinzip etwas herzustellen, zu verkaufen und mit den Erlösen die „Rohstoffe”, die sie eingesetzt hatten, zu bezahlen. Das rächte sich nun…
Diesen Hintergrund wollte ich vorher erklären, um das weitere Geschehen besser verstehen zu können. Seit 1992 arbeitete Commodore am „CD Game System” (interner Frühcodename: Amigo, später offiziell „Spellbound”) und im Januar 1993 wurde das Design des Gatearray-Chips mit dem Namen „Akiko” dafür fertiggestellt. Dieser konvertierte Bitplane-Grafiken hardwareseitig in das sogenannte „Chunky-Pixel”-Format und vereinfachte damit die Portierung von PC-Spielen mit bis zu 24-Bit-Grafiken auf das neue Gerät erheblich.
Im Februar 1993 näherte sich die Entwicklung dem Ende. Da das Gerät dringend hochwertige Spiele benötigte, wurden 15 Prototypen für Spielentwickler hergestellt. Da die Gehäuse noch nicht fertig waren, wurden die Platinen kurzerhand auf Holzplatten geschraubt 😉 Vor der Auslieferung an die Entwickler wurde der Name endgültig in CD³² geändert. Damit war alles gesagt: ein CD-basiertes System mit einem 32-Bit-Prozessor.
Im Oktober 1992 begann auch die Entwicklung des Controllers für das Game System. Das Design lehnte sich an SNES/Super-Famicom-Controller an. Aus heutiger Sicht ist die gequetschte Form eines „U” aus ergonomischer Sicht fragwürdig. Trotzdem liegt das Joypad recht gut in der Hand. Der rote Knopf wurde etwas größer gestaltet und wird damit zum Hauptknopf. Leider ist die Verarbeitung mangelhaft und das Steuerkreuz besteht aus einer flachen Scheibe mit vier Noppen. Bei späteren Versionen wurde auf die Steuerscheibe einfach noch ein Steuerkreuz aufgeklebt.
Das Gehäuse des CD³² wurde von Don Kaminsky, der auch für das Design von A600 und A1200 verantwortlich war, entworfen. Als Ausgangspunkt diente das „Top-Loading” CD-Laufwerk, das aussieht wie bei billigen CD-Spielern ohne Schubladen für die CDs. Immerhin war es ein Double-Speed-Laufwerk!

Commodore Amiga CD³² – Logo
Parallel zum Gerät selbst wurde eine extra zu erwerbende MPEG-Video-Decoder-Karte entwickelt, die es dem CD³² ermöglichte, digitale Videos von CD abzuspielen (VCD – Video CD Format). Außerdem konnten die Video-CDs des CD-i verwendet werden.
Im Juni 1993 sollte auf der CES in Chicago das CD³² vorgestellt werden, aber Commodore fehlte das Geld für einen großen Stand. Nur auf dem Stand von NewTek, dem Entwickler der Software LightWave 3D, die auf Commodore-Rechnern lief, war etwas vom Amiga zu sehen. Mit dieser Software wurden Szenen für Babylon 5, seaQuest DSV and Jurassic Park erstellt. Ebenfalls auf der CES wurde Commodores großer Konkurrent vorgestellt – das 3DO. Das Gerät kam auf der Ausstellung sehr gut an und es wurden auch erfolgreich Commodore-Entwickler abgeworben.
Die Produktion des CD³² wurde in Asien im August 1993 gestartet, damit zum Weihnachtsgeschäft genügend Geräte zur Verfügung standen. Dann begannen die Probleme größer zu werden, da Commodore zu vielen Firmen zu viel Geld schuldete und diese nur noch lieferten, wenn bar bezahlt wurde. Dazu kamen Engpässe bei den CD-Laufwerken, die nicht einfach Geräte von der Stange waren, sondern der CD-ROM-Mechanismus spezifisch war. Das Geld reichte nur für Teile, mit denen 100.000 Geräte produziert werden konnten. Dann wurde Commodore auch noch von einem Gerichtsverfahren mit CADtrak eingeholt, die mehrere Computerhersteller wegen Verletzung ihres XOR-Patents zur Manipulation von Bitmap-Grafiken verklagt hatten. Da Commodore die geforderten Lizenzgebühren (rund 10 Mio. US-Dollar) nicht zahlte, verhängte ein US-Gericht einen Importstopp für die in Asien hergestellten CD³²-Geräte in die USA.
In Europa wurde die Konsole am 16. Juli 1993 im Londoner Science Museum offiziell vorgestellt. Der eigentliche Verkaufsstart folgte im September 1993 – damit war das CD³² die erste 32-Bit-Standalone-CD-Konsole in Europa. Der große Konkurrent in Europa war Sega mit dem Mega Drive, das aber nur 16-Bit bot und mit dem Mega CD nur ein Add-on zur bestehenden Konsole bieten konnte. Das CD³² kostete zu Beginn 299 Pfund (ca. 750 DM).
Da das CD³² schnell auf den Markt musste, fehlte die Software, die das Gerät ausreizen konnte. Somit mussten zahlreiche Titel des Amiga 1200 portiert werden. Daher standen 1993 nur 26 der versprochenen 70 Spiele zur Verfügung. Insgesamt gab es bis 1995 etwa 140 kommerzielle Veröffentlichungen.
Bis Ende 1993 verkaufte Commodore weltweit nur 166.000 CD³² (25.000 in Deutschland), wobei 400.000 nötig gewesen wären, damit Commodore hätte überleben können. Schuld daran war nicht die geringe Nachfrage, sondern die eingeschränkte Produktion aufgrund fehlender finanzieller Mittel.
Im April 1994 meldete Commodore International den Bankrott an und beendete das CD³² nach nur acht Monaten auf dem Markt.

Technical data
– CPU: Motorola 68EC020 @ 14,18 MHz (PAL) / 14,32 MHz (NTSC)
– RAM: 2 MB Chip-RAM
– Speicher für Spielstände: 1 KB EEPROM
– Grafik: AGA-Chipsatz mit Akiko (Chunky-to-Planar-Konverter)
– CD-Laufwerk: Double-Speed (2×)
– Betriebssystem: AmigaOS 3.1 / Kickstart 3.1
Anschlüsse
– HF-Ausgang (Antennenanschluss)
– Composite Video (Cinch)
– S-Video
– Stereo-Audio (2× Cinch)
– Kopfhörerausgang mit Lautstärkeregler (Frontseite)
– zwei neunpolige Joypad-Anschlüsse
– Amiga-kompatibel (z. B. Maus oder Joystick)
– Erweiterungs-Anschluss (z. B. für FMV-Modul und die Erweiterungskarten)
– Auxiliary-Anschluss: für Amiga-2000/4000-Tastatur
– CD-Bedientasten an der Front (Play/Stop/Skip) machen das CD³² auch als reinen Audio-CD-Spieler nutzbar

Tipps
– ganz wichtig ist der Austausch der alten Elkos gegen moderne Kerkos, die wie auch beim Amiga 1200 leicht zum Auslaufen neigen. Dabei können auch gleich zum Teil verpolt eingebaute Kondensatoren getauscht werden.
– beim Kauf darauf achten, dass die Abdeckung des Erweiterungsslots auf der Rückseite vorhanden ist
– die Scharniere des CD-Laufwerks sind empfindlich – das Laufwerk funktioniert aber weiter
– für die Lasereinheit gibt es Ersatz
– damit das Gerät heute richtig ausgereizt werden kann, lohnt sich eine Erweiterung wie die TerribleFire 328/330 oder die Wicher CD32. Beide erweitern den Speicher um zusätzliches FastRAM und fügen einen IDE-Port hinzu – zusammen mit Maus und Tastatur wird daraus praktisch ein vollwertiger Amiga 1200 mit CD-Laufwerk.
– das D-pad des Controllers ist sehr empfindlich und kann leicht defekt sein
– als Alternative zum Original-Controller gibt es das HoneyBee bzw. Competition Pro Pad – abgesehen vom Namen sind beide gleich (siehe eigener Abschnitt weiter unten)
– Netzteile: kleines/großes Netzteil – das große kann geöffnet und damit repariert werden
– verschiedene Gehäuse: weißer Commodore-Schriftzug und Erhöhung hinter der CD-Klappe – ist bei dem anderen nicht – welches ist egal
– Neustart des CD³² und beide Maustasten drücken (Maus in Port 2): Early Boot Menü
– CD³²-Startbildschirm → rechte Maustaste → Menü für Sprachen
– CD³²-Startbildschirm → linke Maustaste → Speichermenü – wenn kein Speicherplatz frei ist, wird der älteste Spielstand überschrieben. Im Menü können Speicherstände vor Überschreiben geschützt werden. Leider stand nur 1 KB(!) zur Verfügung, der oft schon mit nur einem Speicherstand ausgefüllt war. – ein guter Funktionstest für das CD³² sind die CDs „200″ bzw. „444″, die im Netz zu finden sind. Läuft bei der ersten CD der Sound und laufen die Demos flüssig und lässt sich ohne Verzögerung durch das Menü navigieren, ist das Gerät in gutem Zustand.
– es kann auch der Mega-Drive- oder Master-System-Controller verwendet werden (einige Knöpfe funktionieren aber nicht)
– das Joypad kann auch an den normalen Amigas verwendet werden
– wird die Maus verwendet, sollte diese an Port 2 angeschlossen werden
Für das CD³² wurde ein spezielles Kickstart (3.1) erstellt, das ein automatisches Booten der CD ermöglicht. Wird die Konsole ohne eingelegte CD gestartet, so wird ein farbenfroh animierter Begrüßungsbildschirm angezeigt.

Bekannte Erweiterungen
– Paravision SX1: wandelt das CD32 in einen Amiga 1200 um – u. a. IDE-Anschluss, Diskettenanschluss und Steckplatz für Speicher
– DCE SX32 MK1/Mk2: wie oben
– TerribleFire 328/330
– Wicher CD32
– Indivision ECS
– Competition Pro/HoneyBee
– Alternativen zum Original-Controller
Competition Pro CD32 – das bessere Pad
Wer länger mit dem CD³² spielen möchte, wird um eine Alternative zum Original-Pad kaum herumkommen – das wabbelige D-Pad und die mäßige Verarbeitung sind einfach Spaßbremsen. Eine sehr brauchbare Alternative ist das Competition Pro CD32 (auch baugleich als HoneyBee erhältlich – nur das Logo unterscheidet sich).
Das Pad orientiert sich klar am Mega-Drive-Controller: klassische geschwungene Form, vernünftiges Steuerkreuz mit echtem Druckpunkt, und die vier farbigen Aktionstasten (rot, gelb, grün, blau) sind diesmal in der typischen Diamond-Anordnung statt im flachen Quadrat platziert. Damit liegt es deutlich besser in der Hand als das CD³²-Original.
Der eigentliche Mehrwert sind aber die Zusatzfunktionen: Für jede der vier Aktionstasten gibt es einen eigenen Mini-Schiebeschalter, mit dem sich Turbo/Autofire individuell zu- oder abschalten lässt. Ein zentraler Dreistufenschalter OFF/TURBO/AUTO legt den globalen Modus fest, und ein SLOW-Schalter erlaubt verlangsamtes Spiel – früher die typische Mogelhilfe für schwierige Passagen. Auch die CD-Steuertasten (Play/Rewind/Forward) sind vorhanden, sodass das Pad auch im Audio-CD-Betrieb funktioniert.
Wer also viel mit dem CD³² spielt oder das Pad auch an einem anderen Amiga (alle 9-Pin-Modelle vom A500 bis A4000) verwenden möchte, sollte beim Originalpad nicht hängenbleiben.

Typenschild und Seriennummer
Auf der Unterseite befindet sich gleich eine ganze Sammlung an Aufklebern, die einiges über das Gerät verraten.
Das Haupt-Typenschild trägt das Commodore-Logo und nennt die Modellbezeichnung „AMIGA CD” sowie die ID No. 513515, die für die Modellvariante steht. Daneben die Stromversorgung (5 V DC / 2,2 A und 12 V DC / 500 mA), die Herstellungsangabe „Made in the Philippines” und die deutsche Funkentstörungs-Kennung DBP-VFG 1046/1984. Ergänzt wird das durch das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit” und das gelbe „Class 1 Laser Product”-Warnschild, das auf das CD-Laufwerk hinweist.
Ein zusätzliches Etikett dokumentiert die Produktion: „Manufactured January 1994″. Damit lief mein Gerät nur etwa drei Monate vor dem Bankrott von Commodore International im April 1994 vom Band – eines der vielen CD³², die in den letzten Atemzügen der Firma produziert wurden.
Die Seriennummer 8510294365158001109597 lässt sich teilweise entschlüsseln: – 851 = Werkscode für die Philippinen (passt zur Beschriftung „Made in the Philippines”) – 02 = Kalenderwoche 2 – 94 = Produktionsjahr 1994 – die folgenden Ziffern bilden die fortlaufende Chargen- bzw. Seriennummer
Damit ergibt sich als Produktionszeitpunkt die zweite Januarwoche 1994 – konsistent mit dem „Manufactured”-Aufkleber.
Oberhalb des Typenschilds findet sich noch ein Barcode-Etikett mit dem Zusatzcode „AL00 GR”. Das GR dürfte die Auslieferungsversion für den deutschen Markt (Germany) kennzeichnen, was zum DBP-Funkentstör-Aufdruck passt; AL00 verweist vermutlich auf eine bestimmte Hardware- bzw. Kickstart-Konfiguration der Region.
Der kleine weiße Aufkleber „Kerko/Elko 05.2015″ ist kein Werksaufdruck, sondern eine eigene Markierung von mir: Im Mai 2015 habe ich die alten Elektrolytkondensatoren gegen Keramik-Kondensatoren getauscht – die gleiche Vorsorgemaßnahme, die ich oben in den Tipps empfehle. So lässt sich später jederzeit nachvollziehen, wann der Recap stattgefunden hat.

Spiele
Leider waren viele Spiele lieblose Umsetzungen der Diskettenversionen, doch es gab auch einige Titel, die vor allem neuen Sound und Musik erhielten, da auf den CDs viel Platz war – z. B. Disposable Hero, Xenon, Fire & Ice. Es gab auch CD³²-exklusive Titel, wobei viele andere offizielle Veröffentlichungen Amiga-1200-Spiele waren, die erweitert wurden.
– Flink
– Pirates Gold
– Diggers
– Defender of the Crown 2
– Microcosm
– Prey: An Alien Encounter
– Litil Divil
– Amiga CD Football
– Castles II
– Final Gate
– Labyrinth of Time
– Lunar-C
– Summer Olympix
– Ultimate Body Blows
Commodore Amiga Chipsätze
– OCS (Original Chip Set) – verwendet in Amiga 1000, 500 und 2000 – HiRes 640×256 bzw. 640×512 (Zeilensprungverfahren PAL) mit 16 aus 4096 Farben; LoRes 320×256 (320×512) mit 32 Farben, HAM6 4096 Farben; EHB-Modus (Enhanced Half Bright) – 64 Farben – 32 frei wählbar, der Rest wird aus den ersten 32 mit halber Helligkeit erzeugt
– ECS (Enhanced Chip Set) – Amiga 600, 500 Plus und 3000 – SuperHiRes-Modus mit 1280×256 (1280×512) mit 5 aus 64 Farben; frei programmierbare Zeilenfrequenzen und die Möglichkeit, 2 MiB Chip-RAM zu adressieren
– AGA (Advanced Graphics Architecture) – Farbtiefe von 12 Bit (4096 Farben) auf 24 Bit (16,8 Mio. Farben), davon können maximal 262.144 Farben im HAM8-Modus in allen Auflösungen gleichzeitig dargestellt werden. Die Farbpaletten können mit AGA durchgehend 256 Einträge umfassen. Auch hier sind 2 MiB Chip-RAM möglich. – AAA (Advanced Amiga Architecture) – 64-Bit-Grafikchipsatz, der als Nachfolger des AGA entwickelt werden sollte. Leider blieb es bei drei Prototypen, die noch viele Fehler hatten.


![Amiga CD³² [Commodore]](https://www.jungsi.de/blog/wp-content/uploads/Commodore-Amiga-CD32-seitlich.jpg)