{"id":24469,"date":"2021-04-24T19:00:30","date_gmt":"2021-04-24T17:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jungsi.de\/?p=24469"},"modified":"2026-06-03T13:24:17","modified_gmt":"2026-06-03T11:24:17","slug":"commodore-amiga-600-commodore","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jungsi.de\/en\/commodore-amiga-600-commodore\/","title":{"rendered":"Commodore Amiga 600 [Commodore]"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, einen kosteng\u00fcnstigen Amiga zu entwickeln, existierte bereits seit 1988 bei Commodore. Bald wurde am A250 Game System gearbeitet, das aber wegen zu hoher Marketing- und Herstellungskosten der Cartridges eingestellt wurde. 1989 nahm man das Projekt wieder auf, dieses Mal mit Tastatur, Maus und Diskettenlaufwerk. Der Speicher sollte dabei auf 256 KB reduziert werden, was Kosten einsparen w\u00fcrde \u2013 aber wenig Sinn ergab, da fast alle Spiele 512 KB ben\u00f6tigten. Ernst wurde es mit dem A300 (Entwicklungsname), als Jeff Porter 1991 die Eckdaten festlegte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2013 Wegfall des Ziffernblocks \u2013 Wegfall des Erweiterungsanschlusses (Zorro Interface) \u2013 Einf\u00fchrung des PCMCIA-Slots \u2013 kleineres Netzteil \u2013 kleinere Anschl\u00fcsse \u2013 kleineres Mainboard in SMT-Technik \u2013 ECS-Chipsatz, der zuerst im A3000 zum Einsatz kam \u2013 1 MB Chip-RAM \u2013 ATA-Festplattencontroller<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Umsetzung \u00fcbernahm George Robbins, der ohnehin als \u201eVater&#8221; der Low-End-Amigas galt \u2013 schon A500 und A500 Plus stammten aus seiner Feder. Robbins gab dem Projekt auch den passenden Codenamen: \u201eJune Bug&#8221; \u2013 nach einem Song der B-52&#8217;s, in derselben Tradition wie zuvor \u201eRock Lobster&#8221; (A500) und sp\u00e4ter \u201eChannel Z&#8221; (A1200).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Einordnung: Im Sommer 1991 hatte der damalige Commodore-Pr\u00e4sident Mehdi Ali den ehemaligen IBM-Manager Bill Sydnes zum Leiter der Entwicklungsabteilung gemacht. Sydnes kippte die urspr\u00fcnglichen Designziele des A300, strich parallel den A1000+ und A3000+ und verz\u00f6gerte den AGA-Chipsatz \u2013 Entscheidungen, die sich noch r\u00e4chen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe des Projekts ergab sich, dass der neue Rechner nicht \u2013 wie urspr\u00fcnglich von Dave Haynie geplant \u2013 50 bis 60 US-Dollar g\u00fcnstiger als der A500 w\u00fcrde, sondern in der Produktion sogar teurer. Ein Grund daf\u00fcr war vor allem die neue SMD-Technik. Anscheinend war auch der Entwickler nicht so stark am Projekt interessiert und holte nicht das Optimum bei der Kostenreduzierung heraus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-PCMCIA-Slot-1024x768.jpg\" alt=\"PCMCIA Slot\" class=\"wp-image-24687\" srcset=\"https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-PCMCIA-Slot-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-PCMCIA-Slot-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-PCMCIA-Slot.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Amiga 600 &#8211; PCMCIA Slot<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Commodore \u201el\u00f6ste&#8221; das Problem mit den Kosten, indem aus dem A300 der A600 wurde, um bei den K\u00e4ufern die Erwartung zu wecken, etwas Besseres als den A500 zu kaufen. Egal ob pl\u00f6tzlich kein Ziffernblock mehr vorhanden war oder die Erweiterungen des anderen Ger\u00e4ts nicht verwendet werden konnten \u2013 Verwirrung entstand auch bei den Kunden, die das Ger\u00e4t \u00f6ffneten und auf der Platine den Aufdruck \u201eA300&#8243; sowie den Codenamen \u201eJune Bug&#8221; fanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu diesem Zeitpunkt war die Firma GVP (Great Valley Products) der Chefetage von Commodore ein Dorn im Auge, da sie viel Geld mit Ger\u00e4ten f\u00fcr den Erweiterungsbus wie z.B. Turbokarten verdiente. Damit w\u00e4re beim A600 Schluss, da der entsprechende Port fehlt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im M\u00e4rz 1992 wurde das Ger\u00e4t auf der CeBIT vorgestellt, im April 1992 startete die Massenproduktion des A600. Kurz darauf war das Ger\u00e4t in den L\u00e4den und der A500 wurde \u201egestoppt&#8221;. Aber nicht \u00fcberall: Laut Petro Tyschtschenko (in seinem Buch <em>Meine Erinnerungen an Commodore und Amiga<\/em>) str\u00e4ubte sich Commodore Deutschland gegen die Einstellung des erfolgreichen A500 und lie\u00df ihn in Braunschweig parallel weiterproduzieren. Die Engl\u00e4nder mussten den A600 und den A600HD (mit 20 oder 40 MB Festplatte) nehmen und verkaufen, da sie keine andere Wahl hatten. So sieht Einigkeit in einer Firma aus \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Strom-HF-Composite-Audio-1024x768.jpg\" alt=\"Strom, HF, Composite, Audio\" class=\"wp-image-24689\" srcset=\"https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Strom-HF-Composite-Audio-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Strom-HF-Composite-Audio-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Strom-HF-Composite-Audio.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Strom, HF, Composite, Audio<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die darauf folgenden Kritiken fielen entsprechend aus: nicht schneller, nicht erweiterbar, und der Rest der Hardware brachte in keinem wichtigen Punkt eine Verbesserung \u2013 weder Aufl\u00f6sung, noch Farben oder Sound. Hinzu kommt: Der A600 war Commodores letzter Heimcomputer mit Motorola 68000 und ECS-Chipsatz \u2013 nur Monate sp\u00e4ter erschien mit dem A1200 bereits ein 32-Bit-Nachfolger mit AGA.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Manko zeigte sich erst beim Aufschrauben: Im Gegensatz zum A500 sind beim A600 fast alle Platinenbausteine fest in SMD-Technik verl\u00f6tet, nur das Kickstart-ROM ist noch gesockelt. Viele klassische A500-Erweiterungen passen damit schlicht nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann gab es da noch die Kuriosit\u00e4t mit dem AmigaOS 2.0 und dem Kickstart-ROM 2.05: \u2013 Version 37.299: keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr ATA- und PCMCIA-Anschluss (Treiber konnten von Diskette nachgeladen werden) \u2013 Version 37.300: Unterst\u00fctzung der Hardware, aber Festplatten auf 40 MB beschr\u00e4nkt \u2013 Version 37.350: Festplatten bis 4 GB<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kam noch, dass einige \u00e4ltere, beliebte Spiele nicht mit Kickstart ab Version 2.0 funktionierten. Damit wurde der A600 f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Zielgruppe \u2013 die Spieler \u2013 unattraktiv. In Deutschland wurden nur 193.000 St\u00fcck verkauft, was im Gegensatz zum Amiga 500 l\u00e4cherlich wenig war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Erweiterungen w\u00fcnscht, ist auf die wenigen verbliebenen Schnittstellen angewiesen: Der Trapdoor-Slot an der Unterseite nimmt bis zu 1 MB Chip-RAM (f\u00fcr insgesamt 2 MB Chip-RAM) inklusive optionaler Echtzeituhr auf, der PCMCIA-Slot kann bis zu 4 MB Fast-RAM, eine Netzwerkkarte oder per Adapter eine CF-Karte tragen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Seriennummer-1024x768.jpg\" alt=\"Amiga 600 Seriennummer\" class=\"wp-image-24688\" srcset=\"https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Seriennummer-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Seriennummer-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.jungsi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Amiga-600-Seriennummer.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Amiga 600 Seriennummer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Typenschild und Seriennummer<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Exemplar tr\u00e4gt die Seriennummer <strong>M 185361<\/strong> und wurde laut Aufdruck auf den <strong>Philippinen<\/strong> produziert \u2013 eine von vier Commodore-Fertigungsst\u00e4tten des A600 (neben Irvine in Schottland, Braunschweig und Kwai Chung in Hongkong). Die Kennzeichnung \u201eFunkentst\u00f6rt n. DBP Vfg. 1046\/84&#8243; verweist auf die Verf\u00fcgung 1046\/1984 der Deutschen Bundespost und zeigt, dass das Ger\u00e4t f\u00fcr den deutschen Markt zertifiziert war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als beim Amiga 1200, dessen Seriennummern-Schema von Petro Tyschtschenko dokumentiert wurde, existiert f\u00fcr den A600 keine \u00f6ffentlich belastbare Aufschl\u00fcsselung \u2013 das vorangestellte \u201eM&#8221; ist vermutlich ein interner Werks- oder Chargencode, eine offizielle Bedeutung ist mir nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Bekannte Schwachstelle: die SMD-Elkos<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bei vielen Ger\u00e4ten von Commodore (und auch anderen Herstellern) gilt auch hier: Kondensatoren tauschen und Batterien entfernen, da diese stark zum Auslaufen neigen. Beim A600 ist das allerdings ein besonders heikles Thema: Commodore hat hier erstmals gro\u00dffl\u00e4chig SMD-Elektrolytkondensatoren verbaut \u2013 ein Bauteiltyp, der bei A600, A1200, A4000 und CD32 bekannterma\u00dfen nach gut zwei Jahrzehnten auszulaufen beginnt. Das ausgetretene Elektrolyt greift L\u00f6tpads und Leiterbahnen an, was zu Bildst\u00f6rungen, Tonaussetzern, instabilem Betrieb oder im schlimmsten Fall zu einem irreparablen Mainboard f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als beim A500 mit seinen bedrahteten Elkos, die eher eintrocknen als auslaufen, sollte man bei einem A600 nicht zu lange warten. \u00dcblicher Weg heute: Austausch der SMD-Elkos gegen Keramikkondensatoren (Kerkos), die prinzipbedingt nicht auslaufen k\u00f6nnen. Ich habe dazu mein Ger\u00e4t an einen Profi geschickt, der das f\u00fcr mich \u00fcbernommen hat \u2013 das war die Grundlage daf\u00fcr, dem A600 anschlie\u00dfend <a href=\"https:\/\/www.jungsi.de\/en\/amiga-600-upgrade-commodore-amiga\/\">ein paar ordentliche Upgrades zu spendieren<\/a> (GOTEK, Kickstart 3.1.4, eX601n, Indivision ECS V2, Furia EC020, AM-Sider).<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Mein Fazit<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich finde den Amiga 600 nicht wirklich schlecht: Er ist kompakt, hat eine IDE-Schnittstelle und bietet mit PCMCIA die M\u00f6glichkeit, z.B. Ethernet nachzur\u00fcsten oder per Adapter eine CF-Karte zum Datenaustausch zu verwenden. Es gibt heute auch einige Hersteller, die alle m\u00f6glichen Erweiterungen anbieten: Turbokarten, Speichererweiterung, VGA-Anschluss usw.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Idee, einen kosteng\u00fcnstigen Amiga zu entwickeln, existierte bereits seit 1988 bei Commodore. 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