Disciple

Disciple

In diesem Artikel will ich mit dem DISCiPLE Interface ein weiteres Disketteninterface für den Sinclair ZX Spectrum vorstellen. Wie auch alle anderen, ist auch dieses Interface heute nicht mehr einfach aufzutreiben. Es wurde 1986 von Miles Gordon Technology (MGT) entwickelt und von Rockfort Product vermarktet. Der Preis lag damals bei 85 Pfund (ohne Laufwerke). Wer meine Artikel schon länger verfolgt, dem wird Miles Gordon Technology ein Begriff sein – von dieser Firma stammt auch das +D Disketteninterface. Das DISCiPLE ist praktisch der Vorgänger – somit ergibt sich dieser zeitliche Ablauf:

1986 DISCiPLE Interface – entwickelt von Miles Gordon Technology – vermarktet von Rockfort Products – System: GDOS – V2, V2b, V3a, v3b, V3d
1988 +D/Plus D (schwarzes Gehäuse) – entwickelt von Miles Gordon Technology
1989 +D/Plus D (beiges Gehäuse) – lizenziert von Datel – System: G+DOS 2a

Das DISCiPLE war ein Interface mit vielen Möglichkeiten. Um den Spectrum nicht nur als reine Spielemaschine zu nutzen, mussten viele verschiedene Peripherigeräte angeschlossen werden können. Das DISCiPLE bietet ein Disketteninterface, ein Centronics-Interface, Netzwerk- und zwei Joystick-Anschlüsse und kostete dabei wesentlich weniger als alle diese Interfaces einzeln.
Das Aussehen ähnelt stark dem Sinclair Interface 1 und ist auch kompatibel damit. Es passt an jeden Spectrum und kann festgeschraubt werden, womit der Spectrum in einem passenden Winkel ist, um besser tippen zu können.
Auf der rechten Seite ist der Diskettenanschluss, auf der Rückseite die Netzwerk-Anschlüsse, die Joystick-Anschlüsse, der User-Port und der Centronics-Anschluss. Auf der linken Seite sind zwei Knöpfe – der „Inhibitor“ der das Interface unsichtbar macht, falls es Probleme mit anderen Erweiterungen gibt und der Snapshot-Knopf, der benutzt werden kann um den Speicher auf Disketten zu kopieren.

Disciple - Inhibit- und Snapshot-Knopf

Disciple – Inhibit- und Snapshot-Knopf

Das DISCiPLE kann mit jedem Standard-Diskettenlaufwerk verwendet werden, Single- oder Double-Density, Single- oder Double-Sided, 40 oder 80 Tracks, 3 Zoll, 3,5 Zoll oder 5,25 Zoll. Außerdem funktioniert jeder Centronics Drucker. Das kann alles mit dem Betriebssystem eingestellt werden, das von Kassette geladen und passend für die Peripherie eingestellt und auf Diskette gespeichert wird. (ich verwende ein Doppel-Laufwerk von Byte Delight)

Die System-Datei residiert im RAM des DISCiPLE und verbraucht somit keinen Speicher des Spectrum. Leider muss der Inhibit-Knopf verwendet werden um gewisse Funktionen zu deaktivieren, falls das Interface 1 mit einem Microdrive verwendet werden soll, während das DISCiPLE angeschlossen ist. Auf einer Double-Sided Double-Density Diskette können bis zu 800K gespeichert werden.
Bis zu zwei Disketten-Laufwerke können angeschlossen werden. Die Dateinamen können bis 10 Zeichen lang sein um verschiedene Dateitypen zu speichern: Basic, Data Array, Zeichen Array, Maschinensprache, Bildschirme, Microdrive Format oder Snapshots.
Die Syntax, die für die Disketten-Laufwerke verwendet wird, ist die gleiche wie für die Microdrives. Es gibt aber auch eine Syntax mit der die Laufwerke durch die Präfixe D1 (oder D2) angesprochen werden können. Dateien können umbenannt, kopiert, gelöscht, automatisch geladen werden usw. Der Computer kann resettet werden ohne das DOS zu unterbrechen und der Snapshot Knopf kann verwendet werden um ein komplettes 48K Programm auf eine Diskette zu speichern. Damit kann eine Software-Bibliothek aufgebaut werden oder Programme an entscheidenden Stellen gesichert werden.

Disciple - Interface-Anschluss

Disciple – Interface-Anschluss

Die Verwendung eines Druckers ist sehr einfach; wurde der Drucker bei der Erstellung der Systemdiskette richtig definiert, kann einfach LPrint und Llist verwendet werden. Zwei Befehle zur Positionierung werden ebenfalls unterstützt. Ebenso kann der Bildschirm-Inhalt jedes Programms ausgedruckt werden, indem man den Snapshot-Knopf und die Caps-Shift Taste verwendet.

Die Netzwerk-Funktion erlaubt es, das bis zu 62 Spectrum über DISCiPLEs verbunden werden. Im Netz können Master Disketten-Laufwerke geteilt werden, ebenso wie Drucker. Die Applikationen dafür, besonders für Erziehung sind offensichtlich. Das System, das die Daten bereitstellt, wird durch Fragen/Antworten definiert. Im „Shared Access Network“ gibt es eine „Master Station“ mit mindestens einem Diskettenlaufwerk und/oder Drucker, der alle anderen Rechner kontrolliert. Die andere Variante ist ein „Independent Station Network“ in dem bis zu acht Computer, alle mit DISCiPLE, Diskettenlaufwerk und evt. einem Drucker untereinander Dateien austauschen. Verbunden werden die DISCiPLEs  dazu mit den normalen 3,5mm Monokabeln.

Die beiden Joystick-Anschlüsse des DISCiPLE können als Kempston oder Sinclair verwendet werden. Dabei gilt: rechter Anschluss = Kempston- oder Sinclair-Joystick; linker Anschluss = nur Sinclair-Joystick. Sollte im Spiel nur Tastatur angeboten werden, kann auch das ausgewählt werden, wobei dann der Joystick bei der Tastenauswahl einfach in die entsprechende Richtung gedrückt wird.

Verwendung des Snapshot Button
Durch das Drücken von Caps-Shift auf der Tastatur und gleichzeitigen drücken des Snapshot-Button am DISCiPLE kann jederzeit, während ein Programm ausgeführt wird, ein Abbild des Speichers des Rechners auf das zuletzt verwendete Diskettenlaufwerk gespeichert werden.
Per Taste 3 wird dann der aktuelle Bildschirm gespeichert, mit 4 wird ein 48K Programm gespeichert, mit 5 ein 128K Programm. So passen z.B. auf eine leere Diskette bis zu sechzehn 48K Snapshots.
Wenn das Programm von Laufwerk 1 geladen wurde und man will nun doch auf Laufwerk 2 (oder umgekehrt) speichern, drückt man zusammen mit den Tasten drei, vier und fünf die Taste CAPS-Shift.
Die gespeicherten Snapshots erhalten die Namen „Snap A/B/C“ usw. Am Besten werden die Dateien noch mit ERASE….TO umbenannt damit man sie unterscheiden kann.
Laden der Snapshot-Dateien:
LOAD D1 „Snap A“ S (für eine 48K Datei)
LOAD D1 „Snap B“ K (für eine 128K Datei)
LOAD D1 „Snap C“ SCREEN$ (für eine Bildschirm-Datei)
!!Kann man sich auch sparen, indem man einfach LOAD p1 eingibt…..

Disciple - Diskettenlaufwerk-Anschluss

Disciple – Diskettenlaufwerk-Anschluss

Tips
– bei GDOS- (und auch SAMDOS) Disketten ist der Inhalt auf 80 Dateien beschränkt
– GDOS auf eine Diskette speichern: SAVE d1″Sys 3b“ CODE 0,6656
– einige Spiele die für das +D angepasst (gehackt) wurden, funktionieren mit dem DISCiPLE nicht, da sich die Adressen geändert haben…

Ich habe mein Gerät aus Holland von Ben Versteeg erhalten, der es vorher nochmal genau geprüft hat. Dazu hat er noch die Anleitung als Kopie und 10 Disketten im Disciple-Format gepackt. In meinem Interface arbeitet das ROM V3d.

Disciple - Netzwerk-, Joystick,- Interface-Anschluss

Disciple – Netzwerk-, Joystick,- Interface-Anschluss

Links
Hitzeproblem Disciple: http://www.worldofspectrum.org/forums/discussion/1760/
http://www.worldofspectrum.org/infoseekid.cgi?id=0022849
Disciple Nieuwsbrief-DDiscs http://www.cborn.nl/Disciple%20Nieuwsbrief-DDiscs.htm
DISCiPLE System Tape http://www.worldofspectrum.org/infoseekid.cgi?id=0014721
NDUG Zeitschrift: https://wos.meulie.net/pub/sinclair/magazines/Format/
Review: http://www.zxspectrumreviews.co.uk/review.aspx?gid=25305&rid=13365
http://retrospec.sgn.net/users/tomcat/yu/ZX/Utils/Html/FileCompressor.php

Disciple - Centronics-Anschluss

Disciple – Centronics-Anschluss